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Humanisten diskutieren über ihre Symbole

Was für Symbole brauchen Humanisten weltweit, um ihre gemeinsamen Standpunkte sichtbar zu machen? Foto: stuartpilbrow / Flickr / CC-BY-SA

„Es wurde unterlassen, eine Symbolik zu pflegen, die einen, sei es auch nur groben, humanistischen Wertekonsens widerspiegelt.“ Das meint der Vorsitzende des HVD-Landesverbandes in Hessen, Carsten Werner.

Während in Deutschland und auf europäischer Ebene um das Recht der Kirchen gestritten wird, das Kruzifix vor Heranwachsenden in Klassenzimmern aufzuhängen, stellt Werner die Frage nach der besten Symbolik für humanistische Organisationen. Er ist überzeugt, dass sich in der fehlenden Pflege von entsprechenden Kennzeichen auch eine Ursache für die mangelnde Wahrnehmung von Humanisten in Deutschland findet.

Die kontinuierlichen Bestrebungen religiöser Organisationen des Christentums, ihr Kruzifix  im Angesicht einer immer säkulareren Gesellschaft als ein Symbol von allgemein freiheitlichen Ideen und kulturell übergreifenden Wertvorstellungen umzudeuten, sind zunehmend erfolgreich. Carsten Werner zieht so aus der letzten Kruzifix-Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte seine Bilanz: „Das Urteil zeigt, das diese Strategie zumindest zum Teil aufgegangen ist und beim Gericht Eindruck gemacht hat.“

Natürlich gebührt dem Gericht für seine Entscheidung Kritik, so Carsten Werner. Die Humanisten in Deutschland müssten sich „ehrlicherweise eingestehen, dass wir selbst an dieser Situation nicht ganz unschuldig sind“, meint er weiter. Wichtig sei daher nicht nur, gegen aus säkularer Sicht unzulässige Platzierungen religiöser Kennzeichen etwa in Schulen einzutreten. Notwendig wäre ebenfalls, darüber hinaus die eigene Symbolik zu entwickeln. Bisher sieht er hier einen „humanistischen Gemischtwarenladen“.

BHA-Direktor Andrew Copson vor einem Happy Human. Foto: British Humanist Association

Werner schlägt eine Alternative vor und plädiert für den zusätzlichen Einsatz des „Happy Human“-Symbols, wie es von der IHEU verwendet wird. Humanistische Organisationen könnten es ihren jeweiligen Kennzeichen hinzufügen. „Es symbolisiert dann so eine sichtbare gemeinsame Wertebasis, ohne die bestehenden Unterschiede in Details, Schwerpunkten oder Vorgehensweisen einzuebnen oder die Eigenständigkeit in Frage zu stellen“, zeigt sich Werner überzeugt.

Bei Vertretern säkularer Organisationen in Deutschland stieß sein Vorschlag auf Skepsis, folgt man einem Bericht im Onlinemagazin diesseits. Michael Schmidt-Salomon, Vorstandssprecher der Giordano Bruno Stiftung, beurteilte so ein Symbol als prinzipiell „hilfreich“, sprach sich aber nicht konkret für das von Werner vorgeschlagene Symbol aus. Die Freidenker in Berlin halten das Logo des KORSO für ausreichend.

Die Entstehungsgeschichte des bekannten Happy Human reicht knapp fünf Jahrzehnte zurück, die letzte Überholung des heutigen Designs erfolgte vor sechs Jahren. Andere Symbole von organisierten Freidenkern, Atheisten und Agnostikern waren in früheren Dekaden Feuerschalen oder Fackeln des Lichts. Der Humanistische Verband Deutschland führte sein aktuelles Logo erst vor wenigen Jahren ein.

Beim Blick über den nationalen Tellerrand wird der Sonderweg unter den deutschen Humanisten jedenfalls schnell deutlich. Nicht nur die Norwegian Humanist Association, heute mitgliederstärkste Organisation dieser Art weltweit, setzt auf das „Happy Human“-Symbol. Auch die organisierten Humanisten in Großbritannien, den USA oder Kanada haben ihre Logos am IHEU-Vorbild orientiert. Nicht anders sieht es bei den entsprechenden Organisationen in den Niederlanden, Schweden oder Finnland aus und auch ihre Pendants in Island, Irland, Argentinien, Uganda, Neuseeland, Nepal oder Indien wollten das Rad nicht neu erfinden.

