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Conan, der Weltuntergang und die schwarze Katze

Eine Reportage vom Vortragsnachmittag der Gesellschaft für kritisches Denken in Wien.

Ulrich Berger, Vorsitzender der Wiener Skeptiker, eröffnete den Vortragsnachmittag. Foto: Christoph Baumgarten

Kultur – Freitag, der 13. Für Skeptiker kann das in Arbeit ausarten. Es könnte ja doch was dran sein, finden viele Menschen. Dem und anderem Aberglauben versuchte die Gesellschaft für kritisches Denken (Gkd) Ende vergangener Woche entgegenzutreten. Und das an einem Ort, der für wissenschaftliche Forschung steht wie wenige andere: Das Naturhistorische Museum in Wien.

Krista Federspiel lässt ihr organisatorisches Talent spielen. Auf den Treppen des Naturhistorischen Museums (NHM) verteilt sie Aufkleber mit der Aufschrift „GkD“ an Mitglieder und Sympathisanten der Wiener Skeptiker, auch bekannt als Gesellschaft für kritisches Denken, die Regionalgruppe der Gesellschaft für die wissenschaftliche Untersuchung von Parawissenschaften in Österreich. „Mit dem Aufkleber musst du keine Tageskarte zahlen“, erklärt die Wissenschaftsjournalistin, die auch in der Pension gegen Populärmythen und die Geschäftemacherei mit der Esoterik kämpft. Sie ist eines der aktivsten Mitglieder der Skeptiker.

Der Vortrag ist eine Kooperation mit dem NHM. Es ist das zweite Mal, dass die Spektiker an einem Freitag, dem 13., moderne Mythen unter die Lupe nehmen. Auch die vergangene Jahrestagung fanden im renommierten Museum statt. „Viele Leute kommen von uns, viele kommen auch von den Freunden des NHM“. Krista hat viel zu tun, die Skeptiker haben viele Sympathisanten in Wien.

Die jüngste Teilnehmerin braucht keinen Aufkleber. „So jung und schon eine Skeptikerin?“, fragt ein Zuhörer. „Nein, sie ist noch für alles offen“, sagt die Mutter und lächelt etwas ironisch. Ein bisschen Skepsis schwingt dann doch durch bei der Begrüßung. Ein kurzes Lächeln gegenüber dem Fremden und gleich schnell wegschauen und sich eng an die Mutter kuscheln. Sicher ist sicher.

Heinz Oberhummer, Science Buster und eines der Aushängeschilder der Wiener Skeptiker und der Konfessionsfreien zeigt sich gut gelaunt. „Es ist schön, was sich da tut. Stell dir vor, vor ein paar Jahren waren wir noch froh, wenn zu so einem Vortrag zehn Leute kommen.“

Das ist auch sein Verdienst. Die Science Busters haben mit ihren Kabarett-Vorstellungen auf der Bühne und im ORF viel beigetragen, um Naturwissenschaften in Österreich populär zu machen. Heute ist Vortragssaal im ersten Stock des NHM gut gefüllt. An die 150 Menschen sind hier, nur die letzten Sesselreihen sind spärlich besetzt. Es sind nicht nur ältere Menschen gekommen, wie man es bei solchen Veranstaltungen vermuten würde. Es sind erstaunlich viele Unter-40-Jährige hier, auch etliche Schüler und Studierende.

Skeptikervorträge sind familientauglich geworden.

Auch Science-Blogger, Volkswirt und Skeptiker-Obmann Ulrich Berger zeigt sich erfreut über den Publikumsandrang. „Wir machen unseren Vortrag schon zum zweiten Mal im NHM und es werden immer mehr Zuhörer.“ Was zweifellos auch am Tag liege. „Ein Freitag, der 13., ist ein besonders guter Tag, um wissenschaftliche Erkenntnisse zu verbreiten.“ Der Tag stehe wie wenig andere für Aberglauben und Populärmythen. „Die meisten Menschen glauben, das ist ein jahrhundertealter Brauch. Tatsächlich taucht der Tag als Unglückstag aber erst 1907 als Titel eines Buchs auf. In Europa hat er sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg durchgesetzt.“

