
Bild: Neogabox / Flickr / CC-BY-SA
Religion – Viele Menschen in der westlichen Welt fühlen sich heute angesprochen von östlichen Kulturen und üben sich hingebungsvoll in asiatischen Sicht- und Verhaltensweisen. Gerade der Buddhismus scheint für jene etwa, die sich unzufrieden von der abendländischen Religion abwenden, für Stressgeplagte als Wellness-Oase oder für Sinn- und Selbstsucher jeglicher Couleur die bessere Alternative zu sein. Er gilt als viertgrößte Religion auf der Erde.
Der Begriff Buddhismus ist im Westen durchwegs positiv besetzt, denn er scheint inneren Frieden, Gelassenheit, Selbsterkenntnis im Allgemeinen und einem spirituellen Weg zur Weisheit schlechthin miteinander zu verbinden. Eine Religion ohne einen Gott, eine Lebensphilosophie, die transzendente Erfahrung in und durch sich selbst verspricht.
Der Dalai Lama genießt als höchster Vertreter des tibetischen Buddhismus weltweit großes Ansehen und gilt als Inbegriff von Friedfertigkeit, Toleranz und Gleichmut. Seine Anhänger verehren ihn als eine Art Gottheit. Nach lamaistischer Lehre inkarniert sich in ihm das Höchste, der höchste Buddha. Ein Ideal in Fleisch und Blut. Immer mehr Menschen im Westen, auch oder gerade im links-alternativen Milieu, sehen ihn als den Hoffnungsträger einer neuen Zeit, als modernen Messias.
Doch was oder wie viel hat die westliche Auffassung des Buddhismus mit den östlichen Kulturen tatsächlich zu tun? Was war der Grundgedanke und wie sehr sind die unterschiedlichen Strömungen von ihm abgewichen? Wodurch unterscheidet sich der tibetische Buddhismus von den anderen Richtungen und ist er wirklich so liberal und tolerant, wie ihn westliche Medien darstellen?
Über das und noch mehr diskutieren in der letzten Folge vor der Sommerpause Jorit D. Posset und Sarah Al-Hashimi mit Georg Fischer („Yeshe Dorje“), Unternehmer und praktizierender Vajrayana Buddhist. Für die Österreichische Buddhistische Religionsgemeinschaft hält er allgemeine Vorträge und Einführungskurse in den Buddhismus.
Der Chemiker und Religionskritiker Karl Linek war langjähriges Vorstandsmitglied des Freidenkerbundes Österreich. Zuletzt organisierte er den Vortrag von Colin Goldner: „Hinter dem Lächeln des Dalai Lama“. Der bekennende Atheist und Humanist Linek engagiert sich unter anderem in der Aktionsgruppe gottlos.at.
Dr. Helmut Tauscher ist Professor und stellvertretender Vorstand des Instituts für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde, sowie Gastlektor an verschiedenen ausländischen Universitäten. Das jüngste Forschungsprojekt unter seiner Leitung beschäftigte sich mit der Analyse tibetischer Manuskripte. Unter anderem ist er Mitherausgeber der „Wiener Studien zur Tibetologie und Buddhismuskunde“.
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Nein,
der “Buddhismus” als solcher, wie er heute nicht nur mehr in Asien bekannt ist, ist ebenso eine irrationale Überzeugung wie alle anderen Religionen.
Darf man den wenigen Historikern, die sich auf wissenschaftlich-historische Weise mit der Person wie Persönlichkeit Gautamas (“Buddha”) wie seinen Lehren – d.h. den Überlieferungen auf historisch-linguistische Weise – befasst haben, glauben (deren gibt es weder viele noch haben diese eine nennenswerte Öffentlichkeit), dann sah sich Gautama weder als Begründer einer Religion noch seine Lehre als solche. Er war ein “echter” Mensch – das schien ihm wichtig. Wie wenig davon heute noch im Bewusstsein der Menschheit ist, zeigen zB die religiös verfärbten “pseudohistorischen” Wikipedia-Artikel zur Person Gautama.
Von esotherischen Moden und religiösen Dumpfheiten befreit legt die Lehre Gautamas – wenn die wenigen Historiker recht haben – ein für seine Zeit beachtliches Verständnis sozialer wie geisteswissenschaftlicher Zusammenhänge dar, welche als solche von den Religionen des Buddhismus wie “trendbewussten Wissenschaftlern” verklärt ihrer wohl eigentlichen Bedeutung wie Aussage zugeschüttet worden sind. Er lehrte den Menschen (oder versuchte es) “mit Abstand” analytisch und mit allen Sinnen zu erfahren – eine Art “Werkzeugkasten” für das Leben wie die geistige Hygiene. Davon geblieben ist wohl wenig – bereits kurz nach seinem Tod rangelten sich angebliche, selbsernannte “Nachfolger”, die zwar nicht seine Lehre verstanden, aber die Loyalität seiner Person zu nutzen – oder mißbrauchen – wussten.
