
Der Biologe Richard Dawkins widmete sein Leben der Wissenschaft und dem Verständnis für die Evolution. War alles vergeblich? Foto: Shane Pope / CC-BY-SA
Aufklärung – Irgendwann innerhalb der letzten 10.000 Jahre hat ein Gott die Menschen in ihrer heutigen Erscheinungsform geschaffen, davon ist in den Vereinigten Staaten heute noch fast jeder zweite Mensch überzeugt. Insgesamt 46 Prozent teilen diesen Glauben, während weitere 32 Prozent von einer göttlich gelenkten Evolution überzeugt sind. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Gallup hervor, deren Ergebnisse gestern veröffentlicht wurden.
Die Umfrage zeichnet ein erschreckendes Bild: Denn nur rund 15 Prozent der Befragten gaben an, dass sie von einer Evolution ohne Mitwirkung von Göttern ausgehen. Damit hat sich der Anteil gegenüber den Ergebnissen früheren Umfragen nur geringfügig erhöht. Rund zehn Jahre zuvor gaben zwölf Prozent der Befragten an, dass sie von einer Evolution ohne übernatürliche Einflüsse ausgehen, 30 Jahre zuvor waren es neun Prozent.
Zum Vergleich: Eine repräsentative Umfrage der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland zeigte 2005, dass hierzulande eine gutes Drittel der Bevölkerung die Evolutionstheorie bestreitet. Dagegen teilten damals 61 Prozent die Ansicht, dass sich das Leben auf der Erde ohne Einwirken eines höheren Wesens auf der Basis evolutionärer Prozesse entwickelt habe.
In der Gallup-Umfrage wurde auch deutlich, dass unwissenschaftliche Ansichten zur Entstehungsgeschichte des Lebens besonders häufig unter Kirchgängern und Wählern der republikanischen Partei verbreitet sind: 67 Prozent der Menschen, die wöchentlich einen Gottesdienst besuchen, glaubten an einer Erschaffung der Menschheit während der letzten 10.000 Jahre. Zwei von drei Gottesdienstteilnehmern in den USA denken demnach, die biblischen Schöpfungsberichte sind wahr.

Wissenschaftliche Auffassungen von der Evolution sind hingegen unter Wählerinnen und Wählern der demokratischen Partei und denen ohne Bindung an eine der beiden großen politischen Gruppen am ehesten zu finden.
Mit rund 19 Prozent waren hier die Zustimmungswerte am höchsten – was aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass kreationistische Ansichten stets deutlich in der Mehrheit sind. Unter den Anhängern der Republikaner glaubten sogar 58 Prozent an Formen des Junge-Erde-Kreationismus, nur fünf Prozent teilten eine wissenschaftliche Auffassung von der Evolution.
Aus den Daten ging auch hervor, dass eine wissenschaftliche Ausbildung sogar in einer von kreationistischen Vorstellungen dominierten Gesellschaft der entscheidende Faktor dafür ist, die wissenschaftliche Evolutionstheorie anzuerkennen. Während sich die Zustimmungswerte zwischen Highschool- und Collegeabsolventen kaum unterschieden, lagen sie bei den Absolventen postgradueller Studienabschlüsse mehr als doppelt so hoch. Lediglich ein Viertel dieser Gruppe gab an, an die Erschaffung der Menschheit durch einen Gott während der letzten Jahrtausende zu glauben.
Zur Umfrage schreiben die Autoren, dass trotz vieler Veränderungen in der US-amerikanischen Kultur und Gesellschaft während der vergangenen 30 Jahre und trotz der vielen neuen Erkenntnisse in den Natur- und Sozialwissenschaften, praktisch keine nachhaltige Veränderung der Ansichten über die Entstehung unserer Art vorzufinden ist. „Alles in allem gibt es in dieser Entwicklung keine Belege für eine substanzielle Bewegung hin zu einer säkularen Perspektive auf die Ursprünge der Menschheit.“
Mehr zum Thema: Glaube, Religion und Evolution in den USA

Ursachen für die fehlende Akzeptanz wissenschaftlicher Theorien über die Evolution werden in der Dokumentation „Das Virus des Glaubens“ dargestellt, die der britische TV-Sender Channel 4 erstmals im Jahr 2006 ausgestrahlt hatte. Nach einem Klick auf das Bild kann die 45-minütige Sendung angesehen werden.














