
Bizarr? Derb? Polemisch? Auch bei Protestanten stoßen die Aktionen von Atheisten auf erhebliches Unverständnis. Bild: Screenshot / evangelisch.de
“Bizarre Ideen, derbe Polemik” – So beurteilte der evangelische Theologe Dr. Andreas Fincke kürzlich religionskritische Initiativen zum Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden 2011. Fincke bezog beim Kirchenportal evangelisch.de klar Stellung zu den angekündigten Aktionen.
Daraufhin erhob sich entschiedener Widerspruch in humanistischen Medien. Im Interview konkretisierte der jetzt in Brandenburg engagierte Pfarrer seine kritische Perspektive. Fincke erklärt, was er von einem Evolutionstag im Feiertagsgesetz hält und warum seine Kirche eigentlich gar nicht so schlecht dasteht.
Herr Dr. Fincke, Sie veröffentlichten vor einigen Wochen eine harsche Kritik an den geplanten Veranstaltungen der Atheisten und Säkularen während des evangelischen Kirchentags in Dresden. Sie nannten die Idee, den Feiertag Christi Himmelfahrt im Feiertagsgesetz in einen Evolutionstag umzuwidmen, bizarr. Warum ist das eine bizarre Idee?
Dr. Andreas Finke: Ich habe so bezeichnet, weil es auf zwei Ebenen bizarr ist. Die eine Ebene ist: Wenn die kirchenkritischen, freidenkerischen Organisationen der Meinung sind, dass dieser Feiertag nicht gebraucht wird, dann sollen sie sich doch für die Abschaffung als arbeitsfreier Tag einsetzen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass ihnen das viel Öffentlichkeit verschaffen würde. Es würde ein Aufschrei durchs Land gehen und sie würden staunen, welchen Gegenwind sie bekommen würden. Die andere Ebene ist, dass man solche Tage nicht einfach umwidmen kann. In gewisser Weise ist Christi Himmelfahrt zwar längst zum Vatertag umgewidmet. Aber man kann das nicht verordnen. Aus Sicht eines Pfarrers gibt es das Problem, dass viele Menschen mit Christi Himmelfahrt als Feiertag nichts mehr anfangen können und sie ihn längst zu einem Tag für den Besuch im Biergarten umgewidmet haben. Nicht wenige fromme Menschen sind darüber aber auch bestürzt und denken deshalb: Es wäre fast besser, wenn das kein arbeitsfreier Tag ist. Aber nun ist es eben so und deshalb zu sagen, „lasst uns dem Tag einen neuen Hut aufsetzen“ ist in meinen Augen eine bizarre Idee.
Warum kann man den Feiertag nicht einfach umwidmen? Die heutigen Feiertage sind durch gewöhnliche Parlamentsbeschlüsse in den Landesgesetzen verankert. Sie haben zwar einen speziellen kulturellen Hintergrund, aber im Zuge der Säkularisation haben viele Menschen den Bezug zu dieser christlich-religiösen Deutung verloren. Gleichzeitig haben Feiertage aber auch spezifische Funktionen, etwa die Gewährleistung von Ruhe und die Gelegenheit zur gesellschaftlichen oder individuellen Sinnstiftung. Wenn die Menschen sich nun praktisch längst von der ursprünglichen Bedeutung verabschiedet haben – warum sollte man sich daran nicht anpassen und sich für Feiertage entscheiden, die für mehr Menschen Sinn stiften?

Dr. Andreas Fincke.
Fincke: Nun, ich versuche schon, die Anliegen der humanistischen oder kirchenkritischen Organisationen zu verstehen und finde, man muss sie ernst nehmen und ihnen mehr Bedeutung zumessen. Vermutlich ist Ihnen aufgefallen, dass ich fast der einzige evangelische Theologe bin, der sich detaillierter mit den Veröffentlichungen und den Ansinnen der Kirchenkritiker beschäftigt. Bei der Frage nach dem Wort bizarr sind wir nun relativ schnell in den Streit geraten, glaube ich. Aber ich sehe natürlich auch, welche starken Entchristlichungsprozesse wir in Deutschland erleben. Und da müssen wir uns als Kirche auch viel mehr mit der Frage beschäftigen: Was glauben die Menschen, die in so großem Umfang den Kontakt zu den Kirchen verlieren? Das drückt sich zum einen in den Austrittsbewegungen aus und da sind die atheistischen und humanistischen Plattformen schon interessante Gesprächspartner. Bei der Frage nach den Feiertagen verstehe ich natürlich ein Stück weit, was Sie meinen. Und wenn man überhaupt über eine Veränderung der Feiertagskultur nachdenken würde, dann wäre doch die Frage nach einem islamischen Feiertag am naheliegendsten. In Berlin spielen das Zuckerfest oder das Fastenbrechen einfach eine große Rolle. Diese Frage ist bei drei oder vier Millionen Muslimen in Deutschland eher zu stellen als bei einer relativ kleinen Minderheit von humanistischen und atheistischen Gruppen.














