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Leiden die Ossis unter fehlendem Götterglauben?

„Vollausbildung als Menschen beeinträchtigt“: Schriftsteller bezeichnete Millionen Deutsche als „reduzierte Existenzen“.

Debatte – Eine vor wenigen Tagen veröffentlichte Studie der Universität von Chicago über die unterschiedliche Verbreitung von Götterglauben hat einige Aufmerksamkeit auf sich gezogen und zu neuen Diskussionen über die Ursachen geführt. Die Studie im Rahmen des International Social Survey Programme zeigte auf, dass in vielen entwickelten Ländern der Glaube an einen persönlichen Gott oder vergleichbar übernatürliche Wesen zurückgeht. In anderen Ländern, wie Russland oder Slowenien, breitet er sich hingegen wieder aus.

Die Untersuchung untermauerte bestehende Erkenntnisse, nach denen der Götterglaube dort zurückgeht, wo die Menschen gelernt haben, ohne Rückgriff auf einen Glauben an übernatürliche Dinge ihr Leben zu bewältigen: Die neuen Bundesländer Deutschlands sind hier in einer besonderen Lage. Sie liegen nicht nur relativ weit entfernt von den Zentren der mächtigsten monotheistischen Religionen wie dem Katholizismus oder dem Islam, sondern waren in vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten auch durch starke säkulare Einflüsse geprägt: Unter anderem entstand in der DDR eine Lebenskultur, in denen viele Elemente der traditionellen Religionen nicht mehr benötigt wurden.  Auch der für Missionierungsfragen zuständige katholische Theologieprofessor Eberhard Tiefensee diagnostizierte hier ein „stabiles areligiöses Milieu“.

Der katholische Schriftsteller Martin Mosebach wurde im Zuge der Debatte um die Ergebnisse der Studie ebenfalls befragt. Das Fehlen von traditionellem Götter- und anderem Aberglauben in den neuen Bundesländern sei ein Erbe des preußischen Staates, mutmaßte der vielfach ausgezeichnete Autor im Interview mit Welt Online. Mosebach wurde aber noch deutlicher: Das Fehlen von Götterglauben, der Unglaube, sei ein Mangel, erklärte er. Die Ungläubigen bezeichnete er als reduzierte Existenzen. Der 61-jährige Gläubige wörtlich: „Ein Leben in völliger Abkehr von Gott ist eine reduzierte Existenz. Die seelische und auch die rationale Fülle des Menschseins ist dann nicht gegeben, wenn die Verbindung zum Schöpfer verödet ist.“

Eine drastische Aburteilung über das Leben von nicht nur mehr als 12 Millionen Menschen in den neuen Bundesländern, sondern auch die wachsende Zahl von nichtreligiösen Menschen in ganz Deutschland. Diese Gruppen, so Mosebach, seien in ihrer „Vollausbildung als Menschen beeinträchtigt“.

Welt Online ließ ihn noch ausführlicher zu Wort kommen, weshalb er weitere Mutmaßungen über den Zusammenhang zwischen nichtreligiöser Lebensführung und der sozialen und wirtschaftlichen Lage in den neuen Bundesländern anstellte: „In Ostdeutschland leben immer mehr Atheisten – und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die neuen Bundesländer nicht gerade Horte der Innovation, des Produzierens und der Vitalität sind“, so Mosebach wörtlich.

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Diskussion - Bisher 13 Kommentare - Kommentar schreiben
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    Ostdeutschland war mal Kernland der protestantischen Reformation. Später hatte der Pietismus hier seine Zentren. Dann kamen 150 Jahre liberale Theologie im Protestantismus, dann 12 Jahre Nazi-Herrschaft und 45 Jahre Kommunismus. Ergebnis: Die Köpfe der Leute sind religiös leergefegt. Was nicht heißt, dass hier nichts Neues entstehen könnte!

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    Ich finde es immer wieder überraschend, und allerdings auch abstoßend, mit welcher Arroganz und Überheblichkeit sogenannte Gläubige ihre kindisch besserwisserische Geisteshaltung über die von Menschen stellen, deren Denken frei von religiöser Indoktrination ist. Ausgerechnet denjenigen, die das Leben ohne religiösen Filter betrachten, wirft man eingeschränkte Sicht vor. “Die Köpfe der Leute sind religiös leergefegt”? Bestens! Dann sind sie frei von jedem religiösen Mief und Dreck!

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    Also ich lebe seit nun fast zwei Jahren in einem neuen Bundesland, davor in einem alten. Und ich kann nicht feststellen, dass den Leuten hier ihr Glaube fehlt (im Gegensatz konnte ich in dem alten Bundesland wo ich herkomme auch nicht erkennen, dass der Glaube ihnen dort etwas gibt). Ich kann also eigentlich keinen Unterschied dies betreffend in der Lebensführung von “Ossis” und “Wessis” feststellen. Daraus ergibt sich für mich persönlich, dass Einfluss von Glaube oder Unglaube auf unsere alltägliche Gesellschaft in der Regel sehr überschätzt wird.

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    Vielleicht hast du damit Recht.
    Für mich selbst ist das nicht ganz entscheidend, denn als tiefgläubiger Pastafari gönne ich natürlich auch anderen Leuten ihren Glauben. So lange sie genau so tolerant wie wir sind und nicht erwarten, dass sich auch andere nach ihren falschen Göttern richten sollen.

    Was ich ihnen aber nicht nur nicht gönne, sondern sogar hochgeradig ungerecht finde, sind die vielen Sonderrechte die sie und ihre Kirchen genießen, ist die Tatsache, dass selbst ich als wahrer Gläubiger ihren Unglauben und ihre Institutionen mitfinanzieren muss.

    Das muss sich schnellsten ändern.

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    Wer – bitteschön – ist Mosebach? Nie von dem gehört.

 
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