Gautama hatte nicht nur seiner Zeit, sondern auch uns heute noch, einiges zu sagen – so scheint es, wenn man einschlägige, wissenschaftlich seriösere Übersetzungen liest, obgleich Zeit und Raum zwischen ihm und uns doch hohe Hürden auferlegt haben. Was er uns zu sagen hat, hat er als Mensch, als Forscher, als “Suchender” zu sagen – aber eben nicht als “Gottheit” noch als “religiöser” oder “esotherischer Führer”.
Die Menschheit hatte selten Menschen, die durch geistige wie emotionale Klarheit derart analytisch zu denken in der Lage waren – umso bedauerlicher ist, was die Menschen daraus gemacht haben – in Asien ebenso wie ab der “esotherischen Welle” im Westen um 1900-1920 bis heute…
Erstaunlich, wie oberflächlich in der Diskussion selbst die Aussagen der geladenen Experten bleiben! Keiner der Teilnehmer scheint den Stand der Forschung zu kennen, wie er in dem zweibändigen Werk “Die Götter des Himalaya” (Prestel, München 1989) dokumentiert wird.
Danach ist die bilderreiche Sprache, die für “den Buddhismus” spezifisch und für derart alte Lehren typisch ist, (und ihre landestypische – in Tibet vielleicht nur besonders reiche – visuelle Umsetzung in bildlichen und figürlichen Darstellungen verschiedenster Art) durchgehend psychologisch zu lesen, wie es der zentralen Leidenslehre des Buddhismus und seiner reichen Meditationslehren nach auch unbedingt vonnöten ist.
Die eingespielten Sequenzen aus dem Vortrag von Colin Goldner dokumentieren, dass sogar dieser Psychologe die buddhistische Symbolik platt wörtlich und damit gerade nicht versteht, ihren Gehalt also selbst dort verfehlt, wo er nach Prof. Tauscher zumindest noch “Halbwissen” vorträgt.
Erstaunlich, wie oberflächlich in der Diskussion selbst die Aussagen der geladenen Experten bleiben! Keiner der Teilnehmer scheint den Stand der Forschung zu kennen, wie er in dem zweibändigen Werk “Die Götter des Himalaya” (Prestel, München 1989) dokumentiert wird.(*)
Danach muss die bilderreiche Sprache, die für “den Buddhismus” spezifisch und für derart alte Lehren typisch ist, (und ihre landestypische – in Tibet vielleicht nur besonders reiche – visuelle Umsetzung in bildlichen und figürlichen Darstellungen verschiedenster Art) durchgehend als psychologische Symbolik gelesen werden, wie es der zentralen Leidenslehre des Buddhismus und seiner reichen Meditationslehren nach auch unbedingt vonnöten ist.
Die eingespielten Sequenzen aus dem Vortrag von Colin Goldner dokumentieren, dass sogar dieser Psychologe die buddhistische Symbolsprache platt wörtlich und damit gerade nicht versteht, ihren Gehalt also selbst dort verfehlt, wo er nach Prof. Tauscher zumindest noch “Halbwissen” vorträgt.
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(*) http://www.amazon.de/Die-G%C3%B6tter-Himalaya-Buddhistische-Sammlung/dp/B004EJZIDC
„Erstaunlich, wie oberflächlich in der Diskussion selbst die Aussagen der geladenen Experten bleiben! Keiner der Teilnehmer scheint den Stand der Forschung zu kennen, wie er in dem zweibändigen Werk “Die Götter des Himalaya” (Prestel, München 1989) dokumentiert wird.*
Danach muss die bilderreiche Sprache, die für “den Buddhismus” spezifisch und für derart alte Lehren typisch ist, (und ihre landes……typische – in Tibet vielleicht nur besonders reiche – visuelle Umsetzung in bildlichen und figürlichen Darstellungen verschiedenster Art) durchgehend als psychologische Symbolik gelesen werden, wie es der zentralen Leidenslehre des Buddhismus und seiner reichen Meditationslehren nach auch unbedingt vonnöten ist.
Die eingespielten Sequenzen aus dem Vortrag von Colin Goldner dokumentieren, dass sogar dieser Psychologe die buddhistische Symbolsprache platt wörtlich und damit gerade nicht versteht, ihren Gehalt also selbst dort verfehlt, wo er nach Prof. Tauscher zumindest noch “Halbwissen” vorträgt.
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* http://www.amazon.de/Die-G%C3%B6tter-Himalaya-Buddhistische-Sammlung/dp/B004EJZIDCMehr anzeigen“
uff – da ist etliches ‘schief gelaufen’: bitte ggf. nur die zweite zuschrift online stellen (diese sowie die erste und dritte also entfernen); dank im voraus. iwk