
Kernkraft für den Iran - Sofortausstieg aus der Kernenergie hier: Die Deutschen sind schon ein edelmütiges Volk. Foto: Daniella Zalcman / wikimedia / CC-BY-SA
Nach Hiroshima und Nagasaki droht Japan erneut eine nukleare Katastrophe. Schuld ist die Atom-Lobby. Wir sollten Mutter Natur danken, dass sie uns Erdbeben und Tsunamis geschickt hat. Sie haben die naive Technologiegläubigkeit des Westens aufgezeigt und leiten endlich das Ende des Atomzeitalters ein. So sieht das jedenfalls die linke Reaktion auf die Katastrophe in Japan. Ein Kommentar.
Zehntausende Japaner sind tot, eine halbe Million ist obdachlos. Mutter Natur hat sich gerächt und die Japaner sind verantwortlich für das, was noch kommen wird, weil sie den Lügen der Atom-Lobby geglaubt haben. Die Ereignisse in Japan haben auch Auswirkungen auf Deutschland. „Was dort schief lief, kann auch in Deutschland schief gehen“, sagte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin und forderte die Abschaltung älterer deutscher Atomkraftwerke.
“Linke”-Parteichef Klaus Ernst will die Atomenergie zur Energiegewinnung vollständig verbieten lassen: „Es muss ein für allemal gesetzlich festgelegt werden, dass die Nutzung der Kernkraft zur Stromgewinnung und der Export von Atomanlagen verboten ist“, sagte er dem „Hamburger Abendblatt“. „Atomkraftwerke sind tickende Zeitbomben.“
„Man hat das unangenehme Gefühl zu denken: ,Ich habe ja immer gesagt, Atomkraft ist nicht beherrschbar und habe recht’ “, sagte Greenpeace-Mitglied Alexander Schmitt. „Ein Super-GAU ist auch in Deutschland keine rein theoretische Rechengröße“, warnte derweil SPD-Chef Sigmar Gabriel.
In Baden-Würtemberg bildete sich eine 45 Kilometer lange Menschenkette mit 60 000 Atomkraftgegnern, die Händchen hielten, Fahnen schwenkten und die Kinder mit Luftballons spielen ließen. „Wir sind alle bedrückt, es ist ein Tag der Trauer, das fast Allerschlimmste ist schon eingetreten“, bekundete die Co-Vorsitzende der Grünen und Demonstrationsteilnehmerin Claudia Roth.
Larry Summers, der ehemalige Direktor des nationalen Ökonomierats von US-Präsident Barack Obama, sieht die Sache positiv. Er spekuliert auf Grundlage der keynesianischen Wirtschaftstheorie, die Katastrophen in Japan könnten das Bruttoinlandsprodukt des Landes „ironischerweise“ ansteigen lassen.
Auch Ilka Pietsch, Vorsitzende des Dahmer Arbeitskreises „Kinder von Tschernobyl“, kann der Katastrophe etwas abgewinnen: „Es mag schrecklich klingen, aber es war höchste Zeit, dass so etwas passiert.“ Warum? Ganz einfach: „Jetzt werden wir alle mit Gewalt an die erneuerbaren Energien herangeführt.“
Rote und grüne Sozialisten haben die Katastrophe in Japan sofort für ihre eigenen Zwecke politisch ausgeschlachtet. Die Reaktion von SPD, Grünen und Umweltschutzgruppierungen überrascht aber niemanden, der sich mit ihrem ideologischen Hintergrund befasst hat.
Die utopischen Ideologien von Marxisten jeder Farbe und Variation haben immer schon die Vernichtung des Bestehenden als die notwendige Bedingung für die Errichtung des Paradieses auf Erden angesehen.
Die aktuell populärste Variante, der fortschrittsfeindliche Öko-Marxismus, strebt Windmühlen, Wasserkraftwerke, Solarzellen und andere Energiequellen an, die auf romantische Landschaftsgemälde passen, sie mögen unrentabel sein, Wohlstand und Entwicklung gefährden, wie sie wollen. Die Arbeitsplätze der besserverdienenden Grünenwähler bleiben schließlich erhalten.