“Aktuelle Gallup-Umfrage setzt deutliches Warnsignal für Wissenschaftler, Pädagogen und Politiker.”
Heißt “Warnsignal”: “Da muss was getan werden!”? Heißt es: “Die Leute dürfen nicht glauben, was sie glauben?” Heißt “Warnsignal”: “Achtung, wenn wir nichts unternehmen, z.B. eine Gedankenpolizei errichten, die den Leute ihre Flausen aus dem Kopf treibt, dann geht die Welt unter?” Oder was soll “Warnsignal für Wissenschaftler, Pädagogen und Politiker” bedeuten?
@Gedankenfreiheit
Es ist nicht egal, was jemand glaubt.
Es ist gefährlich, wenn geglaubt wird, dass Menschenrechte beschnitten werden dürfen oder sollen. Für wen gefährlich? Natürlich nie für die Glaubenden, sondern für “die anderen” bzw. die Ungläubigen.
Es muss nicht, kann aber gefährlich sein, wenn Entscheidungsträger sich nicht rational an der Wirklichkeit orientieren. Und Entscheidungsträger sind wir alle, fast zu jeder Zeit.
Dies nur mal als erste Gedanken.
Gerne wird Rationalisten und Humanisten von religiöser Seite vorgeworfen, sie würden nicht auf einer Wahrheit bestehen, sondern viele Wahrheiten, etwa der Kulturen, bestehen lassen. Stichwort “Relativismus”, immer wieder gerne verwendet von BXVI. Wenn dann aber humanistische Ideale klar vertreten werden, kommt der Vorwurf der Gedankenpolizei.
Gruß,
Siegbert
Der Glaube kann Schmerzen lindern. Er kann Brücken bauen und durch ein Tal tiefer Trauer begleiten, ja letztlich sogar den Tod besiegen. Aber er verursacht auch Kriege, Leid, Hass. Er verursacht Konzentrationslager, Judenvernichtung, Hexenverbrennung, Steinigung und heiligen Krieg. Er tötet. Wenn (s. Artikel) derart viele Menschen zwischen Glauben, Mickey-Maus und Harry Potter nicht zu unterscheiden vermögen, dann erschreckt das jeden Pädagogen und schafft Existenzängste. Warum fährt unser Bildungssystem so offensichtlich gegen die Wand? Was können wir gegen Bildungsresistenz bestimmter Gesellschaftsschichten unternehmen?
Ein gemeinsamer Unterricht “Ethik und Religionen”, in dem jeder seine Religion anderen erklärt und entfremdet, könnte Brücken schlagen zwischen uns und unbekanntem. Das könnte Vertrauen wecken, Toleranz und Gedankenfreiheit schaffen und damit ein Fundament legen, auf dem sich Bildung aufbauen lässt.
P.S.: Wissenschaftlich sehr fundamentierte Infos zu Fragen unseres Seins gibts hier: http://www.br.de/fernsehen/br-alpha/sendungen/alpha-centauri/index.html
Leute, ernsthaft:
Ihr löscht Kommentare einfach, wenn Sie euch nicht in den Kram passen?
Anstatt euch damit auseinanderzusetzen und eure Sichtweise darzulegen?
Kritik führt bei euch zu Zensur?
Wie armselig ist das bitte?
Und Ihr nennt euch Humanisten. Da lache ich doch nur.
@Kleingeist:
Nein, Dein Kommentar wurde nicht ganz gelöscht. Jeder, der die Diskussion per Mail verfolgt, konnte es lesen. Ich verstehe jedoch Deinen Kommentar nicht, da der rote Faden fehlt.
z.B.: Du bist „Teil einer neoatheistischen Strömung“, beschwerst Dich aber, dass es Deiner Meinung nach um „Dämonisierung des bösen religiösen Feindes“ geht??
Du übst harte Kritik an der Reaktion, die „einer Art Kult nachzueifern scheint“. Was aber meinst Du damit? Was macht die Redaktion falsch? Du nennst es nicht.
Du schreibst: „Aufklärung sieht für mich anders aus“, erläuterst aber selbst nicht, wie Aufklärung aussehen sollte. Warum wird Deiner Meinung nach hier nicht aufgeklärt und wie sollte es aussehen?
Letztendlich habe ich nicht verstanden, ob Du selbst an Kreationismus glaubst, oder in bekämpfen möchtest. Ich habe nur verstanden, dass Du Kritik üben möchtest, aber woran? Was missfällt Dir? Was ist Deine Intention mit dem Text? Für was kämpfst Du? Auf welcher Seite stehst Du?
Ich würde mich freuen, wenn Du es uns erklärst, was Du sagen möchtest. Selbst, wenn es offiziell gelöscht wird, können wir Diskussionsteilnehmer es ja lesen. Schreibe aber deutlich, auf welcher Seite Du stehst, welche Kritikpunkte Du äußern möchtest und nenne vor allem die zugehörigen Argumente. Und bitte nicht wieder so über alle meckern, sondern bleib sachlich! Ok? :D