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Wissenschaft

Die Todesstrafe lässt sich nicht mit einer angeblichen Abschreckungswirkung auf potenzielle andere Täter legitimieren. Zu diesem Ergebnis kommt ein Projekt am Institut für Kriminologie der Universität Heidelberg. Die Todesstrafe wurde im Jahr 2010 in 57 Staaten angewandt. Gerechtfertigt wird diese stark umstrittene staatliche Sanktionsform vor allem mit einer angenommenen Abschreckungswirkung. Aber gibt es sie wirklich? „Wir wissen nicht, welche der gegenteiligen Ergebnisse zuverlässiger sind. Somit fehlt der Todesstrafe die generalpräventive Rechtfertigung“, sagt der Heidelberger Forscher Dieter Hermann nach einer neuen Studie.

Die Medizin kann heute zwar viele Infektionskrankheiten bekämpfen, die Menschen früher aus dem Leben rissen. Dafür gibt es nun andere Probleme wie Demenz oder Krebs. “Wir wissen inzwischen, dass die meisten Zivilisationserkrankungen ein Produkt unserer Evolution sind.” Medizin-Professor Torsten Schöneberg weiter: “Unser Körper ist für Lebensumstände geschaffen, die heute so nicht mehr existieren. Ursprünglich evolutionäre Vorteile fallen uns jetzt auf den Fuß.“ In Leipzig gibt es deshalb nun ein neues Studienfach. Es verschafft jungen Medizinern Einblicke, wie Evolution und Krankheit miteinander verknüpft sind.

Die christlichen Kirchen hatten sich bis ins 20. Jahrhundert an Gewaltakten beteiligt oder sie zumindest nicht verhindert, so der Historiker Gerd Althoff in Münster. Heute habe das Christentum „seine gewalttätigsten Phasen hinter sich“. In der Geschichte ist es aber immer wieder zu Rückfällen gekommen. Das Verhältnis von Religion und Gewalt steht ab Anfang April im Mittelpunkt der öffentlichen Ringvorlesung des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Universität Münster. Sie soll den Zuhörern die geschichtlichen Wandlungen vor Augen führen und zum Nachdenken anregen.

In der Debatte zur Frage, ob Kernspaltungsreaktoren weiterhin vertretbar sind, plädiert Thomas Klinger, wissenschaftlicher Leiter beim Forschungsreaktor Wendelstein 7-X, für die intensive Verfolgung aller aussichtsreichen Optionen für eine Energiepolitik der Zukunft. Die aktuellen Probleme in japanischen Kernkraftwerken dürfen zu keinen negativen Konsequenzen für die weitere Erforschung der Kernenergie führen. Denn Fusionsenergie kann entscheidend dazu beitragen, den voraussichtlich auf das Sechsfache ansteigenden Energiebedarf auf dem Planeten zu decken – vorausgesetzt, die Entwicklung wird konsequent vorangetrieben.

Im farbenprächtigen Spektakel der Polarlichter zeigen sie sich von ihrer schönen Seite. Dass sie auch anders können, merkt man, wenn sie Satelliten und ICEs stilllegen: Elektrisch geladene Teilchen, Radiowellen und Röntgenstrahlen. Sie werden von der Sonne in den Weltraum geschickt und gelangen zur Erde. Würzburger Astrophysiker nehmen sie in einem neuen Forschungsprojekt genauer unter die Lupe.

Die US-Verfassung nötigt Universitäten nicht zur Verbreitung von Ignoranz, erklärte gestern der bekannte Physiker und Kosmologe Lawrence M. Krauss. Er kommentierte einen juristischen Vergleich wegen religiöser Diskriminierung als evangelikaler Christ zwischen der Universität von Kentucky und dem Astrophysiker Martin Gaskell.

„Warum fürchten wir uns, Menschen zu schaffen?“ Das fragt der britische Physiker und Wissenschaftsjournalist Philipp Ball. Für das Magazin „New Scientist“ diskutierte er einige Feststellungen in der Ethik-Debatte um künstliche Befruchtung und das Klonen von Menschen. Den Begriff „unnatürlich“ greift er scharf an. Die Furcht vor einigen Mythen ist kein Argument, Chancen moderner Fortpflanzungsmedizin auszuschließen. Ball ist nicht der einzige, der die grundsätzliche Ablehnung technologischer Potentiale in Frage stellt. Bei uns ist das Thema höchst aktuell: Die Kirchen wollen die Präimplantationsdiagnostik verbieten.

