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Atheisten helfen eher aus Mitleid als fromme Gläubige

Eine neue US-Studie zeigt, dass nichtreligiöse Menschen von ihrem Mitgefühl für die Not Anderer deutlich stärker als Gläubige motiviert werden.

Verlassenes Kind in Thailand. Foto: 123RF Stock Photo

Wissenschaft – „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, mit diesem beliebten Verweis auf das Gleichnis vom barmherzigen Samariter wird von christlichen Priestern gerne und häufig das Veränderungspotential ihrer Glaubenssätze betont. Ergebnisse einer Studie von Forschern der University of California, Berkeley (UC Berkeley) zeigten nun, dass Mitgefühl und Barmherzigkeit bei nichtgläubigen und frommen Menschen eine ganz unterschiedliche Rolle spielen.

In Rahmen der Untersuchungen stellte sich nämlich heraus, dass sich sehr religiöse Personen von ihrem Mitgefühl deutlich weniger motivieren lassen als nichtgläubige Menschen. Das berichtete das Onlineportal MedicalXpress mit Berufung auf Ergebnisse einer Studie, die vor kurzem im Fachblatt Social Psychological and Personality Science veröffentlicht wurde.

Dabei ergab sich aber nicht, dass fromme Menschen weniger Spende- und Hilfsbereitschaft zeigen. Die Studie zeigte stattdessen, dass bei diesen das Mitgefühl – also eine Empfindung – weniger maßgeblich für wohltätige Handlungen sind.

Dass sich religiöse Menschen angesichts von Leid und Not mitunter zu seltsamen Handlungen ermuntert fühlen, illustrierten immer wieder Beobachtungen nach Naturkatastrophen in den vergangenen Jahren.

Als etwa ein schweres Erdbeben 2010 zu massiven Zerstörungen auf Haiti und rund 100.000 Todesopfern geführt hatte, veranlasste das einige Gläubige in den USA, die Bevölkerung des Landes mit Hilfslieferungen von Hunderten solarenergiebetriebener Audio-Bibeln zu versorgen. Auch der US-Filmstar John Travolta lieferte mit seinem Jumbojet nicht etwa Elektrogeneratoren und Wasserfilterungssysteme, sondern eine Ladung Scientology-Seelsorger im Krisengebiet ab.

Für die nun veröffentlichte Studie über die Zusammenhänge zwischen Religiosität und Barmherzigkeit hatten die Wissenschaftler an der UC Berkeley eine Reihe von drei Untersuchungen durchgeführt.

In der ersten Untersuchung wurden Daten einer landesweiten Umfrage unter mehr als 1.300 Bürgerinnen und Bürger der Vereinigten Staaten ausgewertet. Ein Ziel war unter anderem, eine Korrelation zwischen Barmherzigkeit und Religiosität zu finden. Es stellte sich schließlich heraus, dass Atheisten und weniger religiöse Menschen eher dazu neigen, ihrem Mitgefühl gegenüber bedürftigen Personen unmittelbar Ausdruck zu verleihen, etwa durch Geld- und Lebensmittelspenden.

In einer weiteren Untersuchung wurde 101 Erwachsenen ein Video gezeigt, in dem entweder neutrale oder herzzerreißende Bilder, wie von großer Armut betroffene Kinder, zu sehen waren. Anschließend wurde dem Proband ein Geldbetrag überlassen, von dem sie einen selbstbestimmten Teil an eine fremde Person abgeben sollten.

Dabei zeigte sich, dass die am wenigsten religiösen Teilnehmer sich als am stärksten von ihrem Mitgefühl beeinflusst zeigten und einen größeren Beitrag abgaben. „Das Mitgefühl erzeugende Video hatte einen großen Effekt auf ihre Großzügigkeit“, erklärte Rob Willer, Sozialpsychologe und Ko-Autor der Studie. Die Freigiebigkeit der religiöseren Probanden dagegen sei durch das Video nicht signifikant beeinflusst worden.

In einer dritten Untersuchung unter mehr als 200 Collegestudenten nahmen diese an ökonomischen Vertrauensspielen teil. Zuvor wurden sie befragt, wie barmherzig sie sich fühlen. Im Ergebnis der Tests zeigte sich ebenfalls, dass die Teilnehmer mit einer geringeren Religiosität und hohen Werten auf der „Barmherzigkeitsskala“ eher dazu neigten, im Spiel ihre Gewinne mit Fremden zu teilen als andere Teilnehmer der Untersuchung.