Ob es mehr oder weniger Unfälle an diesem Tag gebe? Es könnte ja sein, dass der Ruf als Unglückstag dazu führe, dass sich die Menschen vorsichtiger verhalten. Oder, dass der Ruf als Unglückstag die Menschen nervöser mache, was mehr Unfälle verursacht. Eine selbsterfüllende Prophezeiung. (Der Autor hielt das für eine wahrscheinliche Variante, Anm.) Der Großteil der Zuhörer geht davon aus, dass es weniger Unfälle gibt. „Falsch. Es gibt aus Deutschland jahrelange Untersuchungen, die zeigen, dass es weder mehr noch weniger Unglücksfalle an einem Freitag, dem 13., gibt.“

Was man von Pseudowissenschaften lernen kann

Es dauert nicht lange, bis der Biologe Erich Eder zu Hochform aufläuft. Er trägt ein T-Shirt mit der schwarzen Katze, die gemeinsam mit dem Schriftzug F13 zum Logo der skeptischen Vorträge geworden ist. Ironie liegt ihm und wenn er die Argumentationsschienen von Pseudowissenschaftlern schildern kann, kann er aus dem Nähkästchen plaudern. Die Produzenten von Grander Wasser haben ihn jahrelang mit Klagen eingedeckt. Mittlerweile haben sie alle verloren. Und dann gibt’s Firmen wie Aquapol, die Konzepte wie „Raumenergie“ propagieren.

„Wenn das stimmen würde, was die behaupten, müsste es mehrere Nobelpreise für Physik geben, allein schon, weil der zweite Erhaltungssatz der Thermodynamik widerlegt wäre.“ Dass sich wiederum interessante personelle Querverbindungen zu Grander und zu Scientology ergeben, überrascht weniger. Nicht nur die Skeptiker-Szene in Österreich ist klein. Auch die Zahl der Großverdiener der Esoterik ist überschaubar.

„Eines müssen wir als Skeptiker immer bedenken: Wir sind für die meisten Menschen unsympathisch, weil wir schöne Geschichten zerstören. Das machen wir, indem wir ständig hinterfragen und auf Widersprüche hinweisen“, schildert Eder. Das man mitunter daran liegen, wie Wissenschaftler und Sympathisanten ihr Wissen kommunizieren. „Auch Wissen ist doof, wenn ich es nicht weitererzählen kann. Cooles Wissen ist, was man zum Beispiel am Stammtisch oder in der Schulklasse weitererzählen kann und womit man beliebt wird. Solches kommunizierbares Wissen merken wir uns besonders gut.“

Pseudowissenschaftler hätten ein Geschick darin, ihre Botschaften so zu verpacken, sagt Eder. Teil der Strategie sei fast immer, Prominente zu überzeugen, die Testimonials abgeben. „Und sie schmücken sich gerne mit großen Namen, stellen sich in eine Reihe mit bekannten Größen der Wissenschaften. Und: Titel zählen in einer öffentlichen Diskussion mehr als Argumente. Je mehr akademische Titel man vor dem Namen anführen kann, umso besser. Das verschafft Autorität.“

Um zu vernebeln, dass hinter einfach klingenden Prinzipien nichts stecke als (Aber-)Glaube, bedient sich aus Eders Erfahrung die Pseudowissenschaft einiger weiterer Tricks: „Keine Scheu vor Fremdwörtern. Dann versteht man nicht, was geschrieben wird. Und am besten verwende man eingeführte und aktuelle Begriffe aus der Wissenschaft in falschen Zusammenhängen.“

Dubiose Behauptungen zu entlarven, setze dann oft einiges an Fachwissen voraus. Ebenfalls nicht unwichtig: „Ignoriere negative Ergebnisse und bewege dich in deinen eigenen Kreisen.“ Unabhängige Gutachten, die die Wirksamkeit des eigenen Produkts belegen, kommen gerne von nahestehenden (Pseudo-) Experten oder, wie im Fall Grander Wasser, von stillen Teilhabern.

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    Erich Eder ist ein verdienstvoller Skeptiker, der mutig und sorgfältig gegen Verdummung gearbeitet hat und arbeitet. Er hätte sich einen sorgfältigeren Bericht verdient. Die schweren Tipp- und Grammatikfehler entwerten den Bericht und mittelbar seine Arbeit.

 
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