Im Hinduismus sind Kühe heilig, im Judentum Schweine „unrein“ und überzeugte Muslime machen auch um Hunde einen weiten Bogen. Eine endgültige Erklärung religiöser Tabus ist eine kniffelige Angelegenheit, so der Evolutionspsychologe Nigel Barber. Er beschäftigte sich mit Argumenten und Gegenargumenten, die derzeit existieren. Neuere Theorien der Evolutionspsychologie haben dabei einiges für sich, meint er. Diese Tabus dienten unter anderem zur Abgrenzung von anderen Gruppen. Aber auch die säkulare Ethik befindet sich hier in einer rapiden Entwicklung.

„Es ist offiziell: Die Sonne ist eine Kugel“, meldete heute die NASA. In den letzten Monaten gelang es, zwei Beobachtungssatelliten auf gegenüberliegenden Polen der Umlaufbahn unserer Erde um die Sonne zu positionieren. Nun können dauerhaft Bilder des gesamten Panoramas der Sonne übertragen werden. „Zum ersten Mal können wir solare Aktivitäten in ihrer vollen dreidimensionalen Pracht sehen“, so Angelos Vourladis vom Team um die „STEREO“-Satelliten. Ein großer Moment für die solare Physik, findet er. Die Bilder werden helfen, die Eigenschaften der Sonne besser zu verstehen und das Wetter präziser vorherzusagen.

Eine Astrophysikerin aus Potsdam hat neue Überreste einer Nachbargalaxie in unserer Heimatgalaxis gefunden: den „Aquarius-Strom“, benannt nach dem Sternbild des Wassermanns. Bei dem Sternstrom handelt es sich um die Überreste einer kleineren Galaxie. Sie befand sich einst in unserer Nachbarschaft und wurde vor 700 Millionen Jahren von der Schwerkraft der Milchstraße auseinander gerissen. Der Aquarius-Strom trägt die Nummer 16 der bisher entdeckten Sternströme in unserer Milchstrasse. Zuvor versperrte die hohe Konzentration der Sterne im galaktischen Zentrum den Blick.

Wie wirken empfundenes Wohlergehen und Faktoren wie Einkommen, Familienstand, Gesundheit und beruflicher Erfolg aufeinander? Dieser Frage sind Martin Binder und Alex Coad vom Jenaer Max-Planck-Institut für Ökonomik nachgegangen. Ihr Ergebnis: Gesteigertes Wohlergehen führt unter anderem zu besserer Gesundheit und größerem beruflichen Erfolg. Im Umkehrschluss allerdings führten positive Veränderungen etwa von Einkommen zu einem sinkenden Wohlergehen in den Folgejahren.

Forscher haben eventuell herausgefunden, welches Kriterium Kleinkindern als Zeichen für soziale Dominanz gilt. Eine Studie mit 144 Säuglingen und Kleinkindern ergab, dass die Körpergröße der beobachteten Personen bei der Einschätzung eine zentrale Rolle spielt. Ab einem Alter von zehn Monaten bildet sich den Ergebnissen zufolge die Fähigkeit heraus, den Gewinner im Streit zwischen zwei Personen vorherzusagen. Die Forscher sehen das als einen Beleg dafür, dass Menschen mit einem angeborenen Verständnis für soziale Hierarchien zur Welt kommen.

Das menschliche Gehirn arbeitet ungeheuer schnell. Insbesondere Seheindrücke sind jedoch so komplex, dass die Verarbeitung mehrere Hundert Millisekunden dauert. Erst dann dringen sie ins Bewusstsein. Diese wichtige Verzögerung kann unterschiedlich lang sein. Denn wenn das Gehirn bereits im Voraus über Informationen verfügt – also schon weiß, was es sehen wird – dann setzt auch das bewusste Erkennen früher ein. Bislang gingen Neurowissenschaftler davon aus, dass bewusste Wahrnehmung eher starr und zeitlich nicht variabel ist.

Laut einem Bericht der britischen Tageszeitung „Daily Mail“ setzt der Starautor und prominente Religionskritiker Christopher Hitchens bei der Behandlung seines Speiseröhrentumors auf fortschrittliche Behandlungsmethoden. Die Erkrankung wurde bei ihm Mitte vergangenen Jahres diagnostiziert. Der 61-jährige Hitchens soll im Rahmen der Behandlung auch sein Genom entziffert haben lassen. Die Preise dafür fallen schnell.

 
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