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Christianophobie: OSZE-Konferenz im September

Treffen will Maßnahmen zur Prävention von Gewalt, Diskriminierung und Vorurteilen gegenüber Christen erörtern.

Die katholische Kirche ist auch über die Christianophobie in Europa tief besorgt, erklärte Benedikt XVI. in einer Botschaft Mitte vergangenen Dezembers. Christen seien die weltweit meistverfolgte Religionsgruppe, meinte er damals ebenfalls. Er formulierte die Hoffnung, dass es in der westlichen Welt und insbesondere Europa ein Ende von Feindschaft und Vorurteilen gegenüber Christen, welche ihr Leben an den Werten und Prinzipien des Evangeliums ausrichten wollen, gibt. Mit Blick auf die rechtliche Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften oder die Einschränkungen für religiöse Symbole stellte er diesen „aggressiven Säkularismus“ auf eine Stufe mit religiösem Fundamentalismus.

Auch Rino Fisichella, Chef der vatikanischen Missionierungsbehörde für die Neuevangelisierung Europas, diagnostizierte im Januar 2011 eine „dramatisch zunehmende Christianophobie“ in Europa und forderte, dass ein wahrheitsgetreues Bild von der Aufgabe der katholischen Kirche vermitteln werden muss.

Die kirchennahe Menschenrechtsorganisation „Observatory on Intolerance and Discrimination against Christians“ veröffentlichte im Monat zuvor einen Bericht, der sogenannte „Hate crimes“ gegen Menschen mit christlicher Konfession in Europa dokumentieren wollte. In der nächsten Ausgabe des Berichts dürfte sich die Zahl der Vorfälle erhöht haben. In Kroatien etwa verklagte laut Bericht des Kirchenportals ZENIT im März 2011 die Organisation „Kontra“ eine Religionslehrerin, welche erklärt hatte: „Homosexualität ist eine Krankheit“. Vor dem Gericht habe es deshalb eine Demonstration aufgebrachter Katholiken gegeben, die Schilder mit der Aufschrift „Stop Christianophobia“ hochhielten. Silvano Tomasi, offizieller Beobachter der katholischen Kirche bei den Vereinten Nationen, beklagte im gleichen Monat vor dem UN-Menschenrechtsrat, dass Kritiker gleichgeschlechtlicher Beziehungen stigmatisiert, diffamiert und verfolgt werden.

Die nun demnächst stattfindende Konferenz ist ein Ergebnis längerer Vorbereitungen. Während des letzten OSZE-Gipfeltreffens befassten sich im Rahmen eines Runden Tisches zum Thema „Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen“ mehr als 60 Vertreter von Staaten, Nichtregierungsorganisationen, Universitäten und „Think Tanks“ erstmals in der Geschichte der Organisation mit diesem Thema.

„Im Westen von Wien erlebten Christen einerseits eine Einschränkung in ihren Rechten, andererseits das Schüren von Vorurteilen durch Medien“, wurde vom Treffen berichtet. Christen müssten an unethischen Handlungen wie Schwangerschaftsabbrüchen mitwirken, dürften sich nicht kritisch über Homosexualität oder eben Abtreibung äußern und weltliches Arbeitsrecht verhindere, dass christliche Glaubensgemeinschaften gemäß ihrem Leitbild handeln können. Bei der Kindererziehung werde es Eltern verwehrt, auf ihrem Glauben widersprechende Lehrpläne Einfluss zu nehmen. In der Türkei müssten christliche Kinder am islamischen Religionsunterricht teilnehmen. Christen werden durch die Medien vorurteilsgeprägt behandelt, es gebe Angriffe auf christliche Symbole und eine aggressive Vorgehensweise gegenüber sich in der Öffentlichkeit engagierenden Christen.

Die katholische Theologin und Juristin Gudrun Kugler kam zu Wort: „Ein Vorurteil gegen Christen scheint das letzte sozial akzeptierte Vorurteil in Europa zu sein. Dass die OSZE die Problematik aufgreift, ist ein erster Schritt Richtung  Toleranz gegenüber allen, auch praktizierenden Christen.“

Konkrete Maßnahmen, um auf das Problem der Christianophobie künftig besser aufmerksam zu machen, gibt es schon.  Die “Pro Europa Christiana Federation” hat eine Internetseite eingerichtet, auf der eine Petition an UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon unterzeichnet werden kann. Die Petition fordert die Einführung eines weltweiten Tages gegen Christianophobie. Auf der Seite befindet sich eine Auflistung von wegen Christianophobie erfolgter Ereignissen in westlichen sowie nicht-westlichen Ländern.  Mit darunter auch ganz aktuelle Vorkommnisse vom diesjährigen Weltjugendtag der katholische Kirche im spanischen Madrid: “Protestmärsche und öffentliche Aufrufe gegen die Kirche, den Klerus und die Gläubigen durch den Verein der Atheisten und Freidenker, der Kommunistischen Jugend von Madrid und der sozialistischen Jugend Spaniens usw.”

