Kultur – Philosophen bauen keine Schränke, sie verlegen keine Kabel, sie entwerfen keine Häuser, sie programmieren keine Datenbanken und reparieren keine Motoren. Was also tut man in einer Philosophischen Werkstatt?
Falko Pietsch, Mitglied der Dresdner Regionalgruppe in der Giordano-Bruno-Stiftung, erklärt: „Texte, Diskurse, Kritiken, Hypothesen – das sind die Ausgangspunkte, Werkzeuge und Produkte der Philosophie. Darin reflektiert sie gesellschaftliche und technologische Entwicklungen, Sprache und Kommunikation, Erkenntnisse der Biologie und Physik, der Anthropologie und Soziologie, der Ökonomie und Geschichte; sie untersucht und hinterfragt das individuelle Handeln, politische Debatten und wissenschaftliche Paradigmenwechsel.“
Methodisch heißt das: die Philosophie erörtert Fragen und Themen ergebnisoffen und nie letztgültig. Sie sucht sich in einzelnen Bereichen der vermeintlichen „Wahrheit“ zu nähern, ist sich aber stets bewusst, immer nur einen weiteren Beitrag, einen Entwurf zum Verständnis einzelner Themen und Erkenntnisse zu leisten, der jederzeit widerlegt oder ersetzt werden kann.
Um mehr Menschen für diese „Arbeit“ zu interessieren, laden seit kurzem Humanistinnen und Humanisten in und um Dresden zur „Philosophischen Werkstatt“ in die Dresdner Kunstkneipe „Stilbruch“ ein. Heute Abend findet bereits die zweite Veranstaltung statt, die sich auch diesen Fragen gewidmet will: Was heißt Humanismus heute? Wofür steht ein Verein, der sich Aufklärung und Humanismus verpflichtet fühlt? Für welche Standpunkte und Werte tritt er ein? Bei einer Bauchnabelschau soll es aber nicht bleiben.
Denn Philosophie muss kein bloßer Zeitvertreib sein, nicht nur ein kognitives Workout. „Und nicht allein aus den Antworten, die die Philosophie gibt, auch aus ihren Fragen bezogen die Menschen vieler Kulturen in den letzten 3000 Jahren Impulse, die sie voran trieben“, so Pietsch weiter.
Denn es waren Philosophen, die zuerst nach Ursprung und Gestalt der Welt fragten, die über den Aufbau von Materie und den des Menschen spekulierten, von Energien, Elementen, Atomen und Körpersäften sprachen, die Gesellschaftsentwürfe wagten und über die Triebe, Motive und Ziele von Menschen raisonierten – kurz: die Fragen der Philosophie waren Ursprung für die Vielzahl an Wissenschaften, die wir heute als selbstverständlich erachten, der Biologie, der Astronomie, der Physik und Chemie, der Soziologie und Politikwissenschaften, der Psychologie und Anthropologie.
Pietsch: „Wir sehen in der offenen Gesellschaft eine Chance für den freien Diskurs, für die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Phänomenen und eine Herausforderung, eine immer in Bewegung befindliche Welt mit ihren Entwicklungen und Widersprüchlichkeiten stets neu zu begreifen.“
Die Philosophische Werkstatt will hier Themen sammeln und beleuchten. „Einmal im Monat werden wir uns treffen, in demokratischer Manier ein tagesaktuelles oder auch weitgehend unbeachtetes Sujet aufgreifen, erste Befindlichkeiten, Meinungen, Gedanken und Thesen dazu festhalten.“
Im Idealfall sollen die Teilnehmer mit einigen Denkanstößen nach Hause gehen. „Dort können sie weiter recherchieren und auf unserer OpenSpace-Plattform Beiträge einbringen. Damit diese Diskussionen nicht ergebnislos bleiben, werden wir jeweils wenige Tage nach jedem Treffen einen Sendeplatz auf ColoRadio entern und dort live in einem einstündigen Format unsere aktuelle Debatte, Statements und Kritik unterbringen.“














Ich wünsche dieser Werkstatt ein gutes Gelingen und ein Vielzahl anregender Gespräche. Die Philosophie darf alles. Nur eins nicht. Sie kann sich nicht gegen ein wissenschaftliches Weltbid stellen.
Die Philosophie ist, wie oft übersehen wird, weitaus älter als das Christentum und der Islam. Ehe Menschen sich für den e i n e n Gott und dessen angebliche Gebote interessierten, hatten einige kluge Köpfe, vor allem griechische, schon lange damit begonnen, durch systematisches Nachdenken Antworten auf die grundlegenden Fragen zu finden: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Wer sind wir eigentlich?
Wünsche gutes Gelingen!