Meine Antwort: Das unfassbare Glück, heute und hier die Welt als Mensch erleben zu können. Die Wahrscheinlichkeit für jeden von uns, hier zu sein, ist so unfassbar gering, dass man von einem Wunder sprechen kann.
Wenn wir versuchen zu begreifen, wie viele glückliche Umstände nötig waren, damit wir heute diese Welt erleben können, dann geht das weit über die Dankbarkeit, die andere vielleicht gegenüber einem personalen Schöpfer empfinden, hinaus.
Richard Dawkins hat im ersten Kapitel seines Buches Der entzauberte Regenbogen: Wissenschaft, Aberglaube und die Kraft der Phantasie das Wunder unserer Existenz auf beeindruckende Weise beschrieben:
Wir alle müssen sterben, das heißt, wir haben Glück gehabt. Die meisten Menschen sterben nie, weil sie nie geboren werden. Die Männer und Frauen, die es rein theoretisch an meiner statt geben könnte und die in Wirklichkeit nie das Licht der Welt erblicken werden, sind zahlreicher als die Sandkörner in der Sahara. (…) Trotz dieser schlechten Chancen bemerken wir, dass wir in Wirklichkeit lebendig sind. (…)
[Wir schlagen] auf einem Planeten des Überflusses die Augen auf, auf einem Planeten voller leuchtender Farben und überschäumenden Lebens. Und in wenigen Jahrzehnten müssen wir sie wieder schließen. Ist es nicht eine edle, erleuchtete Art, unsere kurze Zeit unter der Sonne zu verbringen, wenn wir zu verstehen streben, was das Universum ist und wie es kommt, dass wir darin erwacht sind? Das ist meine Antwort, wenn ich – erstaunlich oft – gefragt werde, warum ich mir die Mühe mache, morgens aufzustehen.
Oder anders herum ausgedrückt: Ist es nicht traurig, wenn man ins Grab sinkt, ohne sich jemals gefragt zu haben, warum man geboren wurde? Wer würde bei einem solchen Gedanken nicht aus dem Bett aufspringen, voller Eifer, mit der Erkundung der Welt fortzufahren und sich zu freuen, dass man dazugehört?
Für Dawkins steht die einmalige und höchst unwahrscheinliche Chance im Mittelpunkt, uns mit den Fragen unseres Ursprungs zu befassen.
„Wir sind das Universum, welches sich selbst bewusst wird;
wir sind Sternenstaub der beginnt, die Sterne zu betrachten.” – Carl Sagan
Für jeden von uns bedeutet die Welt, die wir erfahren, alles. Für jeden einzelnen bedeutet das eigene Erleben die Welt. Doch nicht nur für uns als Individuen ist die eigene Existenz das letzte Glied einer unfassbaren Verkettung glücklicher Umstände. Rückblickend scheint die Geschichte des Kosmos, unseres Sonnensystems und unseres Planeten, die Entstehung und Entwicklung des Lebens auf der Erde auf uns als Menschen hin ausgerichtet zu sein. Dass dem nicht so ist, dass wir lediglich ein unbeabsichtigtes Zwischenergebnis evolutionärer Prozesse sind, nimmt unserem Dasein nichts an Bedeutung für uns selbst. Ganz im Gegenteil – wir sollten aus dem Staunen eigentlich nicht mehr herauskommen!
Doch auch die Tatsache, dass wir in eine verhältnismäßig friedliche und offene Gesellschaft geboren wurden, ist nicht selbstverständlich. Bei aller berechtigten Kritik an der modernen Welt, die wir aufgrund unserer kulturell gewachsenen hohen Ansprüche überhaupt erst formulieren können, leben wir, laut Steven Pinker, in einer Zeit mit der historisch niedrigsten Gewaltrate. Das haben wir nicht zuletzt dem Siegeszug von Aufklärung und Humanismus zu verdanken, deren Projekt der Kultivierung von Einfühlung, Selbstbeherrschung, Moralgefühl und Vernunft nie abgeschlossen sein wird. Die Zukunft ist offen, Rückschläge oder gar der Zusammenbruch von Gesellschaften und Zivilisationen sind nicht ausgeschlossen.
Meine Hoffnung ist, dass wir ein Gefühl dafür bekommen, als Individuen einer hoch entwickelten Säugetiergattung geboren worden zu sein; mit einer Kulturgeschichte, die Kunst, Philosophie und Wissenschaft hervorbrachte. Ein Gefühl dafür, dass auch andere ein Leben führen, welches die Welt für sie bedeutet. Dann spüren wir eine Verantwortung, nicht als Last und nicht als Schuld, sondern eine Verantwortung aus Mitgefühl und Respekt gegenüber uns selbst, aber auch gegenüber anderen Menschen und fühlenden Wesen, jetzt und für die Zukunft. Um die Kraft dafür aufzubringen sollte es genügen, wieder einmal das Wunder der eigenen Existenz zu betrachten.
Und wir sollten dabei ebenfalls nie vergessen: We are all Children of Africa…







“Children of Africa” ist ein schönes Video. Hier sind zwei weitere, die vielleicht einigen gefallen. Hier eingebettet ist das wirklich sehr sehenswerte Video “Science saved my soul” (wenn der Youtube-Link wg GEMA nicht funkionieren sollte, dann kann man es auch auf anderen Plattformen finden). Das Video “The center of all things” hatte ich mal hier
http://freierblick.wordpress.com/2012/05/28/wir-leben-in-einer-neuen-zeit-der-aufklarung/
verlinkt, obwohl es ein wenig pathetisch ist.
Ein Video möchte ich noch nachlegen: “The most astounding fact” mit einer Interviewantwort von Neil deGrasse Tyson
Etwas sehr pathetisch und eher eine Gedenktags-Predigt als eine Anleitung zum Feiern.
Für Menschen aus der religiösen Ecke mag dieses andere WARUM dem Leben eine Wendung geben.
Einen religionskritischen Wissenschaftler mag es beglücken, neue Beweise für seine These zu gewinnen.
Aber wer sonst richtet sein Leben nach den Erkenntnissen über das Universum aus? Ist es Anlass für eine Feier bei der alle verzückt in den sternenklaren Abendhimmel blicken?
Naheliegender ist, zu wissen “ich bin” und WIE mache ich aus diesem zufälligen Leben etwas Zufriedenstellendes, selbst wenn man sich eben gerade nicht in einer überschäumenden und glücklichen Umgebung befindet. Und dafür Leute zusammenbringen und Projekte zu initiieren wäre für mich Grund für einen Humanistentag