Dr. Horst Groschopp ist Direktor der Humanistischen Akademie Deutschlands. Auf dem 33. Evangelischen Kirchentag, welcher derzeit in Dresden stattfindet, wird er als Vertreter einer Organisation nichtreligiöser Menschen an einer Podiumsdiskussion teilnehmen. Das Thema lautet: „Wie können Christen Konfessionslose verstehen lernen und Sprachfähigkeit im Umgang mit ihnen gewinnen?“ Es ist die einzige Veranstaltung des Kirchentags zu der bekennende Humanisten eingeladen sind. Horst Groschopp sprach im Interview über die Frage, was mit dem Thema der Diskussionsrunde gemeint sein könnte.
Dr. Groschopp, bei der Formulierung des Themas drängt sich zunächst die Frage auf: Sind Sie ein Konfessionsloser?
Horst Groschopp: Mir fehlt nichts. Schon der Titel der Podiumsdiskussion zeigt ja, dass es Verständigungsschwierigkeiten darüber gibt. Wenn die Veranstalter sagen, dass Christen mit Konfessionslosen sprechen lernen wollen, dann wird da zum einen ein längst überholter Konfessionsbegriff angewandt. Zum anderen werden als Konfessionslose historisch diejenigen bezeichnet, die von der Kirche abgefallen sind. Aber zu dieser Gruppe der Konfessionsfreien, wie man heute eigentlich sagt, gehören auch säkulare Muslime, säkulare Juden, Esoteriker und eben auch Atheisten in größerer Zahl.
Wo hapert es denn an der Verständigung und der Sprachfähigkeit? Grundsätzlich sprechen wir schließlich alle deutsch. Was könnte also gemeint sein?
Groschopp: Der verschwurbelte Titel des Themas lautet ja eigentlich: (Glaubens-)Dialog mit Konfessionslosen. Also es geht nicht um einen Dialog mit Konfessionsfreien, sondern einen Glaubensdialog. Und darin liegt die Schwierigkeit des Verständigens. Sicherlich sprechen wir alle deutsch und die meisten Atheisten wie ich haben überhaupt keine Probleme, mit Christen über alles Mögliche zu reden. Das Problem geht los wenn es um den Glauben geht. Denn der ist ja nur begrenzt hinterfragbar. Man glaubt eben. So kann ich mit jedem Christenmenschen und Kirchenfunktionär über ethische Fragen diskutieren oder auch über allgemeine Glaubensdinge. Aber über den konkreten Glauben mit Christen zu reden ist für mich eigentlich sinnlose Mühe. Denn mich kann man nicht mehr missionieren. Dafür bin ich einerseits zu alt und außerdem zu fest in meinem humanistischen Glauben.
Da gibt es also den Aspekt des Verstehens – die Frage, wie die Gläubigen sich vorstellen können, dass man nicht wie sie glaubt. Und es geht um die Sprachfähigkeit. Klingt für mich wie die Frage nach Wegen, wie man naivere Menschen mit rhetorischer Gewandtheit von den eigenen Ideen überzeugen kann.
Groschopp: Zunächst würde ich das mal ganz positiv sehen. Denn erst einmal gibt es da eine Kirche, die in Ostdeutschland seit Ende der 1950er Jahre eine Minderheitenkirche ist. Dann gibt es eine Westkirche, die eine Mehrheitskirche in der Gesellschaft war. Sie haben nun folgendes Problem: Es ist ihnen in den letzten 20 Jahren nicht gelungen, den Anteil der Christen unter den Konfessionsfreien wieder wesentlich zu vergrößern. Da könnte man fragen, woran es lag, dass ihnen das nicht gelungen ist. Zum anderen will man den Kirchenführern mitteilen, dass sie die Konfessionsfreien etwas ernster nehmen müssen. Damit sehe ich ganz konkret den derzeitigen EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider und die Bannerträger unter den ostdeutschen Christen. Sie haben in meinen Augen ein Kulturkampfdenken aus der DDR-Zeit mit übernommen und manchmal habe ich den Eindruck, dass hier nun mal der Spieß umgedreht werden soll. Da finde ich, lohnt sich eine Debatte. Um ihnen verständlich zu machen, was Konfessionsfreie meinen. Aber auch um sie im Dialog auf den Boden der Tatsachen zu holen und zu zeigen, wo hier die Mehrheiten sind. Es gibt hier ja keine größere Organisation, welche die Gläubigen von ihrem Glauben abbringen will. Aber missionieren sollte man auch nicht.