Die Deutschen werden Japan den Tsunami nie verzeihen
Im betroffenen Japan gibt es überhaupt keine Anti-Atomkraftbewegung. Die Menschen haben auf die Katastrophe reagiert, wie eine aufgeklärte Bevölkerung darauf reagieren würde. Ruhig und geordnet war man bemüht, die Auswirkungen von Tsunami und Erdbeben in den Griff zu bekommen.
Keine Endzeitapostel schwenkten ihre Schilder auf den Straßen, keine Priester brandmarkten die Katastrophe als Strafe Gottes für Homosexualität, keine technologiefeindlichen Fortschrittsgegner machten die moderne Technik für eine Naturkatastrophe verantwortlich.
Probleme kamen nur aus den Reihen der deutschen Gäste, die kein Japanisch verstanden und sich über die deutschen Medien informieren mussten. Sie prügelten sich an den japanischen Flughäfen, um an Tickets zurück in die Heimat zu gelangen.
Echte Katastrophenstimmung herrschte schließlich nicht in dem Land, wo die Katastrophe stattfand, wo Abertausende starben und viele mehr ihre Heimat und ihre mühsam aufgebaute Existenz verloren. Katastrophenstimmung herrscht hier in Deutschland.
Auf zum Atom
Natürlich gibt es eine Reihe von Nationen, die unserem Atomausstieg erwartungsvoll entgegensehen. Je mehr sich der Westen selbst demoliert und seine Wirtschaft abbaut, desto mehr profitiert die unfreie Welt. China hat aktuell elf Atomreaktoren im Betrieb, 24 befinden sich im Bau, 50 sind geplant.
Bis 2020 will man die Energieausbeute von heute neun auf 70 Gigawatt erhöhen. Kümmert sich China um die German Angst? Oder um westliche Bemühungen, „das Klima“ zu retten. Kein bisschen.
China wird einfach an uns vorbeisegeln und je schwächer der Westen ist, desto stärker können Diktaturen wie Russland und China ihre Großmannssucht ausleben und andere Länder erobern (wie Georgien und Taiwan, für den Anfang), ohne dass sie noch jemand aufhalten könnte.
Heute schon sind wir viel zu sehr vom russischen Öl abhängig. Und den Iran lassen wir Atomkraftwerke bauen, während wir unsere abschalten wollen. Die Deutschen sind schon ein edelmütiges Volk. Sie sorgen dafür, dass es ihren Feinden besser geht, als ihnen selbst.
Literatur
Dr. Josef Oehmen: Warum ich über die Kernkraftwerke in Japan nicht beunruhigt bin
Deutsches Atomforum: Fragen und Antworten zu den Ereignissen in Japan
Leon P. Weiß: AKW- und Hirnabschaltungen in Deutschland
Rich Trzupek: Nuclear Desaster in Japan?















Dass China aber noch viel stärker als in Atomkraft auch in Wind- und Sonnenenergie investiert, sollte man in diesem Zusammenhang zumindest erwähnen. Während die “Fortschrittsgläubigen” also auf Atomkraft und somit eine Technik aus dem letzten Jahrtausend setzen wollten, überholt uns China auch an der erneuerbaren Energiefront. Das “Entsorgungs”-Problem radioaktiver Abfälle haben die Chinesen soweit ich weiss auch nicht gelöst. Aber dennoch: geht es unseren sog. “Feinden” wirklich besser, wenn bei denen dann nach einem anzunehmenden atomaren Unfall ganze Landstriche unbewohnbar werden sollten? I don’t think so. Dem Bankonto von Konzernen und Despoten vielleicht, den dort lebenden Menschen jedenfalls nicht.
Uran wächst übrigens auch nicht auf deutschen Bäumen, stellt also mithin auch eine Abhängigkeit vom Ausland dar. Eine Milchmädchenrechnung.
Zukunftsfähige Energieversorgung ist erneuerbar und dezentral (das ist übrigens zumeist auch effektiver – KWK, anyone? – und rentabel. Natürlich niemals so rentabel wie längst abgeschriebene und vom Steuerzahler subventionierte Uralt-Atommeiler aus dem 20. Jh.).
