Der geplante Auftritt des Papstes im Bundestag ist als Zeichen weiterer Klerikalisierung der Politik und des politischen Diskurses zu werten. Abgesehen davon, dass der Papstauftritt mit der Neutralitätspflicht des Staates in religiösen Angelegenheiten kollidiert, stellt sich die Frage: Was hat der Vertreter einer autokratischen Wahlmonarchie eigentlich demokratischen Volksvertretern zu erzählen? Wollen die Abgeordneten applaudieren, wenn der Papst einmal mehr verkündet, dass die unverletzlichen Menschenrechte und die Demokratie sich dem katholischen Glauben unterzuordnen hätten? Bis heute hat der Vatikan – neben Weißrussland – die Europäische Menschenrechtskonvention nicht unterschrieben.
Dem Repräsentanten einer Religionsgemeinschaft, die eine beispiellose Blutspur in ihrer fast 2.000 Jahre alten Geschichte hinterlassen hat, die auch heute noch für das Leiden und den Tod von Millionen Menschen, vor allem in Afrika, mitverantwortlich ist durch das Kondomverbot, darf nicht ein Podium der Selbstdarstellung und religiösen Propaganda geboten werden. Ich hoffe, dass der Papstbesuch in Deutschland viele Menschen mobilisiert gegen eine zunehmende Instrumentalisierung und Vereinnahmung der Religion durch die Politik, insbesondere durch SPD und CDU. In den öffentlichen Protesten muss deutlich werden, dass die Trennung von Staat und Kirche eine unverzichtbare Voraussetzung für einen demokratischen und liberalen Verfassungsstaat ist. Religion ist Privatsache. Andernfalls wird sie zur Bedrohung der Demokratie.
Horst Isola, Jurist, ist einer der Sprecher des in Gründung befindlichen Arbeitskreises “Laizisten in der SPD”. Der ehemalige Landesvorsitzende der Bremer Sozialdemokraten stammt aus einem katholischen Elternhaus.















Bärbels Hinweis finde ich hilfreich. Aber nochmals: Ist der Satz “Religion ist Privatsache” nicht missverständlich? Ich will die Last nicht auf den Staat abwälzen. Aber was machen wir, wenn Eltern ihre Kinder geistig missbrauchen und sie mit Lügengeschichten aufwachsen lassen? Zum Beispiel mit der Schöpfungsgeschichte? Warum sollte das Privatsache sein und bleiben? Müssten wir nicht zumindest den Kindern eine Anlaufstelle bieten? Eine Aufklärungsstelle, an die sie sich in ihrer Not wenden könnten?
wenn ein kind dadurch in not gerät wird es die entsprechenden anlaufstellen finden. elterliche erziehung ist nunmal privatsache, auch wenn meinungen an die kinder weitergegeben werden die reaktionär und im widerspruch zum gesunden menschenverstand sind.
Wahrheit ist, dass das Christentum ebenso wie das “Neue Testament” der Christen beider Konfessionen gleich zu Beginn seiner Existenz von der Politik aus Gründen des Machterhalts des weltlichen Regimes missbraucht wurde. Und die bis dato verfolgten Christen waren “heil”froh, nicht mehr verfolgt zu werden.
Weil die damaligen Manipulationen bis zum heutigen Tage von “Rom” verschwiegen, wenn nicht sogar geleugnet werden, ist für mich der Tatbestand der “Volksverhetzung” gegeben.
Vielleicht ist das ja nur ein Auftakt und demnaechst kommen Groessen wie Ahmadinedschad, Kim Jong-il oder sonst wer vorbei und haelt eine Rede… Dann haette der Papstbesuch ja auch einen politischen Sinn
1. Christlicher Glaube eines Einzelnen und das päpstliche Christentum sind zweierlei! Ersteres ist in der Regel privat, missionierungsfrei und friedfertig, letzteres ist ein Macht- und Herrschaftssystem, das alles, sogar einen gut gemeinten Hirtenglauben als Mittel missbraucht, sich Reichtum und weltliche Macht zu anhäufen. So ungern das viele Christen hören beziehungsweise so unwissend sie darüber sind: das päpstliche Christentum ist ein Macht- und Herrschaftssystem und muss von einer Glaubenslehre unterschieden werden. Diese Unterscheidung ist zwingend nötig, will man die widersprüchliche Wirkungsgeschichte der Christenheit einigermassen nachvollziehen. Der einzige Zusammenhang der beiden Elemente besteht nur insofern, als die ersten Päpste, insbesondere Gelasius I. (492 – 496) es verstanden, sich einer Glaubenslehre zum Aufbau eines Macht- und Herrschaftssystems zu bedienen. Glaube und natürlich auch das allgemeinmenschliche Bedürfnis nach Sinn und Orientierung wurden missbraucht und herabgewürdigt als Mittel zum Zweck.