Trifft man auf dem Kirchentag eigentlich eine spezielle Gruppe von Christen oder ist da der breite Durchschnitt von christlich Gläubigen vertreten?
Groschopp: Wer es auf sich nimmt, eine weite Reise anzutreten – so sehr sie auch gesponsert sein mag – gehört doch zu einer besonderen Klientel. Vor allem unter den Jüngeren finden sich wohl tatsächlich in ihrem Glauben feste Menschen. Viele erwarten natürlich auch, ein Event zu erleben. So ein Kirchentag bietet ja unter Umständen eine Menge Spannung sowohl für jüngere als auch ältere Leute. Man trifft sich wieder, neue Bekanntschaften kommen dazu.
Wie würden Sie urteilen: Ist der Kirchentag eine Love-Parade der Christen oder ein heikles Missionsspektakel?
Groschopp: Eine Love-Parade sehe ich nicht, dazu ist die Amtskirche zu trocken. Junge Leute werden sicherlich dies und das in Gang setzen. Es ist sowas, was früher ein Pfingsttreffen war und wo sich die Kirche gegenüber anderen in der Gesellschaft verständlicher macht.
Nun also die Frage: Wie können Atheisten und konfessionsfreie Menschen Christen verstehen lernen und Sprachfähigkeit im Umgang mit ihnen gewinnen?
Groschopp: Es gibt ja verschiedene Arten des Atheismus und auch unterschiedliche Vertreter davon. Für mich ist entscheidend, über was wir mit ihnen ins Gespräch kommen können oder wollen. Wenn es allgemeingesellschaftliche Themen sind oder Wertfragen, wie man etwa Präimplantationsdiagnostik oder Sterbehilfe beurteilt, kann man auch mit unterschiedlichen Überzeugungen durchaus zu einem nützlichen Gespräch kommen. Aber die Mysterien des christlichen Glaubens werden sich mir niemals erschließen. Dafür bin ich einfach zu unmusikalisch.
Herr Dr. Groschopp, vielen Dank für das Interview.














Hä??
“Über den konkreten Glauben zu reden, ist für mich eigentlich sinnlose Mühe”. Ja, das sehe ich als Christ auch so! Nachdem ich mich über 2 Jahre mit Atheisten, Humanisten und Freidenkern auseinandergesetzt habe und keine bzw. nur dumme Antworten erhielt, bin ich sicher: Sprachlosigkeit hat etwas mit Gottlosigkeit zu tun!
“Es gibt hier ja keine größere Organisation, welche die Gläubigen von ihrem Glauben abbringen will” – Hier ist Herr Dr. Groschopp wenigstens ehrlich.
“Die Mysterien des christlichen Glaubens werden sich mir niemals erschließen” – Schade, daß es so ist, Herr Groschopp. Damit sind Sie ganz weit weg vom Heil (d.h. Errettung, Erlösung), die der große Gott Ihnen anbietet!
Wollen Sie einmal Gottes Wort dazu hören? “Das Heil ist fern von den Gottlosen; denn sie achten deine Gebote nicht.”
Psalm 119, 155
Werner Rupp
Herr Rupp,
ihr letzter Absatz ist doch genau das, was einen Atheisten so absolut kalt laesst. Argumentieren Sie doch einmal pro Mystizismus ohne die Praemisse des Heils, Errettung etc.
Hebräer 11,1
Glaube aber ist:
Feststehen in dem, was man erhofft,
Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht.
Daher glaube ICH, dass der Gütige Osterhase, und nur ER, die Welt erschaffen hat, und NICHT Gott der Ohnmächtige!
Hä??
Es ist informativ, von Atheisten Contra zu bekommen.
Da kommt die ganze Hilflosigkeit in ihrer Argumentation zum Vorschein!
(Hebräer 11, 1 ist wenigstens richtig zitiert)
W.R.
Ich zitiere immer richtig! Und daher ist auch der Gütige Osterhase genauso ein mächtiger, wenn auch noch relativ unbekannter Weltenschöpfer wie andere Weltenschöpfer auch, die durch die Geschichte der Menschheit geistern. Und auch das unsichtbare rosafarbene Einhorn ist ein würdiger Vertreter für die Weltenschöpfung, von denen es noch viele gibt.
Nur vom Osterhasen wissen wir sicher, dass er gütig und nicht blutrünstig ist, Ramen.
Und hilflos sind wir gar nicht, sondern sehr innovativ! :)