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“Wir lachen nicht, wenn es ein wirklich Glaubender ist”

Amardeo Sarma berichtet wenige Tage vor Beginn der Konferenz "Fakt und Fiktion" in Wien über die Arbeit der Skeptiker.

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Amardeo Sarma (3.v.l.) mit Mitgliedern des Executive Committee for Skeptical Inquiry.
Bild: Committee for Skeptical Inquiry

Nun sprechen wir schon über Schulen. Wie sieht es denn an den Hochschulen aus? In anderen Ländern gibt es hier Skeptiker-Hochschulgruppen, in Deutschland nicht. Woran liegt es?

Es ist bedauerlich, aber offenbar organisieren sich die Skeptiker hier an den Hochschulen noch nicht. Wir wollen uns aber nicht beklagen, denn wir haben viele engagierte junge Leute, allerdings in Regionalgruppen und nicht in Hochschulgruppen. Schöner wäre es, wenn sich insgesamt mehr Frauen für die Skeptiker interessieren würden, aber dafür haben wir einige sehr engagierte Frauen, die Regionalgruppen leiten. Unser erster Präsident war Frau Professor Oepen und Inge Hüsgen ist unsere derzeitige Skeptiker-Redakteurin.

Grundsätzlich gibt es ja viele rational denkende Menschen. Was hat es nun für Vorteile, ein Skeptiker zu sein?

Sarma: Als Skeptiker hat man den Vorteil, dass man die Realität besser einschätzt und nicht dem eigenen Wunschdenken zum Opfer fällt. Wenn es drauf ankommt, und das gilt auch im persönlichen Leben, werden wir eher in der Lage sein, Entscheidungen zu unseren Gunsten zu treffen. Wenn man die Skepsis richtig anwendet, bewahrt man sich vor vielen Enttäuschungen und kann die reale Welt annehmen, wie sie ist.

Man könnte häufiger den Eindruck haben, das Dasein für Skeptiker ein sehr mühseliges Geschäft ist. Sie sind schon ziemlich lange aktiv, können also ein Urteil abgeben. Und stimmt da der Eindruck oder macht es auch Spaß, Skeptiker zu sein?

Sarma: Beides ist richtig. Manche Dinge sind mühselig. Man arbeitet 30 Jahre an einer Sache und sieht, es hat sich immer noch nicht viel geändert. Andererseits bringt uns unser Engagement etwas für unser Leben. Durch das kritische Denken und die Fähigkeit zum richtigen Hinterfragen lässt sich viel gewinnen. Mitglieder bestätigen, dass sie durch das Engagement auch im wissenschaftlichen Berufsweg gelernt haben, falsche Argumentationen eher aufzuspüren und weniger anfällig dafür zu werden, auf den Holzweg zu gelangen. Wir lernen nicht nur etwas über die behandelten Themen sondern auch darüber, wie Menschen mit diesen Themen umgehen – sowohl im positiven wie auch im negativen Sinn. Das ist eine dauernde Lernerfahrung, die sehr spannend ist. Neben Dauerbrennern wie Alternativmedizin und Astrologie gibt es auch immer wieder Dinge, die geradezu skurril sind. Denken wir hier an Global Scaling, Chemtrails beziehungsweise andere Verschwörungstheorien. Bei alldem sollte man als Skeptiker vor allem den Humor nicht verlieren.

Im Bereich der Religionskritik gibt es immer wieder Dinge, über die man lauthals lachen kann. Ein Beispiel war für mich der aktuelle Papst, welcher Anfang des Jahres öffentlich noch einmal seine Überzeugung bekräftigt hatte, den Urheber des gesamten Universums zu vertreten. Wo lachen denn Skeptiker?

Sarma: Naja, es existieren viele absurde Phänomene und Humor kann befreiend wirken. Aber schauen Sie mal auf Gläubige wie Wünschelrutengänger. Da sind viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl nötig, wenn wir ihre Methode testen und wieder einmal erklären müssen, dass der Versuch die Prüfung wieder nicht bestanden hat. Wir lachen nicht, wenn unser Gegenüber ein wirklich Glaubender ist. Das kommt eher bei Leuten vor, die es eigentlich besser wissen müssten – wie akademische Vertreter der Homöopathie.

Also da ist auch Mitleid für die Menschen, die es voll echter Überzeugung praktizieren?

Sarma: Eher Mitgefühl. Wir sind auch traurig, dass sie es nicht besser wissen. Allerdings ist dabei die Aussicht, eine Meinungsänderung herbeiführen zu können, vielfach extrem gering. Die meisten der praktizierenden Wünschelrutengänger glauben so stark, dass sie mit diesem Glauben vermutlich ins Grab gehen werden. Wir konzentrieren uns aber weder auf diese Gläubigen noch auf die schon weitestgehend rational denkenden Menschen. Am stärksten bemühen wir uns um diejenigen, welche noch auf ihrer Suche nach Antworten sind. Wenn wir denen kritische Informationen zur Verfügung stellen können, die sie mit den Informationen der anderen Seite vergleichen können, dann haben wir eine ganze Menge erreicht. Außerdem kann niemand mehr sagen, man habe es nicht anders gewusst. Ich sehe hier einen Unterschied zu der Zeit vor der GWUP und der Skeptiker-Bewegung. Heute sind die kritischen Informationen da, wir bieten sie an. Wenn einer unbedingt dran glauben möchte, der soll es tun. Aber er kann sich nicht mehr der Ausrede bedienen, er hätte es nicht besser wissen können.

Woran erkennt man einen Skeptiker eigentlich?

Sarma: (lacht) Ein Skeptiker ist jemand, der nachfragt, wenn etwas behauptet wird und sich auch durchaus überzeugen lässt – wenn die Fakten stimmen. Falls nicht, wird er seinen Zweifel aufrecht erhalten. Das ist ein Teil dessen, was einen Skeptiker ausmacht. Was ein Wissenschaftler in der Wissenschaft macht oder machen sollte, machen Skeptiker auf breiterem Feld. Kritisches Prüfen und Erforschen nicht nur spezieller Sachverhalte, sondern auch von alltäglichen Behauptungen.

Wann haben Sie zuletzt gemerkt, so richtig daneben zu liegen? Also nicht nur einen Allerweltspatzer im Irrtum zu finden, sondern einem intellektuell schon fast schmerzhaften Aberglauben aufgesessen zu sein und festgestellt, selbst nicht skeptisch gedacht zu haben?

Sarma: So ein Ereignis war eine der Ursachen, warum ich mit zu den Skeptikern gekommen bin und die GWUP mit gegründet habe. In meiner Jugend habe ich sehr gern Bücher von Autoren wie Erich von Däniken oder Charles Berlitz verschlungen, man denke an „Das Bermuda Dreieck – Fenster zum Kosmos“. Ich habe mich sehr stark für alles Wissenschaftliche, vor allem für Astronomie und Evolution, interessiert.

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