
Reinelt nutzte die Karfreitagspredigt, um PID-Befürwortern den Einsatz für eine "Kultur des Todes" zu unterstellen. Foto: R. Melzig-Thiel / wikimedia / CC-BY-SA
Bischöfe beider Kirchen nutzten den gestrigen Tag, um in ihren Reden die Gläubigen gegen unbequeme Potentiale der Medizin in Stellung zu bringen. Befürworter einer begrenzten Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) wurden dabei erneut zum Ziel einer drastischen Diffamierung.
„PID dient der Kultur des Todes“, urteilte der katholische Bischof Reinelt vom Bistum Dresden-Meißen in seiner Predigt anlässlich des Karfreitags über die ethischen Prinzipien und Anliegen von Andersdenkenden. Auch andere Theologen versuchten, den Menschen vor einer Zulassung der PID Angst zu machen.
„Ostern ist ein Fest des Lebens, PID dient der Kultur des Todes“, meinte Joachim Reinelt als Bischof des Bistums Dresden-Meißen in seinem Vortrag. Hintergrund der Predigt war das jährliche Gedenken an den vermuteten Tod des Jesus Christus an einem Holzkreuz vor rund 2000 Jahren. Das Gedenken gehört in dieser Religion zu den Pflichten der Gläubigen.
Der Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, warnte die in seiner Kirche verbliebenen Zuhörer am Karfreitag vor einer „Ideologie des gelingenden Lebens“, berichteten Kirchenmedien. Marx hatte sich zuletzt vor rund einem Monat über die Befürwortung der umstrittenen PID geäußert und die Ziele der Befürworter ebenfalls in drastischer Weise beurteilt. Die PID ist Teil einer Zivilisation des Todes, predigte er seinen Gläubigen damals.
Auch gestern zeigte sich der innerkirchlich einflussreiche Bischof überzeugt, dass weiterhin nur seinem Gott die Entscheidung über den Nachwuchs von Eltern in Deutschland zusteht. All jene Paare, welche auf eine künstliche Befruchtung angewiesen sind, hätten kein Recht, sich im Rahmen der Einsetzung von befruchteten Eizellen gegen die Exemplare mit dem höchsten Risiko schwerwiegender Krankheiten zu entscheiden, machte Marx deutlich. Der Bischof forderte, dass die mit Hilfe der PID zu vermeidenden Krankheiten als Wirklichkeit anerkannt werden müssen.
Der evangelische Landesbischof in Bayern, Johannes Friedrich, reihte sich mit seiner Predigt ebenfalls in die Stellungnahmen gegen die PID ein. Die Gesellschaft dürfe sich nicht an der Wirklichkeit des Leidens „vorbeimogeln“, meinte der Theologe. Friedrich ist offenbar sicher, dass sein Gott auch das Leiden der schwerkranken Menschen will, das sich mit Hilfe moderner Medizin vermeiden ließe. Er plädierte deshalb ebenfalls für das totale Verbot der PID.
Ein neues Gesetz zur Regelung der PID in Deutschland wird zum Sommer erwartet. In den meisten Ländern weltweit ist sie erlaubt. Die deutschen Bundestagsabgeordneten sind bisher in dieser Frage ebenso gespalten wie der Deutsche Ethikrat. Vor allem seitens der christlichen Kirchen und ihrer Vertreter gibt es starke Widerstände, da die der PID zugrundeliegenden wissenschaftlichen Fakten für die christlichen Theologien und Kirchenregeln zu weiteren Widersprüchen und Folgeproblemen führen können.
Die säkulare Giordano Bruno Stiftung forderte wegen der gespaltenen Stellungnahme des Ethikrats vor kurzem dessen Neubesetzung, da dort zahlreiche Vertreter „ihre subjektiven Glaubensüberzeugungen zum Maßstab staatlicher Gesetzgebung“ machen. Das sei „mit den Grundanforderungen an eine rationale Ethik und Politik nicht zu vereinbaren“, stellte der Stiftungssprecher und Philosoph Michael Schmidt-Salomon fest.
Die Stiftung, der zahlreiche Wissenschaftler, Künstler und Philosophen angehören, tritt ebenso wie weitere säkulare und humanistische Organisationen für eine begrenzte Zulassung der PID ein. Sie stellte mit Blick auf die Neuregelung gegenüber den Verbotsforderungen zur PID wiederholt heraus, “dass Behinderte und Kranke unsere volle Unterstützung verdienen, Behinderung und Krankheit jedoch nicht.”















‘Die Gesellschaft dürfe sich nicht an der Wirklichkeit des Leidens „vorbeimogeln“, meinte der Theologe.’
So wie man auch die Entdeckung des Feuers und andere Errungenschaften von Wissenschaft und Technik sein lassen sollte, um es sich nicht zu bequem zu machen?
Da werden wir zur Osterzeit nicht nur in den Medien vermehrt mit dem sterbenden Jesus und seiner mit dem wohlklingenden Wort Passion” bezeichneten bluttriefenden Folterung konfrontiert, und dann bedienen sich eben die Leute, die professionell dafür verantwortlich zeichnen, dieses Bildes, um Befürworter der PID zu diffamieren. Was zunächst paradox erscheint, wird augenfällig, wenn man bedenkt, dass sie sich ständig mit dem möglichst grausamen Tod beschäftigen und so auch bevorzugt in den ihnen bekanntesten Worten und Bildern ihre Kritiker angehen.
Wer eine technische Möglichkeit, die Lebensbedingungen des Menschen zu verbessern, ablehnt, handelt ebenso unmoralisch wie jemand, der sie mutwillig verschlechtert.
Wer einem ins Wasser gefallenen Nichtschwimmer ohne zwingenden Grund die rettende Hand verweigert, ist ebenso schuldig wie einer, der ihn absichtlich ins Wasser stößt.
Die Haltung der Kirche und insbesondere dieses Bischof zur PID ist moralisch abscheulich und für eine Organisation, die sich als eine moralische Autorität verkaufen möchte, desaströs.
Diese Kirchenfürsten leben in dem Wahn zu glauben, sie könnten anderen Menschen ihre Meinung aufzwingen.
Die Kirchen, allen voran die RKK, wollen das Leiden um jeden Preis! Solange Menschen leiden haben sie Zulauf!
Die Römisch-katholische Kirche ist eine der Erfinderinnen des Sado-Masochimus: Leiden der Massen, Selbst-Geißelungen der Jesuiten und sogar das Papstes Johannes Paul II. – und das wollüstige Geraune von Bendikt XVI. über die nötige pastorale Zuwendung für die Mißbrauchsopfer – als ob sie davon nicht schon genug gehabt hätten.
Die Infamie der katholische Kirche ist grenzenlos!
Was will man auch von einer Predigt an einem Tag, der einen Folter-/Hinrichtungsakt fröhnt anderes erwarten, als die Verherrlichung menschlichen Leides?
Welche Wohltat dagegen die Bilder der Anti-Tanzverbot-Demonstranten. Also ein guter Grund für Hoffnung, dass sich immer weniger Leute derart verblöden lassen und sich dieser staatlich (!) verordneten Zwangstrauer widersetzen.