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"Eine Welt ohne Mond wäre doch sehr langweilig"

Aus wissenschaftlicher Sicht sind viele Weltuntergangsszenarien eine Quelle des Neuanfangs, sagt ein Astronom.

Forscher Florian Freistetter. Foto: Simon Kumm

Das 2012. Jahr in der kalendarischen Kultur des Christentums könnte der Welt das Ende bringen, prognostizieren Scharlatane und religiöse Propheten erneut. Nun auch mit Berufung auf das vom antiken Maya-Kult entwickelte Zeitsystem.

Doch tatsächlich ereignen sich ständig Weltuntergänge im Kosmos. Planeten prallen aufeinander. Galaxien stoßen zusammen. Neuesten Forschungsergebnissen nach kollidieren sogar ganze Universen.

Angesichts um sich greifender Hypes von Darstellungen apokalyptischer Szenarien für die Menschheit hat der Astronom Florian Freistetter ein Plädoyer für das Interessse am Weltuntergang aus naturalistischer und wissenschaftlicher Perspektive formuliert. Freistetter hofft, dass die Schönheit in der Wirklichkeit entdeckt werden kann, bevor das Interesse zur Suche nach Wahrheit in Schreckenszenarien verschwendet wird.

Herr Freistetter, warum brauchen wir jetzt noch ein Plädoyer für den Weltuntergang?

Dr. Florian Freistetter: Kosmische Katastrophen sind im Universum völlig normal. Sie machen das Universum erst zu dem, was es ist. Wir Menschen stören uns nur deswegen am Weltuntergang, weil wir zufällig auf einer Welt leben und sie gerne behalten möchten. Aber wenn im Universum nicht ständig Dinge ineinander krachen würden, wenn nicht ständig überall “die Welt untergehen würde”, dann wäre das All ein lebloser Ort. Die kosmischen Kollisionen haben erst die Grundlage für das Leben auf der Erde geschaffen. Wir haben den Kollisionen viel zu verdanken und sollten deswegen nicht jedesmal in Angst und Panik verfallen, wenn wir etwas darüber hören, sondern uns vernünftig damit beschäftigen.

Wie wahrscheinlich ist denn so eine kosmische Kollision mit Blick auf unsere Erde? Die ja die meisten Menschen tatsächlich gerne behalten würden.

Freistetter: Das hängt davon ab, was kollidieren soll. Mikrometeoriten stoßen ständig mit der Erde zusammen. Jeden Tag fallen ein paar Tonnen Material aus dem All auf die Erde. In der Nacht sehen wir diese Kollisionen als Sternschnuppen.

Und was ist mit richtig dicken Brocken?

Freistetter: Größere Objekte sind seltener. Katastrophen wie die, bei der ein Zusammenstoß mit einem Asteroiden die Dinos ausgelöscht hat, kommen alle paar hundert Millionen Jahre vor. Und wenn es um die Kollision mit einem anderen Planeten geht, dann kommen solche Katastrophen heute gar nicht mehr vor. Die waren zur Zeit der Planetenentstehung häufig. Aus so einer Kollision entstand der Mond. Heute aber gibt es zu wenig Planeten im Sonnensystem, sie befinden sich auf stabilen Bahnen und eine Kollision ist so unwahrscheinlich, dass man sie ruhig auch “unmöglich” nennen kann. Auf jeden Fall während der nächsten paar Milliarden Jahre.

Ist eine unsere Zivilisation vernichtende Kollision wirklich so gut wie ausgeschlossen?

Freistetter: Die Frage ist so nicht wirklich zu beantworten. Ausschließen kann man die Kollision der Erde mit einem großen Asteroiden natürlich nicht. Aber die Statistik zeigt uns, dass so etwas enorm selten vorkommt. Und dann beobachten wir ja den Himmel. Große Asteroiden sind heller als kleine und daher besser zu sehen. Wir wüssten also früh genug Bescheid über so eine Kollision und könnten dann auch etwas dagegen unternehmen.

Ist es eigentlich möglich, dass das irdische Leben auch von so einer Kollision herrührt? Also dass ein Meteoroid den Keim des Lebens auf die Erde gebracht hat?

Freistetter: Das wird im Rahmen der “Panspermie”-Hypothese untersucht. Es ist durchaus möglich, dass die ersten Lebenskeime durch Meteoriten auf die Erde gekommen sind. Wissenschaflich belegt ist das allerdings nicht. Dafür wissen wir aber, dass ein relevanter Anteil des Wassers auf der Erde – ohne das auch kein Leben möglich wäre – in der Frühzeit des Sonnensystems durch Kollisionen mit eishaltigen Kometen und Asteroiden auf die Erde gelangt ist.

Wissen Sie, wie viele Welten in der von Ihnen gedachten Weise täglich in unserem Universum untergehen oder neu entstehen?

Freistetter: Das ist fast unmöglich zu schätzen. Das hängt davon ab, wie viele Planeten es gibt, etc. In unserer Milchstraße entstehen pro Jahr größenordnungsmäßig zehn neue Sterne. Wenn die Hälfte davon Planeten hat, dann wird es dort während der Planetenentstehung zu Kollisionen zwischen Protoplaneten und “Weltuntergängen” kommen. Bei ein paar hundert Milliarden Galaxien im Universum kommt da einiges zusammen.

Können Sie da auch ein Ereignis nennen, dass Sie besonders fasziniert hat?

Freistetter: Ich finde die Kollision der Protoerde mit dem Protoplaneten Theia besonders faszinierend. Ohne diese Kollision gäbe es keinen Mond. Und eine Welt ohne Mond wäre doch sehr langweilig.

Wo lassen sich solche Dinge eigentlich für Menschen, die keine Forscher sind, beobachten und nachvollziehen?

Freistetter: Kosmische Kollisionen kann jeder beobachten. Einfach in einer klaren Nacht den Himmel betrachten. Jede Sternschnuppe ist das sichtbare Zeichen einer Kollision zwischen der Erde und einem anderen Himmelskörper.

Herr Dr. Freistetter, herzlichen Dank für das Interview und ein glückliches neues Jahr!

Florian Freistetter veröffentlicht demnächst “Krawumm! Ein Plädoyer für den Weltuntergang”: Kommen Sie mit auf eine Tour durch das Universum! Sehen Sie dabei zu, wie im Weltall ineinanderkracht, was ineinanderkrachen kann! Das 240 Seiten starke Werk erscheint im April im Ecowin-Verlag zum Preis von 22,90 Euro.

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  •  

    ein herzerfrischend lockerer Buchtitel =D

    so liebevollen Humor werde ich mir sicherlich zu Gemüte führen. hat etwas von Brysons “kurzer Geschichte von fast allem”

 
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