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USA: Sympathien für Atheisten, Homosexuelle und Frauen gewachsen

Neue Meinungsumfrage zeigte, dass nichtreligiöse Menschen weiterhin eine der unpopulärsten Gruppen bilden.

Die 17-jährige Atheistin Jessica Ahlquist – Vielleicht können Nichtgläubige wie sie in zwanzig oder dreißig Jahren als US-Präsidentschaftskandidaten antreten. Foto: AHA

Meinungsforschung – In den Vereinigten Staaten zählen noch mehr als etwa in Deutschland, Österreich oder der Schweiz atheistische und andere nichtreligiöse Menschen zu den am stärksten diskriminierten und am wenigsten angesehenen Personengruppen.

Die Folgen sind vielfältig: Ungläubige verheimlichen ihre Zweifel an religiösen Meinungen, sie haben Nachteile im Berufsleben und der Karriere,  in der Schule oder  in der eigenen Familie. In einigen US-Bundesstaaten verbieten sogar die Gesetze den offen atheistisch denkenden Menschen, in öffentliche Ämter gewählt zu werden.

Mit der Frage nach den Ursachen für das Misstrauen und die Vorurteile gegenüber nichtreligiösen Menschen beschäftigte sich mittlerweile auch eine wissenschaftliche Studie, deren Ergebnisse am Ende des vergangenen Jahres veröffentlicht wurden.

Die Untersuchung fand unter anderem heraus, dass die mehrheitlich christliche US-Bevölkerung den Atheisten im Land ähnlich viel Misstrauen entgegenbringt wie Vergewaltigern.

Die Auslöser für den Hass und die Abneigung bilden geringfügige Anlässe: Als vor zwei Jahren die damals 15-jährige Schülerin Jessica Ahlquist ein Werbebanner für Gebete in ihrer öffentlichen Schule als verfassungswidrig beklagte, ging über ihr nicht nur eine Welle der Kritik nieder, sie erhielt auch Morddrohungen und Ankündigungen, vergewaltigt zu werden.

Selbst mitten in Europa sieht es teilweise nur wenig besser aus, wie der 2010 im Schweizer Wallis gekündigte Lehrer Valentin Abgottspon erfahren musste. Weil er das Kruzifix im Klassenzimmer abhängte, verlor er seinen Job und wurde in der Öffentlichkeit diffamiert und ebenfalls bedroht.

Aber ganz langsam scheinen sich die Haltungen in der Bevölkerung zu wandeln. Das legt eine neue Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Gallup nahe. In der repräsentativen Umfrage wurde die Frage gestellt, was für Personen die Befragten am ehesten als Präsidentschaftskandidaten befürworten würden. Dabei zeigte sich im Vergleich zu einer früheren Umfrage aus dem Jahr 2007, dass sich mittlerweile knapp mehr als die Hälfte, 54 Prozent, vorstellen könnte, einen Atheisten als Kandidaten für das Amt des Präsidenten aufzustellen.  Das sind neun Prozent mehr als vor fünf Jahren.

Besonders wenige Antipathien in der US-Bevölkerung bei solchen Themen können hingegen farbige Menschen, Katholiken, jüdische Gläubige, Mormonen oder auch Frauen verzeichnen. Die weibliche Hälfte der Gesellschaft konnte bei dieser Frage gegenüber 2007 insgesamt sieben Prozent gutmachen. Auch homosexuelle Menschen stehen mittlerweile deutlich besser da, denn hier lag der Zuwachs sogar bei 13 Prozent. Mittlerweile würden der Umfrage nach zwei Drittel  auch schwule oder lesbische Kandidatinnen und Kandidaten befürworten – ein enormer Fortschritt, wenn auch es noch wohl viele Jahre dauern wird, bis offen homosexuelle Menschen ernstzunehmende Aussichten bei einer Präsidentschaftskandidatur haben können.

Die Antipathien der US-Bevölkerung gegenüber Atheisten sind jedenfalls noch stärker als gegenüber Homosexuellen oder Muslimen, welche die drei am Ende der Beliebtheitsskala rangierenden Personengruppen darstellen.

Den stärksten Fortschritt, seit diese Frage zum ersten Mal vor 75 Jahren gestellt wurde, konnten übrigens die Frauen verzeichnen. Während heute für 95 Prozent das weibliche Geschlecht kein Hindernis ist, in das Wahlkampfrennen zu gelangen, wollte sich das 1937 nur ein Drittel der Befragten vorstellen können. Einen vergleichbar starken Aufschwung im Ansehen hat es in den letzten Jahrzehnten für die Menschen mit schwarzer Hautfarbe gegeben, was spätestens mit der Wahl von Barack Obama endgültig belegt wurde.

Die weiteren Ergebnisse der neuen Umfrage von Gallup zeigten auch, dass Atheisten und homosexuelle Menschen die besten Werte bei den Anhängern der demokratischen Partei verzeichnen können, wo 58 Prozent bzw. 82 Prozent einen atheistischen oder homosexuellen Präsidentschaftskandidaten befürworten würden. Ähnlich sieht es bei den jüngeren Altersgruppen aus, denn die zwischen 18 und 29 Jahre alten Wählerinnen und Wähler würden zu 70 bzw. 76 Prozent einen nichtreligiösen oder homosexuellen Kandidaten wählen.

