Nikolaus Schneider, rheinischer Präses und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, hat sich von Berichten distanziert, laut denen er den Auftritt des katholischen Kirchenführers Benedikt XVI. im Bundestag kritisiert hat.
Schneider erklärte im Interview mit dem Deutschlandradio Kultur, dass er lediglich die Unterschiede im Kirchenverständnis kommentieren wollte.
Für den Besuch von Benedikt XVI. im September 2011 war ein Auftritt des Papstes vor dem Parlament arrangiert worden, damit er dort eine Rede hält.
Säkulare Organisationen hatten diese Entscheidung nachdrücklich verurteilt, da der Auftritt des Kirchenoberhaupts einen Bruch mit säkularen Grundsätzen darstellt. Zudem verkörpert Benedikt XVI. eine der letzten absoluten Monarchien Europas mit dem Anspruch einer übernatürlichen Legitimation und die Politik des Vatikans wird von zunehmend mehr Menschen kritisiert. Beim Internationalen Strafgerichtshof ist seit Februar eine Anzeige gegen Benedikt XVI. wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit anhängig, die zwei deutsche Juristen und Anwälte von Missbrauchsopfern eingereicht haben.
Laut einem Bericht von „Welt Online“ hatte Nikolaus Schneider den Auftritt des Papstes im Bundestag „scharf kritisiert“. Die Meldung wurde später auch von katholischen Medien wiedergegeben, während der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche umgehend relativierte. Gegenüber den Deutschlandradio Kultur hat Nikolaus Schneider seine Stellungnahme nun nochmals eindeutig klargestellt.
„Meine Rede war: Wenn der Papst im Bundestag redet, dann ist das nicht mein Bier, das zu kommentieren, denn er ist auch ein Staatsoberhaupt. Und dass er als Staatsoberhaupt im Parlament redet, ist für mich völlig in Ordnung. Dann habe ich hinzugefügt: Hieran zeigt sich auch, dass wir ein doch deutlich unterschiedliches Kirchenverständnis haben. Denn wir Evangelischen sagen: Die Kirche hat keine staatliche Art und sie soll auch keine staatliche Art haben“, erklärte er.
Dass Schneider die Papstrede im Bundestag kritisiert habe, sei „dummes Zeug“. Aus Sicht der Evangelischen Kirche gibt es mit dem Auftritt von Benedikt XVI. vor dem Parlament im September also keine Probleme: „Natürlich soll er dort reden, er ist ja auch ein Staatsoberhaupt“, so Schneider gegenüber dem Deutschlandradio Kultur.

















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