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Forscher-Blogosphäre diskutiert: Braucht die Wissenschaft ein Symbol?

„Darwin-Fisch“ irgendwie schön, aber nicht allgemein genug. Oder würde so Symbol wohl eher spalten?

Logo von "The Thinking Atheist" - Hier ist ein Symbol eingeflossen, dass 2007 von der Atheist Alliance International zum Wettbewerbssieger gekührt wurde.

Der Astronom Florian Freistetter berichtete gestern in seinem Blog über eine Diskussion um die Frage, ob die Wissenschaften ein universales Symbol brauchen könnten. Angestoßen hatte die Debatte der Bioethik-Professor Paul Root Wolpe, Direktor einer amerikanischen Privatuniversität. In seinem Artikel, der am 6. Januar 2011 bei der Fachzeitschrift New Scientist erschien, meinte Wolpe: „Im Angesicht des irrationalen Widerstands ist es für die wissenschaftliche Community an der Zeit, einen eigenen Sticker zu besitzen“ – etwa im Kontrast zum häufigen Ichthys gläubiger Christen, Halbmonden oder auch Kreuzen.

Die Wissenschaft werde weltweit angegriffen, meinte Wolpe zunächst. Nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern weltweit überschreite die Rhetorik von Debatten die legitimen Maßstäbe des Widerspruchs in den Diskussionen. Dabei  gewinnt, wer seine Ansicht sprachlich am geschicktesten verpackt in die Köpfe des Publikums transportieren kann – auch wenn sie noch so unsinnig sind.

Ein einhelliger Grund für die Frustration: Dabei würden die Früchte der Arbeit von Wissenschaftlern auf eine Weise auf die Probe gestellt, die Wolpe und unzählige andere Forscher schon lange nicht mehr hinnehmen wollen.

Ein neuer Nachhall von Richard Dawkins berühmt gewordenem „Ruf des Atheisten zu den Waffen“ vor fast genau zehn Jahren? Dawkins Plädoyer beförderte damals einen grundlegenden Wandel unter Wissenschaftlern, Wissenschaftsfreunden und auch Atheisten, welche die eigennützige Vereinnahmung von Forschungsleistungen und Erkenntnisstreben durch die Religion und ihre Vertreter sowie ihren Einfluss in der Politik nicht länger tolerieren wollten.
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Hier knüpfte auch der Wissenschaftler Wolpe noch einmal an und meinte, die Gemeinschaft der Forschenden sei im Verhältnis zu anderen Gruppen vielleicht nicht erkennbar genug. Zur Abhilfe schlug er vor, dass ein Symbol als gemeinsames Zeichen der Verbundenheit für bestimmte Ideen, Standpunkte und Prinzipien eine Lösung biete könnte.

„Symbole sind wichtig. Jede Firma hat ein Logo (sogar mein Blog hat eins). Jede Organisation, jeder Verein, jeder Fußballklub hat sein eigenes Symbol. Jede Religion sowieso. Ein Symbol eignet sich hervorragen, wenn man ohne große Worte seine Sympathie für etwas bekannt geben will. Wer ein Kreuz um den Hals trägt, wird kein Atheist sein und wer auf seinem Auto das VW-Symbol spazieren fährt, sollte sich am besten vom Opel-Treffen fern halten. Symbole sind wunderbar, wenn man Menschen mit gemeinsamen Interessen versammeln will“, stellte gestern nun auch der Blogger Florian Freistetter zum Einstieg in die Diskussion fest.

Freistetter meinte weiter, er würde am ehesten für etwas mit einer Flamme Sympathien entwickeln: „In klassischer Tradition kann sie für Legende des Prometheus stehen, der den Menschen das Feuer, den Verstand und die Vernunft gab. Und symbolisch für das Licht der Aufklärung“, schreibt er.  Zugleich gab er sich jedoch sehr skeptisch, ob tatsächlich ein Bedarf für so ein Symbol vorhanden ist.

Brauchen die Forscher und Wissenschaftsfans wirklich ein gemeinsames Bildchen? „Ich denke nicht. Die Wissenschaft ist kein Verein und keine Religion“, meinte Freistetter. Zu inhomogen sei die Gruppe für ein gemeinsames Symbol, ähnlich wie Atheisten. Sein Fazit: „Wer der Welt mitteilen will, dass Wissenschaft toll ist, braucht dazu nicht unbedingt ein Symbol.“

Allein scheint er mit so einer Auffassung nicht zu sein. Ein Kommentator warnte: „Ideologien brauchen Symbole, und genau das soll die Wissenschaft doch nicht sein.“ Zudem könne ein gemeinsames Symbol nicht nur eine vereinigende Funktion haben. Es könne auch angreifbar machen. Andere befürworteten π, das Zeichen der Kreiszahl Pi. In der bisherigen Bilanz konnten sich Teilnehmer dieser Diskussion mehrheitlich wenig dafür begeistern.

Ein deutsches Phänomen, das sich von den internationalen Stimmen unterscheidet? Offenbar nicht. Auch in anderen Regionen wird die Idee als zunächst zwar irgendwie attraktiv eingeschätzt, bei genauerer Überlegung finden sich jedoch offenbar zu viele Widersprüche und Gegenargumente. Ein Hauptkritikpunkt: Symbole repräsentieren meist enge, dogmatische Haltungen und führen eher dazu, Spaltungen hervorzurufen.

Offensichtlich ist im Vergleich dazu jedenfalls: Das rote “A” der Atheisten hat sich schon weit verbreitet, genauso wie der „Evolve“-Fisch der Verteidiger der Evolutionstheorie, das Logo der Anonymous-Bewegung oder der von der IHEU und British Humanist Association kreierte Happy Human.

Trotzdem wurde Fragen der Symbolik auch unter Humanistinnen und Humanisten immer wieder mal diskutiert. Meist ohne große Ergebnisse und in der Bilanz scheint es, dass die Schaffung solch eines „Mems“ einfach versucht werden muss. Ob es sich dann irgendwann eines erfolgreich durchsetzen kann, lässt sich wohl im Vorfeld kaum prophezeien. Bis dahin bleiben die großen Gruppen der forschenden und kritischen Geister wohl weiter weitgehend unsichtbar. Aber vielleicht gibt es in Wahrheit auch einfach schon genug passende Erkennungszeichen.

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    Natürlich ist die Gruppe derer, die sich mit Wissenschaft befassen, sehr divers.

    Aber haben nicht alle Wissenschaftler ein Ziel gemeinsam? Nämlich das Wissen über unsere Welt zu vermehren, und zwar mit offenen, nachvollziehbaren Methoden?

    Und wenn das so ist, was hat das mit “Dogmatismus” zu tun?

    Los Alamos z.B. hat ein sehr hübsches Logo, wie ich finde. Sind das alles Dogmatiker dort?

    Ist die Argumentation, dass wer ein Symbol führt, auch Dogmatiker sein müsse, wissenschaftlich?

 
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