David Niose, Präsident der American Humanist Association, meinte zu den neuen Umfragewerten von Gallup: „Offenkundig haben Atheisten und Humanisten noch einen langen Weg zu gehen, um das in der Öffentlichkeit und von den Medien der religiösen Skepsis angeheftete Stigma zu entfernen.“

Niose zeigte sich optimistisch beim Blick auf die kommenden Jahrzehnte. Der bisherige Fortschrei sei vor allem dann bemerkenswert, wenn man bedenke, mit welchen riesigen Organisationen und massivem Einsatz von Vermögen die religiöse Rechte ihre eigene politische Position zu verbessern und auszubauen versucht hat, um die gesellschaftliche Arena zu dominieren. Wenn Säkularität in solch einer feindlichen Umwelt an Akzeptanz gewinnen konnte, könne er sich kaum ein Szenario vorstellen, welches diese Entwicklung wieder umkehren würde – außer, die Wiederkunft Jesu findet doch demnächst statt.

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Diskussion - Bisher 4 Kommentare - Kommentar schreiben
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    Der Bericht zeigt, dass wir Atheisten es scheinbar zu oft an Mut und Selbstbewußtsein fehlen lassen, und unsere Denkungsart nicht offen und unbefangen äußern. Traurig ist, dass in dem Bericht sogar von einer Stigmatisierung des Atheismus die Rede ist. Im Gegenteil, stolz sind wir auf ihn! – Ich dränge meinen in mittlerweile 55 langen Jahren entwickelten Atheismus zwar niemanden auf, halte aber auch nicht damit hinterm Berg, wenn die Rede auf dieses Thema kommt. Leider bekomme ich dann bei Gesprächspartnern allerdings oft die Verkrampftheit und die Scheu zu spüren, wie das bei Diskussionen um Themen wie Geld, Gehälter oder Sex auch allgemein der Fall ist.
    Versucht es, ganz natürlich und frei nach Kants Empfehlung “Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen” zu diskutieren, dann kommen die Leute im Laufe der Zeit vielleicht am ehesten auf den Trichter.

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    Kein vernünftiger mensch braucht da oben Atheisten°

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    Dieser Artikel enthält die üblichen Vorurteile über die USA. Ich habe in beiden Ländern gelebt, und Tatsache ist, dass die religiösen Zwänge im täglichen Leben in Deutschland viel schlimmer sind, als in den USA. In Deutschland muss man seine Religion staatlich registrieren, Abtreibung und Homorechte sind mit Bezug auf Kirche stark beschränkt, und man muss sich fast täglich Beleidigungen seitens Politiker und staatlich bezahlter Kirchenfunktionäre anhören.

    Ich denke auch, dass diese Umfragen einfach nicht vergleichbar sind. In Deutschland sind nominal 40% der Bürger nicht in einer Kirche, aber die restlichen 60% sind zahlende Kirchenmitglieder. Wenn in den USA sich 70% der Bevölkerung as “christlich” bezeichnen sind das noch lange keine zahlenden Kirchenmitglieder. Auch Ausdrücke, wie “Atheist” haben andere Bedeutungen für Amerikaner und Deutsche; in den USA sind sie negativ mit politischen Ansichten belastet und nicht nur eine religiöse Aussage.

    Selbst die konservativ-christlichsten US Politiker sind verfassungstreu und setzen sich für Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit ein. Paragraph 166, Transferleistungen und die Sonderstellungen der katholischen und evangelischen Kirchen in Deutschland wären in den USA absolut unmöglich und würden von allen Politikern verdammt.

    Toleranz fängt in der Politik an. Von Mitbürgern, die einen nicht mögen, kann man sich fern halten. Von einem Staat, der gegen einen diskriminiert, kann man nur schwer entkommen, und genau das tut der deutsche Staat.

  • Uwe Hillebrand www.warumglaubstdunoch.de
     

    Wie kommt es, das so viele Menschen gläubige Anhänger der christlichen Religion sind? Sie wissen nicht, was sie glauben, und sie kennen, obwohl sie sicherlich das Gegenteil behaupten würden, ihre Bibel überhaupt nicht, von der sie sagen, sie sei ein “Heiliges Buch”. Diese fängt mit der Schöpfungsgeschichte an, die, wie jeder heutzutage längst weiß, nichts als ein Märchen ist. Dann kommen die 10 Gebote (es gibt eigentlich 19), von denen bereits das 1. die göttliche Sippenhaft beschreibt. Es ist eigentlich nicht zu fassen, aber da steht tatsächlich, dass Gott bei denjenigen, die nicht an ihn glauben, noch die Kinder und Kindeskinder bestrafen wird.

    Wissen das die Gläubigen gar nicht? Und die Evangelikalen sprechen Zehntausenden von Wissenschaftlern (Kosmologen, Astrophysikern, usw.), die über den Urknall forschen, letztlich die berufliche Qualifikation ab, denn sie glauben an das, was in der Bibel steht, und nicht an das, was ihnen die Wissenschaft über die Entstehung des Universums sagt. Es gibt wohl kein einziges Fach wie die Religion, in dem die Menschen “mitreden” können, ohne irgendetwas zu wissen, ohne nachdenken zu müssen, ohne logisch argumentieren zu müssen.

 
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