2. Der heutige christliche Glaube beruht auf einer gut gemeinten Hirtenlehre mit (christlich definierter) Nächstenliebe im Mittelpunkt. Anhänger dieses machtstrebensfreien Glaubensursprungs sind säkularisierungsbereit, indem sie die Errungenschaften der Aufklärung und des Humanismus als solche anerkennen und sich ihnen unterordnen können (Rechtsstaatlichkeit, Rationalität, Demokratie, Menschenrechte, etc.)
3. Das heutige Macht- und Herrschaftssystem des päpstlichen Christentums beruht auf jahrhundertelanger Skrupellosigkeit und Gewalt. Allein der Wille zur Macht steuerte deren Anführer und dazu war ihnen jedes Mittel recht: Kriegsführung, Volkshetze gegen Andersdenkende, Inquisition, Hexenverbrennung, Antijudaismus, Pogrome, Frauenunterdrückung, Feudalherrschaft, Sklavenhalterei, Ablassmissbrauch, Urkundenfälschung, Betrug, um nur einige zu nennen. —– “Gewalt ist nie legitim, um die eigene Ideologie durchzusetzen.” Das gilt ausnahmslos auch für das päpstliche Christentum!
4. Höchstrangige Vertreter der römisch-katholischen Kirche haben sich viel zu lange dieser menschenverachtenden Gewaltstrategie bedient. Das ist kulturgeschichtlich die grösste gesamtgesellschaftliche Wertevernichtung die es je gegeben hat. Das päpstliche Christentum hat sich damit selber jeder Glaubwürdigkeit entleert, um irgendjemanden zu irgendetwas, insbesondere zu Menschenwürde, Frieden oder Gerechtigkeit zu ermahnen. Der Kirche kann nur ein Rat gegeben werden: Mindestens ein Jahrhundert lang Rückzug in die Klausur zur bedingungslosen Unterordnung unter die Errungenschaften der Aufklärung und diesmal ohne erbitterten Widerstand.
5. Wenn ich Worte wie „Papst“, „Kirche“ oder „christlich-abendländische Kultur“ höre, muss ich an die Wirkungsgeschichte des päpstlichen Christentums denken und mir kommt das Grauen, wenn man ihn heute noch öffentlich auf Menschen einwirken lässt.
6. Natürlich existieren Werte im christlichen Glauben, die mit den Errungenschaften der Aufklärung und des Humanismus mehr oder weniger vereinbar sind. Im Vergleich zur Wirkungsgeschichte des päpstlichen Christentums verblassen sie aber bis zur Bedeutungslosigkeit und das müsste nicht sein:
7. Die tatsächliche Trennung von der Macht- und Herrschaftsinstitution Kirche und dem Staat ist nötiger als je zuvor. Der Staat würde damit quasi den christlichen Glauben des Einzelnen vor der schädigenden Gleichsetzung mit der Kriminalgeschichte des päpstlichen Christentums geschützt. Immerhin besteht die Chance, dass die päpstliche Machtdemonstration einen höchst negativen Effekt erzielen wird. Dank den vielen „Pro-Menschlichkeit“-Organisationen kann das tatsächlich die Papstreise werden, die als grösste Negativwerbung für das wertevernichtende päpstliche Christentum in die Geschichte eingehen wird.
Aaaaaaaaaah, wie gut das tut, das einmal so klar und deutlich ausgedrückt zu haben. Aufklärung, Humanismus und Meinungsfreiheit sei Dank.