Die entscheidende Frage ist doch, ob sich ein Gott in menschlicher Gestalt vor knapp zweitausend Jahren den Juden offenbart hat. Mein Eindruck ist, dass man sich inzwischen in der Theologie weitgehend darüber einig ist, dass die Gottessohnschaft Jesu eine Erfindung von Paulus und den Evangelisten ist. Heinz-Werner Kubitza hat die entsprechenden Forschungsergebnisse kürzlich in seinem Buch „Der Jesuswahn“ zusammengestellt. Der christliche Endverbraucher wird aber immer noch in dem Glauben gehalten, Jesus sei der Sohn Gottes bzw. Gott selbst gewesen, am dritten Tage auferstanden und bald danach zum Himmel aufgefahren. Warum interviewt wissenrockt Herrn Dr. Fincke, der so an kirchenkritischen Äußerungen interessiert ist, nicht mal zu diesem Buch? Das fände ich wesentlich interessanter als das Problem der „Gefühlsverletzung“ durch Kirchenkritik in zugespitzter Form.
„Nicht alle Menschen die sich abwenden, sind auch einfach konfessionslos oder atheistisch. Ich bin seit einigen Wochen Pfarrer auf einigen Dörfern in Brandenburg und erlebe immer wieder, dass aus der Kirche ausgetretene Menschen bei mir am Tisch sitzen und die Kinder taufen lassen wollen.“
„Mir erklären sie, dass sie nur deshalb aus der Kirche ausgetreten sind, weil es ihnen zu teuer war.“
Diese Eltern haben erkannt, daß sie den Klerus bezahlen müssen, die Religionszugehörigkeit für die Zukunft der Kinder aber wichtig ist. Die religiöse Gruppe spielt in der Planung unserer Regierung wieder eine wesentliche Rolle. Die Kirche vergibt Jobs an Arbeitnehmer und Handwerksbetriebe, installiert Kindergärten, Schulen und Universitäten und Krankenhäuser, investiert in Versicherungen und sitzt in Medienkonzernen und Räten. Sich darauf einzustellen ist von Vorteil! Die Menschen verhalten sich Elterlich. Wer verbaut den Kindern denn gerne die Zukunft und Sie Herr Doktor Fincke sind der Schaffner, der diese Fahrkarte oder den Taufschein austeilt.
„Die evangelische Kirche ist natürlich in einer schwierigen Lage.“
Die Kirchen haben den Staat komplett im Schwitzkasten. Sie saugen seine finanziellen Mittel bei Bedarf in beliebiger Höhe. Sie bilden ihren Nachwuchs auf Kosten der Allgemeinheit aus. Auch die ein oder andere Frauenkirche oder kirchliche Einrichtung ist in den letzten Jahren saniert oder neu gebaut worden bis zum letzten goldenen Kronleuchter.
„…Auch weil sie durch die starken Entchristlichungsprozesse in ein Boot gedrängt werden.“
Jetzt muss ich doch persönlich werden: Ich habe mich vom Glauben befreit als mir klar wurde, daß die für mich entscheidende Grenze nicht zwischen der christlichen und der islamischen Religion verläuft wie viele behaupten sondern zwischen denen, die die Welt selbst gestalten und denen die die Welt selbst gestalten und einen Gott dafür verantwortlich machen.
Weil die Religiösen sich Privilegien zuschanzen und daraus ein Boot bauen und sich verstärkt gegen die Interessen des Einzelnen im demokratischen Staat richten, werde ich die evangelische Kirche verlassen.
Und zwar sobald meine Tochter , die gerade in der Rüste ist, konfirmiert wird und zwar weil da alle Freundinnen sind und ich meinen alten Vater nicht enttäuschen will der auf diese Familienfeier besteht. Aber dann mach ich Schluss mit euren Zwängen. Endlich!
Umfangreiches, offenes und übersichtliches Interview. Interessant zu erfahren, dass den ostdeutschen Ländern mehr Aufmerksamkeit bevorsteht.
Säuglingstaufen einstellen!
Es hat sich in den letzten Jahrzehnten viel zum Positiven geändert. Den großen christlichen Kirchen weht jetzt der Wind ins Gesicht.
Die großen Religionen verdanken ihren Erfolg massiver Manipulation. Sie neigen dazu die gesamte Gesellschaft zu vereinnahmen, dies gelingt um so leichter, je früher die Priester die Menschen indoktrinieren können.
Viele Menschen werden gegen ihr Selbstbestimmungsrecht bei Säuglingstaufen christlich gemacht, eine Unverschämtheit.
Bei uns in Regensburg haben 2010 über 1000 Menschen die großen christlichen Kirchen verlassen. Das passiert, wenn man Menschen ungefragt als Babys tauft.
Meine dringlichsten Forderungen:
- Säuglingstaufen einstellen
- Kreuze aus Klassenzimmern entfernen
Priester sind alles andere als harmlos, sie leben von der Gesellschaft und manipulieren meiner Ansicht nach dazu die Menschen von klein auf. Man denke nur an den christlichen Teufel, wie skrupellos muss man als Priester sein um mit so etwas Menschen Angst zu machen.
Es ist doch unbestritten, das sich jeder Gläubige, egal ob evangelisch oder katholisch sich seinen Glauben so zurecht biegt, wie er ihm am besten in seinen eigenen Kram passt.
Es sind nicht alles “Gläubige” die in die Kirche gehen.
Sehen und Gesehen werden, wer macht die beste theatralischste Vorführung, wer “mimt” einen Christen, um sich bessere Aussichten im Beruf erkaufen zu können? Sie tun so, als ob sie “glauben” und wissen schon längst, es gibt keinen Gott! Bitte aufhören mit dem “christlichen Geschwafel” Tod ist tot.