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Resolution gegen Pseudowissenschaft verabschiedet

Skeptiker-Organisationen fordern Einhaltung von Standards in Wissenschaft und Bildung.

"Überdosis"-Aktion einer homöopathiekritischen Kampagne. Skeptiker wollen nicht für immer auf dieselben Unwahrheiten hinweisen müssen. Foto: GWUP

Gesellschaft – Die Ausbreitung von Pseudowissenschaften und die Akzeptanz von Junk Science nehmen überhand. Davon sind nicht nur viele Forscher überzeugt, auch andere Beobachter erschrecken häufiger über die große Verbreitung von Produkten, die ungerechtfertigt mit Wissenschaftlichkeit für sich werben und mit denen ahnungslosen Menschen das Geld aus der Tasche gezogen werden soll.

Ein spektakuläres Einzelbeispiel der vergangenen Jahre war die Kontroverse um das sogenannte Granderwasser, während die Lehre der Anthroposophie mittlerweile auf eine echte Tradition zurückschauen kann. Auch die Homöopathie erfreut sich weiter großer Akzeptanz, wie Umsätze in Milliardenhöhe belegen. Und in den Universitäten, der Wirtschaft oder im medizinischen Bereich vernetzen sich die Vertreter zweifelhafter Methoden.

Die Skeptiker-Organisationen Committee for Skeptical Inquiry (CSI), European Council of Skeptical Organisation (ESCO) und die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) haben deshalb mit einer anlässlich des vergangenen Weltskeptikerkongresses in Berlin verfassten Resolution dazu aufgerufen, zu den Standards guter wissenschaftlicher Praxis zurückzukehren.

Am Kongress hatten rund 300 Teilnehmer aus der ganzen Welt teilgenommen, um über Erscheinungsformen und Folgen der Verbreitung pseudowissenschaftlicher Ideologien und Überzeugungssysteme zu berichten sowie Ansätze zur Lösung vorhandener Probleme zu diskutieren. Schwerpunkte bildeten dabei nicht-evidenzbasierte Therapieformen und die wieder wachsende Verbreitung von unwissenschaftlichen Theorien über die Entstehung und Entwicklung des Lebens.

In der Resolution heißt es auch, dass Wissenschaftler und Skeptiker weltweit tief besorgt über die wachsende Toleranz, Akzeptanz und sogar Förderung von pseudowissenschaftlichen und okkulten Ideen und Praktiken an wissenschaftlichen, akademischen und bildungsrelevanten Institutionen seien.

Nicht nur die Allgemeinheit der Verbraucher zählt heute zu den Betroffenen, unter anderem Schüler und Studierende würden so Gefahr laufen, mit unbelegten Behauptungen statt mit der verlässlichen Erkenntnis der Wissenschaft aufzuwachsen. Öffentlich geförderte Institutionen sollten Steuergelder nicht dazu missbrauchen können, Pseudowissenschaften oder Ideologien zu fördern, heißt es.

Als konkretes Beispiel kann hier die Europa-Universität Viadrina dienen, welche bei Skeptikern unter Anspielung auf die „Harry Potter“-Romanreihe mittlerweile als „Hogwarts an der Oder“ verlacht wird. Besonderes Aufsehen hatte zuletzt eine Master-Studienarbeit erregt, bei der kritische Beobachter die „völlige Entgleisung akademischer Qualitätsstandards“ bemängelten.

Die Skeptiker-Organisationen forderten in der Resolution schließlich dazu auf, „sich stärker der Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis innerhalb der akademischen Institutionen zu widmen und das Lehren wissenschaftlicher Denkweisen und Erkenntnisse in Schulen zu fördern, um Wissenschaft und kritisches Denken in der Öffentlichkeit zu verbreiten und Verbraucher vor pseudowissenschaftlichen Therapieformen zu schützen.“

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Diskussion - Bisher 3 Kommentare - Kommentar schreiben
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    Im Artikel heisst es: „… während die Lehre der Anthroposophie mittlerweile auf eine echte Tradition zurückschauen kann …“ Zur anthroposophischen „Medizin“ eine kurze Überblicksdarstellung:

    “Techniker Krankenkasse lässt Versicherte für anthroposophische Pseudomedizin bezahlen

    (…) Rudolf Steiner (1861–1925) war ein populärer Scharlatan und größenwahnsinniger Sektenführer, dessen „Anthroposophie“ so gut wie keinen Lebensbereich unberührt lässt. Seine Heilslehre, die in Anthroposophenkreisen auch irreführend als „Geisteswissenschaft“ bezeichnet wird, gründet sich praktisch vollständig auf den hellseherischen Eingebungen Steiners. Neben bio-dynamischem Gemüse, Heileurythmie und Waldorfschulen haben wir ihm so auch eine anthroposophische „Medizin“ zu verdanken (…)”

    zum Artikel von Martin Ballaschk, Biologe: http://www.ruhrbarone.de/techniker-krankenkasse-laesst-versicherte-fuer-anthroposophische-pseudomedizin-bezahlen/

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    Ich denke ein wesentlich größeres Übel sind die theologischen Fakultäten und die Professuren für Philosophie und Geschichte, die durch Kirchen besetzt werden. Alle diese sind letztendlich nichts als Propagandamittel für Kirchen, und werden zudem noch staatlich finanziert.

  • Uwe Hillebrand www.warumglaubstdunoch.de
     

    Das Wesen der Wissenschaften besteht darin, das ihr aufgrund erarbeiteter praktischer Ergebnisse entwickeltes Modell bei Vorliegen neuer Erkenntnisse korrigiert werden und dadurch den neuen Ergebnissen angepasst werden kann. Dadurch werden weitere Vorhersagen möglich. Zugleich sind die aufgestellten Gesetze zumindest im Prinzip nachprüfbar, dazu gehört allerdings speziell in den Naturwissenschaften eine apparative Ausstattung neben einer entsprechenden fachlichen Ausbildung, verbunden mit finanziellen Notwendigkeiten.

    In der Theologie ist nichts nachprüfbar, die Bibel als ewige Grundlage wird nicht korrigiert, sondern höchstens interpretiert, um weg von den negativen Aussagen der Bibel zu kommen. Die Grundlage der Theologie war und ist der Glaube. Glaube ist aber das Gegenteil von Wissenschaft, sodass die Theologie, obwohl ein Dr. theol. verliehen wird, keine Wissenschaft ist.