Doch für die nun in Europa zunehmend diagnostizierte Christianophobie und Verfolgung christlicher Gläubiger sind möglicherweise nicht nur Atheisten, Freidenker oder andere Kommunisten verantwortlich zu machen. Das legt ein Bericht nahe, dem zufolge sich Benedikt XVI.  vor wenigen Tagen auf der päpstlichen Sommerresidenz mit seinem “Schülerkreis” getroffen hatte. Der sogenannte Schülerkreis besteht aus Menschen, die ein Studium unter Benedikt XVI. absolviert haben. Darunter befindet sich etwa der Wiener Kardinal Christoph Schönborn.

Thema des viertägigen Treffens von 40 Personen war laut Berichten kirchlicher Nachrichtenagenturen die Neuevangelisierung Europas. Benedikt XVI. bat im Rahmen dessen die Teilnehmer, den Generationen gebürtiger Katholiken zu vergeben, welche bei der Weitergabe ihres Glaubens versagt haben. Die Folgen beträfen vor allem die Jugend, bedauerte er. Schönborn forderte im Rahmen einer dazugehörigen Messe den Studienkreis zum totalen und völligen Verzicht auf, welcher die radikale Nachfolge Christi begleiten müsse. Nur wenn sich die Gläubigen nicht dieser Welt anpassen, können sie den Willen Gottes erkennen und es zum Fundament ihres Leben machen.

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Diskussion - Bisher 10 Kommentare - Kommentar schreiben
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    Würde man Homophobie wie Christianophobie auslegen würde wohl jeder der heterosexuelle Neigungen auslebt als homophob gelten.
    Manchmal frage ich mich ob Menschen die so etwas äussern wissen das es vollkommen bei den Haaren herbeigezogen ist oder ob sie…nunja, das wäre eigentlich unrealistisch.
    Aber schon beim Auswerten absolutistischer und nationalsozialistischer Quellen im Geschichtsunterricht hab ich mich das gefragt.

  • engstirniger bayrischer Atheist
     

    Wenn jemandem seine Rute weggenommen wird mit der er auf andere einprügelt, ist dies nicht eine Einschränkung seiner Rechte sondern die Wahrung der Rechte der Geprügelten. Die armen verfolgten Christen verlangen für sich einen Sonderstatus. Sie nehmen sich ungeniert das Recht heraus über alles und jeden Urteilen zu dürfen nur auf sie selbst ist dieses Recht nicht anwendbar.
    Zu der Verfolgung möchte ich noch sagen, dass es sehr viel wahrscheinlicher ist seinen Job zu verlieren, wenn man aus der Kirche austritt als wenn man sich zum Christentum bekennt. Alleine schon durch die unsäglichen Verflechtungen der Großkirchen in deutschlands Gesundheits – und Pflegesystem.
    Die armen Christen müssen in der Türkei sogar den islamischen Religionsunterricht besuchen. In Deutschland kann man sich dem christlichen Unterricht natürlich entziehen, indem man alternativ den Ethikunterricht wählt. Im Gegensatz zum Religionsunterricht in der zweiten oder dritten Stunde findet dieser seltsamerweise aber immer am späten Nachmittag statt. Als Lehrstoff bekommt man dann den segensreichen Einfluss der zehn Gebote auf die europäische Kultur und die Lehren des Schreiners aus Nazareth zu hören die ja auch für nicht gläubige eine Bedeutung haben denn schließlich leben wir ja in eine jüdisch – christlichen Kultur wie es neuerdings so schön verlogen heißt.

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    Ach, und wenn schon!
    Die Christen sollen ihre Feinde doch einfach mal lieben, für sie bitten (Mt 5,44) und ihnen auch die andere Wange darbieten (Mt 5,39)!
    Steht doch alles in ihrer Gruppenfibel – Problem gelöst.

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    “In der Türkei müssten christliche Kinder am islamischen Religionsunterricht teilnehmen.”

    Ich wurde indirekt zum christlichen Religionsunterricht gezwungen. An meiner Schule gab es nur Religionsunterricht vormittags und “Werte und Normen” nachmittags. Und natürlich hat man keine Lust noch bis Nachmittags in der Schule zu verbringen.

    Außerdem hat mich eine Lehrerin mal als “arm” bezeichnet, weil ich keiner Religion angehöre. Also wo bleibt die OSZE-Konferenz für verfolgte Atheisten?

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    Wäre doch mal was, wenn allgemein sich diese Frage nach “Entwicklungshilfe” (die ich allgemein für meist kontraproduktiv halte) an bestimmte Richtlinien knüpfen würde:
    nur in Länder wo keine Verfolgung stattfindet unabhängig davon, welches Geschlecht, Rasse, sexuelle Ausrichtung oder Religion jemand hat (oder nicht hat)etc. .

    Aber… einen Moment: das wäre ja schrecklich! Die Länder müssten die allgemeinen Menschenrechte anerkennen!!!
    Nun, wenn wir Länder, die Menschenrechte nicht erfolgreich anwenden dafür auch noch mit Geld belohnen, wird sich das sicher nicht ändern.

    Ich frage mich sowieso, wie Länder in der UNO eine Stimme haben, die nicht einmal die Menschenrechte in ihrem Land durchsetzen können.
    Da sollte es niemanden wundern, wenn dann mal so plötzlich die UNO entscheidet, dass Homosexuelle auch getötet werden dürfen, wenn Staaten das wollen…

 
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