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LEGO-Sprecherin zu „Jabba’s Palace“: „Das ist normales Geschäftsgebaren“

Nach Kritik der Türkischen Kulturgemeinde Österreich an einem LEGO-Bausatz wurde bekannt, dass der Spielzeughersteller das Produkt ab 2014 nicht mehr verkaufen will. Ein Einknicken vor den Vorwürfen der Kulturgemeinde hat LEGO nun dementiert.

Kulturrassistisch inspiriert? Illustration von „Jabba’s Palace“ aus der „Star Wars“-Filmreihe. Bild: JMAS / starwars.wikia.com

Pädagogik – Neo-Rassismus, der sich als Spielzeug getarnt in die Kinderzimmer einschleicht und die Gehirne der Heranwachsenden mit kulturellen Stereotypen programmiert: Das sieht die Türkische Kulturgemeinde Österreich im LEGO-Bausatz „Jabba’s Palace™“, seit zur letzten Weihnachtszeit ein österreichischer Vater bei der Gemeinde eine Beschwerde über das Produkt vorbracht haben soll.

„Pädagogischen Sprengstoff“ mit „verwerflichen Mängeln“ stelle der Bausatz aus der „Star Wars“-Reihe des bekannten Spielzeugherstellers dar, hieß es daraufhin in einer Stellungnahme der Kulturgemeinde.

„Eine der hinterhältigsten bedenklichsten Volksverhetzungen“ und Rassendiskriminierung: Das Spielzeug könne als geeignet betrachtet werden, um Straftatbestände zu erfüllen, so die Überzeugung. Ein juristisches Vorgehen gegen den Plastikpalast der prominenten „Star Wars“-Figur behielt sich die türkische Kulturgemeinde ausdrücklich vor, eine Klage bei der Staatsanwaltschaft wurde angedacht.

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Der umstrittene LEGO-Bausatz. Foto: LEGO

„Bei genauerer Betrachtung sind das fertig zusammengebaute LEGO-Haus und der dazugehörige Turm tatsächlich aber ein 1:1-Abklatsch der Hagia Sophia in Istanbul oder der Moschee Jami al-Kabir in Beirut und eines Minaretts“, lautete ein Befund. Der Name Jabba eine Verhöhnung des islamischen Gottes. Die Bauchtänzerin an Ketten und die Wasserpfeife im Mund des feisten Waffenhändlers ein klarer kultureller Hinweis auf den orientalischen und muslimischen Hintergrund. Damit nicht genug: „Die Raketen, Kanonen, Waffen (Laserpistolen, Gewehre und Samuraischwerter) und Falltüren in der LEGO-Burganlage sind pädagogisch bedenklich.“

Mit einer Pressemitteilung gab die Türkische Gemeinde nun am vergangenen Freitag bekannt, dass Lego-Managerinnen bei einem Treffen in München versichert hätten, dass „Jabba’s Palace“ ab 2014 nicht mehr im Sortiment vorkomme. Zuvor sei LEGO „auf die einzelnen Vorwürfe und Fragen der Türkischen Kulturgemeinde nicht eingegangen und habe sich in Ausreden und Plattitüden gerettet“. Triumphierend deshalb die Feststellung: „Nun hat sich das Blatt gewendet.“

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LEGO-Borgmännchen: Auch bald weg vom Schaufenster?

Birol Kilic, Obmann der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich: „Wir bedanken uns und gratulieren Lego zur Entscheidung, ab 2014 den Lego Star Wars-Bausatz Jabbas Palace nicht mehr zu produzieren und aus dem Produktwerbekatalog zu nehmen.“  Mit dem Spielzeug seien eindeutig Orientalen und Asiaten diffamiert worden, „indem Klischees in Plastikmännchen gegossen wurden.“

Ein Präzedenzfall? Folgt bald der Aufstand von Transhumanisten wegen LEGO-Borgmännchen? Werden Star-Trek-Episoden mit Klingonen bald nur noch nach 22 Uhr ausgestrahlt? Gene Roddenberry wird es nicht mehr erfahren, der im nächsten Jahr seinen 70. Geburtstag feiernde George Lucas hingegen ist wohl als findiger Rassist entlarvt. Den subtil indoktrinierenden Bausatz gab es in seiner Kindheit nicht.

Auf Anfrage stellte jedenfalls die Pressesprecherin von LEGO Deutschland Katharina Sasse nun klar: „Die gesamte Star-Wars-Produktserie brilliert durch die Nähe zu den Vorlagen aus dem Film. Das ist auch bei Jabbas Palast der Fall – wir standen und stehen 100 Prozent zu diesem Produkt sowie der ganzen Produktlinie. Die Tatsache, dass der Palast nun aus dem Sortiment genommen wird, hat nichts mit der Kritik zu tun. Bereits im Sommer 2012 war klar, dass das Produkt Ende 2013 auslaufen würde. Vielleicht nehmen wir es, in dieser Form, später auch wieder ins Sortiment. Das ist unser normales Geschäftsgebaren.“

Ob der Proteststurm um das Produkt jetzt wirklich abebbt, ist offen. Denn die Bezeichnung des Bausatzes hieße auf gut Deutsch „Jabbas Palast“. Zu den Produktmerkmalen sagt der Onlinehändler Amazon: „Jungen, Grundschule“. Die Programmierung der Gehirne geht wohl weiter, bis 2014 endlich Schluss damit ist.

Mitarbeit: Sebastian Bartoschek

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Diskussion - Bisher 7 Kommentare - Kommentar schreiben
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    „Die Programmierung der Gehirne geht wohl weiter, bis 2014 endlich Schluss damit ist.“ – Was ist denn das für ein Schlusssatz? Ich hoffe doch, beißende Ironie.

    In welchem Märchen kommen denn keine „Straftaten“ vor? Wer hat denn nicht als Kind „Cowboy und Indianer“ gespielt, wo übelste Freiheitsberaubung (Marterpfahl), Körperverletzung (mit Pfeilen und Beilen), Rassismus („Bleichgesichter“) und andere Scheußlichkeiten „die Gehirne programmierten“? Sodom und Gomorra waren Tür und Tor geöffnet, ein Wunder, dass Kinder-Wigwams noch in der Metro zu kaufen sind. *Ironie aus*

    Diese ganze Geschichte ist doch absurd. Man kann nur hoffen, dass dieser Betroffenheits-Quatsch nicht wirklich zur Entscheidung von Lego geführt hat – alles andere wäre ein Armutszeugnis.

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    Nur mal am Rande: die Hagia Sophia ist ein Beutestück.
    Wäre ein günstiger Zeitpunkt, über den Erwerb von Eigentum durch Krieg zu thematisieren….

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    Absurde Vorwürfe. Aber vielen Dank für die Geschichte, sie bestärkt mich in meiner Einstellung, dass es nichts gibt, was man nicht mit etwas guten Willen und Kreativität als tödliche persönliche Beleidigung und Angriff auf die eigene Weltanschauung verstehen kann.

    Schönen Tag noch! (Nein, damit wollte ich nicht sagen, dass Ihr Dackel hässlich ist.)

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    Bei dieser Gelegenheit möchte ich nocheinmal auf meinen eigenen Blogeintrag vom 23. Januar 2013 hinweisen, den der werte Autor dieses Artikels gelesen, aber scheinbar nicht verlinkt zu haben scheint:

    http://star-trek-tafelrunde.blogspot.de/2013/01/der-ohne-sunde-werfe-das-erste-lego.html

    Tsetse! Etikette!!

    ;)

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    Haaaaallooooooo!

    Das war einfach nur ein …

    … Aprilscherz!

 
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