Vor kurzem berichtete die Internetseite kreuz.net, welche seit 2004 unter dem Titel „Katholische Nachrichten“ Texte veröffentlicht, über das Pukkelpop-Festival in Belgien. Das Rockmusikfestival wird von der Humanistischen Jugend von Leopoldsburg veranstaltet. Am 18. August 2011 stürzten wegen eines heftigen Sturms mehrere Zelte, Bühnen, Leinwände und weitere Metallkonstruktionen ein. Fünf Menschen starben dabei, mehrere Dutzend weitere wurden verletzt.
„Als sich der Zorn des barmherzigen Gottes entlud, waren rund 65.000 Personen auf dem Gelände anwesend“, schrieben die anonymen Macher der in den USA registrierten Seite über das Desaster bei dem von einem „Kirchenhaß-Verein“ veranstalteten Festival. „Jahrelang haben sie Gott versucht. Nun hat sie der Allmächtige in seiner unendlichen Barmherzigkeit und kraftvollen Liebe abserviert“, so die Bilanz der Urheber zur Tragödie.
Aufgrund derart klar positionierter Beiträge ist die Internetseite kreuz.net zu trauriger Berühmtheit und einiger Popularität erlangt. In der Bewertung des Webseiten-Analysedienstes Alexa Internet rangiert sie dicht hinter kirchlichen Vorzeigemedien wie etwa evangelisch.de, ein Portal der Evangelischen Kirche in Deutschland. Der ebenfalls vielgelesene Skeptiker-Blog der GWUP hat hingegen nur ein halb so hohes Ranking.
Die Stimmungsmache auf kreuz.net wirkt: Der bizarre Artikel über das Pukkelpop-Festival erhielt bisher insgesamt 364 Leserkommentare und Tausende Zugriffe. Frühere Verfahren um die Betreiber wegen Volksverhetzung vor ein Gericht zu bringen verliefen erfolglos. Die Bischofskonferenzen in Deutschland und Österreich distanzierten sich in der Vergangenheit von kreuz.net – das Image der Glaubensgeschwister sollte besser nicht abfärben.
Doch bei Organisationen wie der deutschen Wikipedia wiederrum spielen solche oder andere moralische Fragen weniger eine Rolle, weshalb die Seite von Wikipedia-Entscheidungsträgern als „relevant“ eingestuft ist und der Präsenz von kreuz.net ein Artikel gewidmet wurde.
Anders sieht es im Fall des Humanistischen Pressedienstes (hpd) aus. Hier versuchten Wikipedia-Autoren seit 2006 zwar immer wieder, einen Eintrag anzulegen. Mehrmals wurden Artikel von den letztendlich entscheidungsbefugten Administratoren wieder gelöscht: Keine Relevanz lautete eine Begründung. In den seitenlangen Diskussion zwischen den Wikipedia-Autoren hieß es: „Sektenorgane brauchen kein eigenes Lemma.“ Die hinter dem hpd stehenden Organisationen seien irrelevant, so ein weiteres Urteil. „Schnellgeloescht. Auf weiteren Sockenpuppenzirkus und Unterschriftsfaelscherei koennen wir verzichten“, begründete die Administratorin „Elian“ damals ihre Entscheidung mit der Meinung, die vielen den Eintrag befürwortenden Wikipedia-Autoren wären in Wirklichkeit ein und dieselbe Person. Insgesamt 296 Administratoren sind bei der Wikipedia tätig.
Tatsächlich wird der hpd, der seit 2006 als eingetragener und gemeinnütziger Verein aufgestellt und im Internet aktiv ist, von mehr als einem halben Dutzend Organisationen und weiteren Einzelpersonen getragen, die mehrere Zehntausend Menschen in Deutschland repräsentieren und für die zudem jeweils eigene Wikipedia-Artikel existieren – womit immerhin diese Organisationen offenbar relevant sind. Auch zum leitenden Redakteur des hpd, Carsten Frerk, existiert ein Wikipedia-Artikel.
In der Vergangenheit wurde der Humanistische Pressedienst von Medien wie dem Spiegel oder der taz zitiert, zuletzt wurde der hpd in der Ausgabe 2/2011 der renommierten und traditionsreichen Monatsschrift „Herder Korrespondenz“ als einflussreichstes, kirchenkritisches Informationsportal im deutschsprachigen Raum beurteilt. „Klein – aber einflussreich“, lautete der Titel des Beitrags über kirchenkritische Organisationen. Eine klare Aussage über die Relevanz des hpd, die in der Monatsschrift formuliert wurde.
Für die Alltagsarbeit der Wikipedianer selbst scheint der hpd nicht irrelevant zu sein: In den insgesamt rund 1,28 Millionen deutschsprachigen Wikipedia-Artikeln wird der hpd insgesamt 213 Mal zitiert. Aber allein die Verlinkung als Quelle reicht nicht aus. Maßgeblich sind unter anderem die für die Wikipedia geltenden Regeln, die sogenannten Relevanzkriterien. Die dort festgelegten Anhaltspunkte sollen helfen, die Relevanz von Artikeln zu Themen zu beurteilen.
Und hier gibt es einige Anhaltspunkte dafür, dass der hpd eigentlich längst hätte Einzug in die freien Enzyklopädie gehalten haben müsste. Bei den Merkmalen zu Vereinen heißt es unter anderem, dass diese eine überregionale Bedeutung haben oder besondere mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen müssen. Mit Blick auf die Einschätzung der „Herder Korrespondenz“ eine klare Sache. Ähnlich also die Bilanz bei den Kriterien für Webseiten: „Eine Website ist in der Regel relevant, wenn über sie in nicht-trivialer Weise (z. B. in eigenen Artikeln) in relevanten Medien berichtet wird.“














“Die Artikel über Internetseiten wie kreuz.net bleiben also aller Wahrscheinlichkeit nach vorläufig drin und der über das Nachrichtenportal hpd draußen”
Ungefähr so war meine Erfahrung zu der Absage eines Leserbriefes den ich in der Sächsischen Zeitung schrieb.
Mir wurde vorgeworfen auf den religiösen Gefühlen von Gläubigen herumzutreten, deshalb könne mein Artikel mit Einladung zur Gründung eines religionsfreien Stammtisches nicht gedruckt werden aber das x.te mal wurde zur Bischofsweihe eingeladen.
Die eine Einladung wurde gedruckt die Andere nicht.
Die Relevanzkriterien der Wp sind eindeutig: wird ein Verein mehrmals in den Medien erwähnt, ist Relevanz unstrittig. Womöglich hat der Autor vergessen, die Erwähnung in den Medien im Artikel zu erwähnen und zu zitieren, und das in der richtigen Form? Einfach ein zwei Sätze abliefern und hoffen, dass jemand weitermacht, geht einfach nicht mehr.
Mir scheint es nicht sehr wichtig bei Wiki gelistet zu sein, oder dort einen Bitrag über sich selbst posten zu dürfen. Viele Artikel von Wiki werden in der realen Welt sowieso als unstimmig gewertet. Insofern wenn Wiki lieber glaubt als denkt…..
Einfach mal die Liste unter http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:RK durchgehen und alle Punkte, die zutreffen zusammentragen. Das Problem ist, dass leider viel lieber Polemik benutzt wird (von beiden Seiten).
Übrigens, auf eurer “Gegenseite” werden die Wikipedia und die Wikipedianer immer als Atheisten bezeichnet, weil wir so Artikel wie “Evolution” haben.
ein lohnenswerter link, für alle die einen einblick in den religiösen habitus der deuten wikipedia haben möchten
http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Meinungsbilder/Verwendung_des_genealogischen_Kreuzzeichens