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Affen können Gedanken lesen

Neue Studie ergibt erstaunliche Belege für kognitive Empathie bei Schimpansen.

Foto: AZAdam / Flickr / CC-BY-SA

Auch nichtmenschliche Primaten sind offenbar dazu in der Lage, sich gedanklich in ihre Artgenossen hineinzuversetzen. Das legen Ergebnisse einer Studie von Forschern am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig nahe, die in Kooperation mit Wissenschaftlern der St. Andrews University in Großbritannien durchgeführt wurde. Die Ergebnisse wurden vor einer Woche in der Wissenschaftszeitschrift Current Biology veröffentlicht. Die Studie untermauert weiter die Auffassung, dass hochkomplexe mentale Kompetenzen auch bei anderen Arten als den Menschen vorhanden sind. Diese werden zudem als ein wichtiger Bestandteil der Evolution der Sprache gesehen.

Die Untersuchungen mit einer Gruppe von frei lebenden 33 Schimpansen im ugandischen Budongo-Wald konnten belegen, dass die Schimpansen ihre Artgenossen vor einer Gefahr nur warnten, wenn sie den Artgenossen noch nicht bekannt war. Die Forscher platzierten dazu unter anderem Attrappen von giftigen Schlangen und filmten die Handlungen der Gruppe. Die Schimpansen gaben Alarmrufe zur Warnung vor einer Giftschlange häufiger in Gegenwart von unwissenden als in Gegenwart von bereits informierten Gruppenmitgliedern. Somit wurde herausgefunden, dass diese erkennen, wer über welches Wissen verfügt.

Die Fähigkeit zu verstehen, was ein Anderer weiß oder glaubt, besitzt herkömmlichen Vermutungen zufolge nur der Mensch. Verschiedene Studien zur “Theory of Mind”, dem Wissen um das Bewusstsein anderer, fanden bislang jedoch nur mit Zootieren statt und führten zum Teil zu kontroversen Ergebnissen. Meist war dabei unklar, ob Schimpansen die Aufgabe nicht lösen konnten oder diese nicht verstanden. Ein Problem, das bei frei lebenden Schimpansen in ihrem natürlichen Umfeld nicht besteht.

„Schimpansen scheinen den Wissensstand anderer zu berücksichtigen und stoßen freiwillig einen Warnruf aus, um die anderen über eine Gefahr zu informieren, von der sie nichts wissen“, sagt Roman Wittig vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. „Gruppenmitglieder, die die Gefahr bereits kannten, wurden seltener informiert“. Die Schimpansen konnten also verstehen, ob sich ein Gruppenmitglied einer Gefahr bereits bewusst ist. Die empathischen Fähigkeiten scheinen weit genug entwickelt zu sein, dass Individuen über den Informationstand Anderer wissen können.

Freilich geben auch unzählige andere Spezies Warnsignale von sich. Die Besonderheit der Ergebnisse lag darin, dass die Häufigkeit der abgegebenen Warnungen abhängig vom zwischen den Individuen gegenseitig vermuteten Wissensstand variierte. Hintergrund ist die Tatsache, dass in der Natur eine Kommunikation von Warnungen sich auch dann entwickeln kann, wenn eine Art zu der jetzt bei den Schimpansen beobachteten kognitiven Empathie nicht in der Lage ist. Hier spielen grundlegende evolutionäre Mechanismen wie Verwandtenselektion eine Ursache.

Bei den Untersuchungen mit der Schimpansengruppe zeigten sich jedoch auch Fähigkeiten, die für viele bisher menschlichen Primaten vorbehalten zu sein schien: Den mentalen Zustand von Gefährten – wenn auch in einem beschränkten Maße – erkennen zu können.

„Schimpansen verstehen offenbar, dass sie etwas wissen, was ihr Gegenüber nicht weiß. Sie verstehen ebenfalls, dass sie den anderen informieren können, indem sie eine ganz bestimmte Lautäußerung von sich geben“, so Wittig. Einigen Wissenschaftlern zufolge ist die Fähigkeit zum Bereitstellen von fehlenden Informationen an andere Gruppenmitglieder ein wichtiger Schritt während der Evolution von Sprache: Warum sollte man jemanden über etwas informieren, wenn man nicht vorher erkannt hat, dass derjenige diese Information benötigt?

Bisher war nicht klar, wann in der Evolution der Affenartigen (Hominoiden) oder der Menschenartigen (Hominiden) dieser wichtige Schritt gegangen wurde. Der gemeinsame Vorfahre von Mensch und Schimpanse könne diesen Weg möglicherweise vor sechs Millionen Jahren beschritten haben, wie die aktuelle Studie zeigt.

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