
Im September 2011 trug der gute Glaube noch: Christian Wulff hofiert Benedikt XVI. Foto: WDKrause / Wikimedia / CC-BY-SA
Die öffentliche Kritik am Verhalten des Bundespräsidenten Christian Wulff wird immer lauter und klarer. Wulff selbst scheint sich bisher wenig zu rühren. Doch würde er auf einen Rücktritt verzichten, schiene das für immer mehr Menschen nicht vermittelbar. Aber was könnte die säkulare Gesellschaft eigentlich von einem Nachfolger im Amt erwarten, haben wir Michael Schmidt-Salomon gefragt.
Es sieht so aus, als ob sich Christian Wulff nicht mehr lange im Amt des Bundespräsidenten halten wird. Dürfen wir nach dem „Wulff im Schafspelz“ , gegen den sich die säkularen Verbände von Anfang an wehrten, auf einen etwas freigeistigeren Präsidenten hoffen?
Dr. Michael Schmidt-Salomon: Spitzenpolitiker präsentieren sich gerne als Spitzengläubige. In dieser Hinsicht war die Wahl der eifrigen Kirchenlobbyisten Köhler und Wulff symptomatisch für die deutsche Politik. Wünschenswert wäre natürlich, dass eine Person in das höchste politische Amt berufen würde, die von ihrem Denken her im 21. Jahrhundert angekommen ist, die den Mut hat, überholte Traditionen zu hinterfragen und unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Allerdings ist es sehr unwahrscheinlich, dass wir in absehbarer Zeit einen Bundespräsidenten oder eine Bundespräsidentin dieser Qualität sehen werden. Denn gerade in der Nische der Politik sind Selektionskräfte am Werk, die nachdenkliche, kreative, mutige Menschen eher behindern als fördern. Wie auch könnte ein origineller, phantasievoller, sensibler Mensch all den Stumpfsinn, all die Kleingeistigkeit, all den Zwang zu opportunistischer Heuchelei überstehen, der einem Berufspolitiker während seines Marschs durch die Institutionen zugemutet wird? Wir müssen daher davon ausgehen, dass der nächste Bundespräsident das gleiche intellektuelle Kleinformat haben wird wie seine Vorgänger.
Eine grundlegende Änderung der Politik ist derzeit also eher ausgeschlossen?
Schmidt-Salomon: Ja. Ein echter Politikwechsel wird erst stattfinden, wenn er an der Basis von den Wählerinnen und Wählern eingeklagt wird. So weit sind wir leider noch nicht, aber das wird sich hoffentlich ändern. Wie ich schon in meinem Kommentar zur unsäglichen Rede Wulffs zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit schrieb: Eine mehrheitlich säkular denkende Wählerschaft wird es auf Dauer nicht tolerieren, dass die Politik archaische Kulte hofiert und öffentliche Steuergelder in Milliardenhöhe für innerreligiöse Angelegenheiten verschleudert. Und wenn in der Frage der Religionspolitik endlich Vernunft einkehrt, werden rationale Argumente sicherlich auch in der Finanz-, Sozial-, Umwelt-, Gesundheits- und Bildungspolitik stärkere Beachtung finden.
Herr Schmidt-Salomon, vielen Dank für das Interview!
Mehr zum Thema: Über Verstrickungen von Christian Wulff informierten vor seiner Wahl in das Amt zahlreiche Medien. Eine Auswahl relevanter Beiträge ist am Fuße des Beitrages zu finden.














Wulff ist eine leere Hülle und der Grüßaugust des Staates.
Das heisst nicht mehr »Bundespräsident«,
nach von Weizsäcker heisst es nur noch
»hochrangiger Abschiebeposten«.