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Norwegens Staatskirche bleibt

Human-Etisk Forbund: Änderungen beinhalten wichtige Schritte, Land ist aber noch weit entfernt von echter Trennung von Staat und Kirche.

Osloer Dom. Foto: aikijuanma / Flickr / CC-BY-SA

Säkularisation – Norwegen schafft die Staatskirche ab: Diese Botschaft ging am vergangenen Donnerstag in verschiedenen Berichten unter Berufung auf die Darstellungen norwegischer Medien um die Welt.

Tatsächlich handelt es sich nur um teils äußerst geringfügige Modifikationen am bestehenden System. Darauf haben der Humanistische Verband Norwegens, Human-Etisk Forbund (HEF), sowie das Magazin Fritanke hingewiesen.

„Das Norwegische Parlament (Stortinget) hat mit einer Verfassungsänderung einstimmig für die Abschaffung der staatlich unterstützten Kirche Norwegens gestimmt“, hieß es unter anderem beim Humanistischen Pressedienst.

Doch zu früh gefreut, denn diese Information ist falsch. Von einer Abschaffung kann keine Rede sein. Und auch die staatliche Unterstützung bleibt.

Obwohl Svein Harberg, Sprecher der Kirche Norwegens, die Verfassungsänderungen als „historischen Schritt“ bezeichnete, ändert sich im Ergebnis vorläufig nicht so viel, wie erste Schlagzeilen denken ließen.

Denn die Evangelisch-lutherische Staatskirche Norwegens wird auch weiterhin in der Verfassung verankert sein, stellte Fritanke bereits am Mittwoch fest und erklärte, welche Änderungen im Land tatsächlich bevorstehen.

Dazu gehört unter anderem die Neuformulierung verschiedener Regelungen, welche die Rolle und Aufgaben der Kirche im politischen System bestimmen. So wird zukünftig nicht mehr der norwegische König die Bischöfe oder Dekane ernennen, sondern die Kirche selbst. „Mit anderen Worten wird die Kirche immer mehr zum Meister in ihrem eigenen Haus“, hieß es dazu bei Fritanke.

Die Neufassungen mancher Bestimmungen sind bemerkenswert. Die Verfassung wird demnach künftig das „christliche und humanistische Erbe“ als Fundament für die Werte der staatlichen Verfassung nennen – was auf säkularer Seite allerdings als „verunglückte“ Änderung mit Symbolcharakter beurteilt wurde. Norwegens König wird zwar nicht mehr dazu verpflichtet sein, die christliche Religion zu verbreiten und zu schützen – das Staatsoberhaupt muss sich aber weiterhin zum evangelisch-lutherischen Glauben bekennen.

Zudem wird die Verfassung nicht mehr von einer „Staatsreligion“ sprechen, stattdessen wird künftig von einer „nationalen Kirche Norwegens“ die Rede sein. Aufgehoben wurde auch eine Regelung, nach der die Hälfte der Regierungsmitglieder Angehörige der Kirche sein müssen.

Ansonsten bleibt vieles weitere beim Alten, weshalb unter anderem der norwegische Staat auch weiterhin die Gehälter von Bischöfen, Dekanen, Priestern und anderen kirchlichen Ämtern wie die von Beamten finanzieren wird. Kirchliche Verwaltungsstrukturen werden immer noch Teil des Staatsapparates sein.

HEF listete auf ihren Internetseiten ebenfalls eine Reihe von Punkten auf, die belegen, dass es auch in Zukunft nicht besonders weit her ist mit der Trennung von Staat und Kirche in Norwegen: Bestehen bleibt demnach auch ein Gesetz, nach dem Neugeborene automatisch zum Mitglied der Kirche Norwegens werden, wenn mindestens ein Elternteil ihr angehört. Die Erklärung beider Elternteile wird erforderlich bleiben, um ein derart eingemeindetes Kind von der Kirche abzumelden.

Ingvild Plesner Thorson, Menschenrechtsexperte und Autor mehrerer Bücher über das Staatskirchensystem Norwegens, beurteilte die Veränderungen als keine echte Verfassungsreform. Die Neuerungen führen das bisherige System in leicht abgewandelter Form weiter, so Thorson gegenüber Fritanke. Auch von der HEF hieß es, dass das Land noch weit entfernt von einer wirklichen Trennung von Staat und Kirche sei. Åse Klevland, Präsidentin des Humanistischen Verbandes Norwegens, sah wiederum in der Reform einen wichtigen Durchbruch, der den Weg für eine künftige Trennung bereiten könne.

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