wissenrockt.de

wissenrockt.de

Startseite » Allgemein » Humanistische Hochzeiten auf dem Weg zur Anerkennung

Humanistische Hochzeiten auf dem Weg zur Anerkennung

Irland: Trauungen in humanistischen Zeremonien sollen rechtlich gleichgestellt werden.

Politik – Ein Vorschlag für die Überarbeitung des irischen Meldegesetzes sieht vor, dass der Humanistische Verband in Irland bald rechtsverbindliche Trauungen vornehmen kann. Die Nachfrage nach nicht-konfessionellen Eheschließungen ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen.

Der irischen Regierung liegt eine Gesetzesnovelle vor, wonach dem Humanistischen Verband in Irland die gleichen Rechte, Hochzeiten durchzuführen, zugesprochen werden sollen, wie den Kirchen. Sozialministerin Joan Burton von der irischen Arbeitspartei soll den Vorschlag in den Senat eingebracht haben, nachdem einige Senatoren die Neuformulierung entworfen haben.

Das Gesetz zu den sogenannten Civil Registrations soll dem Entwurf entsprechend dahingehend geändert werden, dass künftig nicht nur religiöse, sondern auch „philosophische oder nicht-konfessionelle“ Körperschaften und Organisationen Hochzeiten durchführen und – nach einer Ergänzung – gleichgeschlechtliche Eheschließungen vornehmen zu können.

Es werden in dem Entwurf auch Grundbedingungen für die religiösen, philosophischen und nicht-konfessionellen Körperschaften formuliert, um Trauungen vorzunehmen: So müssen diese Organisationen schon fünf Jahre Erfahrungen in der Durchführung von Trauungszeremonien haben und schon mindestens zwanzig Paare geehelicht haben.

Die irischen Humanisten haben neun registrierte Festredner, die in den vergangenen Jahren über 150 Eheschließungen vorgenommen haben. In dem Gesetzentwurf wird der Humanistische Verband Irlands auch konkret als nicht-konfessionelle Organisation, die von dem Gesetz profitieren könnte, genannt.

Bislang sieht das Gesetz von 2004 vor, dass nur Staatsbeamte aus dem Gesundheitsdienst oder kirchliche Institutionen Trauungen vornehmen können. Zwar nehmen die irischen Humanisten schon seit Jahren Trauungen vor, diese sind jedoch nicht rechtlich bindend. Eine solche Eheschließung ist bislang nur vor dem Altar oder – ausschließlich an Wochentagen – in einem Amt möglich. Nachdem der Senat das Gesetz am 2. Mai befürwortend diskutierte, geht die Vorlage nun in das Parlament, das voraussichtlich in den kommenden Monaten die Vorlage behandeln wird.

Nach Angaben der Irish Times ist die Nachfrage nach einer nicht-konfessionellen Trauungszeremonie in Irland seit den neunziger Jahren enorm gestiegen, von sechs Prozent im Jahr 1996 auf 23 Prozent 2006. Die European Humanist Federation (EHF) fordert seit 2008 eine nicht-konfessionelle Möglichkeit der Eheschließung. Die britischen Humanisten versuchen ebenfalls, ihre Zeremonien derzeit auch in England und in Wales anerkennen zu lassen. In Schottland sind humanistische Trauungen schon staatlich anerkannt.

„Wir leben in einer veränderten und sich verändernden Welt, wie wir alle wissen“, sagte Brian Whiteside, Manager für humanistische Zeremonien beim Humanistischen Verband Irlands. Die Ergebnisse des letzten Zensus hatten gezeigt, dass rund 270.000 Personen angegeben haben, keiner Religion anzugehören, so Whiteside weiter.

Humanistische Zeremonien in Irland würden von Menschen nachgefragt, die nicht „schrecklich religiös“ seien und nach einem anderen Weg suchten, ihre Hochzeit zu feiern, der für sie „sehr persönlich, bedeutsam und diesseitig ist.“

In Deutschland besteht eine rechtlich verbindliche Eheschließung ausschließlich in einer standesamtlichen Hochzeit. Die humanistischen Trauungen besitzen in Deutschland ebenso wenig wie die kirchlichen Zeremonien keine rechtliche Verbindlichkeit.

Das katholische Irland ist seit dem für die katholische Kirche verheerenden Cloyne-Report über Kindesmissbrauch in der gleichnamigen Erzdiözese der Vorreiter in Sachen Gleichbehandlung von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften. Im vergangenen Herbst gab es bei der feierlichen Amtseinführung des irischen Präsidenten Michael D. Higgins nach einer interreligiösen Feier eine humanistische Festrede.

Higgins Vorgängerin Mary McAleese sagte nur wenige Monate zuvor, dass das moderne Irland eine Familie sei, „die zugleich katholisch, protestantisch, agnostisch, atheistisch, islamisch und jüdisch” und somit Heimat für Menschen aller Glaubensrichtungen und der Nichtgläubigen sei.

Datenschutzinformation
Diskussion - Bisher 4 Kommentare - Kommentar schreiben
  •  

    Ich halte das für einen vollkommen falschen Ansatz. Warum schafft man in Irland nicht einfach ab, dass Kirchen oder sonstige Weltanschauungsgemeinschaften Ehen schließen dürfen, die dann staatliche Rechtsverbindlichkeit haben? Die konsequente Trennung von Staat und Kirche sollte die Devise sein, nicht das Übertragen originär-hoheitlicher Aufgaben auf noch mehr private Institutionen!

    Da sind wir in Deutschland aber schon viel weiter!

  •  

    Weil in einem Land mit 85 Prozent Katholiken sowas wohl kaum einfach abgeschafft wird. Die Leutchens können sich also wirklich freuen, immerhin nicht weiter benachteiligt zu werden…

  •  

    Wenn ich den Artikel richtig verstehe, sind nicht-weltanschauliche Trauungen in Irland vor dem “Standesamt” bereits jetzt möglich, nur eben nur “wochentags”. Der eigentliche Skandal besteht doch darin, dass private Organisationen hier hoheitliche Aufgaben übernehmen und nicht darin, dass dies humanistischen Privatorganisationen bislang verwehrt ist.

    Warum meinen eigentlich manche sogenannte “Humanisten-Organisationen” allen Ernstes, sie müssten mit pseudo-sakralen Zeremonien kirchlichen Hokuspokus nachäffen?

    Wir brauchen in Deutschland übrigens auch keine “Jugendweihe” als Ersatz für Kommunion, Firmung oder Konfirmation! Was für ein Quatsch ist das denn?!

  •  

    Gernot hat da schon Recht. Soll man seine private Hochzeit doch feiern wie man möchte. In der Kirche, im Wald oder auch gar nicht. Das einzige was Rechtsverbindlichkeit erlangen sollte ist das, was auf dem Amt stattfindet.

    Und wenn man dann schon mal dabei ist. Bitte auch einführen, dass drei Leute, vier Leute oder noch mehr sich vermählen dürfen. Oder wieso die Ehe als staatliches Rechtsdingsbumens nicht gleich komplett abschaffen? Was hat eine Ehe (heutzutage noch) für einen Wert (für den Staat)?

 
Zuschauer
Schaufenster