Rob Willer sagte weiter zur Studie, dass obwohl weniger religiöse Menschen in Vereinigten Staaten als weniger vertrauenswürdig angesehen werden, die Ergebnisse nahelegen, dass die nichtreligiösen Menschen sich von ihrem Mitgefühl in Wirklichkeit eher dazu bringen lassen, ihren Mitbürgern zu helfen als das bei religiöseren Menschen der Fall ist.

„Insgesamt stellten wir bei den weniger religiösen Personen fest, dass die Stärke ihrer emotionalen Verbindung zu einer Person entscheidend dafür ist, ob sie ihr helfen oder nicht“, so Rob Willer. Bei den religiöseren Personen gründe sich die Hilfsbereitschaft hingegen anscheinend weniger in ihren Empfindungen, sondern stärker auf „anderen Faktoren wie Doktrinen, gemeinschaftlicher Identität oder Reputationsgedanken.“

Die Studie hatte nicht untersucht, warum sehr religiöse Menschen von ihrem Mitgefühl kaum motiviert werden. Als eine Erklärung könne laut Angaben der Forscher die Hypothese dienen, dass die Freigiebigkeit von sehr religiösen Personen eher von einem Sinn für moralische Verpflichtungen herrührt als bei nichtreligiösen Menschen, wo sich das Mitgefühl als ein maßgeblicher Faktor erwiesen habe.

Die leitende Autorin der Studie Laura Saslow berichtete außerdem, was sie zur Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Religiosität und Barmherzigkeit inspirierte.  Ein Freund von Saslow, die als Postdoc-Stipendiatin an der UC Berkeley arbeitet, habe sich bei ihr darüber beklagt, dass statt der logischen Einsicht in die Erforderlichkeit von Hilfe erst die emotionell bewegenden Fernsehbilder von der Rettung einer Frau aus der Trümmerlandschaft auf Haiti ihn dazu gebracht hätten, zu spenden.

Mit dem im Zuge der Diskussion der Untersuchungsergebnisse von Rob Willer angesprochenen Misstrauen gegenüber nichtreligiösen Menschen, dass auch in den Vereinigten Staaten weitverbreitet ist, beschäftigte sich eine andere Studie zur Untersuchung der Gründe für  Vorurteile und Misstrauen gegenüber Atheisten von Psychologen an der kanadischen University of British Columbia, deren Ergebnisse Ende November 2011 veröffentlicht wurde.

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Diskussion - Bisher 3 Kommentare - Kommentar schreiben
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    Ich bin überhaupt nicht überrascht.

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    Auch in bin gar nicht überrascht, denn: In subtiler Weise vermögen Jenseitskonzeptionen die verschiedenen Bindungen zur Natur und zur menschlichen Gemeinschaft aufzulösen. Soziale, gleichsam horizontale Bande werden um einer vertikalen Beziehung willen durchtrennt. Die Wirklichkeit wird emotional immer stärker reduziert auf: GOTT und ICH. Der Dialog zwischen dem Allmächtigem und der eigenen Seele – >beten, bittenTugendhaft< ist auf diese Weise der Einzelne ganz unabhängig vom Zustand der Gesellschaft, in der er lebt. Auf den Trümmern einer untergehenden sozialen Welt sieht sich so das ausgemergelte Ich, das oftmals den Heiden in sich bekämpfen muss, dem Schöpfer als einzigem echten Bezugspunkt gegenüber. Je nachhaltiger Menschen den Willen Gottes erfüllen wollen, desto weniger werden sie sich von ihren natürlichen, mitfühlennden Regungen leiten lassen. Der eigene Wille wird vielmehr immer mehr zum Hindernis, sofern dieser das individuelle Interesse an das Diesseits, an Mitmenschen bindet. Im Leben in der strengen geistigen Kammer des Fundamentalismus wird die eigene, unsterbliche, transzendente Seele zum großen Wunder.

  • Uwe Hillebrand www.warumglaubstdunoch.de
     

    Schon im Alten Testament steht geschrieben, dass Mitleid verpönt ist (5 Mo 25/12,Einheitsübersetzung). Das hat natürlich Methode, denn im Alten Testament wird der Gott der Christen oft als mitleidslos strafender Gott dargestellt. Die Atmosphäre dieses “Heiligen Buches” lässt eher auf eine mafiose Gemeinschaft der Mensched als auf eine christlich-barmherzige schließen. Mit Fug und Recht läst sich behaupten, und es lässt sich auch einfach belegen, dass das Alte Testament in weiten Teilen eher ein Horrorbuch ist. Wie kann da Mitleid aufkommen?

 
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