Mit Blick auf die Mitgliedsorganisationen der IHEU zeigt sich, dass unter den Humanisten der Konsens über das gemeinsame Kennzeichen jedenfalls international geklärt zu sein scheint. Unterschiede ergeben sich vor allem in der Symbolik von Vereinigungen, die eben auch nicht konkret auf den Begriff „humanistisch“ abstellen. So etwa Verbände von Freidenkern, Atheisten, Rationalisten und anderen nicht-religiösen Menschen. Die ganz überwiegende Mehrheit der ausdrücklich humanistischen Organisationen teilt hingegen bereits das Logo, meist mit leichter Variation.

Aber auch der vor kurzem gegründete Humanistenverband in Luxemburg verzichtete auf den Happy Human. Zu den Ursachen erklärt der Vorsitzende Laurent Schley, dass man mit entsprechenden Entwürfen nicht zufrieden war. Bei AHA Lëtzebuerg hat man sich statt den oft anzutreffenden Logos mit blaugrüner Gestaltung eher wärmere und freundliche Farben gewünscht. Die Vorschläge mit Happy Human fanden keine Mehrheit, berichtet Schley.

Prinzipiell kann er die Gedanken von Carsten Werner aber gut nachvollziehen, fügt er hinzu. Trotzdem werde es in Luxemburg während der nächsten Zeit zu keiner Veränderung kommen. Laurent Schley verweist aber auf das laufende Verfahren zur Aufnahme in die IHEU und die European Humanist Federation. Sofern diese abgeschlossen sei, beurteilt er entsprechende Kennzeichnungen in den Medien der Luxemburger Humanisten für sinnvoll um die gemeinsame Basis deutlich zu machen.

Ob die organisierten Humanisten in Deutschland für dieses Thema derzeit wirklich ein Ohr offen haben, ist unklar. „Der glückliche Mann, der die Hände hebt, als wolle er sich ergeben, war hierzulande nicht sehr erfolgreich“, stellte Horst Groschopp, Leiter der Humanistischen Akademie, zum Ansinnen fest. Taugt es also nicht als humanistische Alternative zum toten Mann am Holzkreuz?

Fakt ist jedenfalls, dass sich die am besten angepasste Idee schließlich durchsetzen wird. Ob es einen logischen Zwang zu einer gemeinsamen Symbolik in der gemeinsamen Arbeit gibt – auch um gegenüber den allgegenwärtigen Kruzifixen und Kreuzen ein Gegengewicht in der Öffentlichkeit zu setzen, könnte ein strittiges Thema werden.

Dass es beim Happy Human bleibt oder ob auch international erfolgreiche Alternativvorschläge vorgelegt werden, wird sich noch zeigen. „Ein Alleingang nur einer Organisation wird nichts bringen“, stellt schließlich Carsten Werner fest.

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Diskussion - Bisher 6 Kommentare - Kommentar schreiben
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    Ich denke schon, daß wir ein solches Symbol brauchen. Ich ärgere mich jedesmal, wenn vor mir ein Auto fährt mit dem Fisch drauf. Und stelle immer wieder fest, daß säkulare Positionen Erstaunen und Verwirrung hervorrufen:”Was, so was gibt´s auch?”.
    Es braucht dringend die Präsenz von Säkularität und Humanismus in der Öffentlichkeit. Schon allein um die gefühlte Hoheit der Verblendeten zu brechen.

    Ich denke seit längerem über eine Lösung nach und habe den Darwin-Fisch und das “Scarlett A” (http://outcampaign.org/)in die engere Wahl gezogen. Folie für Autoaufkleber ist bestellt und wird dieser Tage umgesetzt.
    Es ist natürlich klar, daß eine Einzelaktion relativ wirkungslos bleibt, weil kein Mensch erkennen wird, wofür das steht.
    Umso wichtiger ist es, ein gemeinschaftliches Symbol zu haben, daß eine eindeutige Außenwirkung und Erkennbarkeit hat.

 
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