Auch das Einsparen von Energie gehört hier dazu – nenne mich fortschrittsfeindlich, wer will. Einen “schneller, weiter, höher, mehr”-Fortschritt will ich wirklich nicht. Jedenfalls hatte ich noch nie das Befürfnis, einem Artikel bei “Wissen rockt” so zu widersprechen wie bei diesem…
Es ist ja nicht per se ein Problem, dass wir Handel treiben mit anderen Ländern, im Gegenteil! Ein Problem besteht darin, dass wir uns abhängig machen von Diktaturen wie Russland und China. Natürlich kommt auch das Uran aus dem Ausland, aber schau dir mal an, woher:
Uran für deutsche Atomkraftwerke, Herkunft:
ca. 32 % aus afrikanischen Ländern
ca. 21 % aus Australien
ca. 19 % aus Kanada
ca. 19 % aus der Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente in Frankreich und Großbritannien
ca. 5 % aus der Volksrepublik China
ca. 4 % aus GUS-Staaten
http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/13/113/1311321.asc
Die potenziellen Uran-Quellen sind auch kein vergleichbares Problem:
http://de.wikipedia.org/wiki/Uranlagerst%C3%A4tte#Tabelle_der_gr.C3.B6.C3.9Ften_Uranvorkommen_.5B5.5D
Und nun der Vergleich: Woher kommt das Öl?
1. Saudi Arabien
2. Russland
3. Iran
4. Vereinigte Arabische Emirate
5. Nigeria
6. Irak
7. Venezuela
8. Kuweit
9. Norwegen
10. Kanada
http://weltderwunder.de.msn.com/balance-gallery.aspx?cp-documentid=149939800&page=10
Wenn Diktaturen nur dein “Feind” in Anführungszeichen sind, viel Spaß damit; ich nehme es ernst, wenn eine Nation Machtpolitik aus dem 19. Jahrhundert betreibt und darum bemüht ist, sich andere Nationen einzuverleiben. Russland und China tun das. Der Iran sehnt derweil das Ende der Welt herbei.
Ich bin ja nicht per se gegen erneuerbare Energie. Am besten wäre es, man würde einfach die Energien verwenden, die ökonomisch am sinnvollsten sind, während man gleichzeitig versucht, sich nicht von Diktaturen abhängig zu machen – die nutzen das nämlich aus. Öl ist sehr heikel und ausschließlich “erneuerbare Energien” sind aktuell kaum drin.
Auch in Australien oder Kanada ist der Uranabbau problematisch. http://de.wikipedia.org/wiki/Uranabbau#Gefahren – ein Thema,das gerne unterschätzt und verharmlost wird. Oder gleich ganz ausgeblendet.
Ich sage ja auch nicht, dass wir statt auf Atomkraft mehr auf fossile Brennstoffe setzen sollen (schon gar nicht aus Diktaturen, die ich auch nicht per se als unsere “Freunde” bezeichnen mlchte, aber das Wort “Feinde” erinnert mich doch sehr an den kalten Krieg oder – noch schlimmer – an die Bibel). Das ist ja auch gar nicht nötig: Wir exportieren ja bereits jetzt Strom. Und in neun Jahren können wir schon fast 50% unseres Energiebedarfs durch “Erneuerbare” decken. Womit wir nicht nur die AKWs ersetzen können, sondern auch einen Teil der anderen fossilen Energieträger. Bei weiterer Steigerung der Effizienz (auch das wäre wirklicher, technischer Fortschritt und keine Öko-Romantik) vielleicht sogar noch mehr.
Der Merkel’sche Ausstieg aus dem beschlossenen Atomausstieg hat uns hier hoffentlich nicht all zu weit zurück geworfen.
Was hat der Staat damit überhaupt zu tun? Warum muss er in erneuerbare Energie investieren? Könnte die etwa nicht bestehen auf dem freien Markt?
Was soll dieses neue “Ich bin aus Prinzip gegen Links”-Getue von Andreas Müller und was hat das überhaupt noch mit Humanismus zu tun?
“Die utopischen Ideologien von Marxisten jeder Farbe und Variation haben immer schon die Vernichtung des Bestehenden als die notwendige Bedingung für die Errichtung des Paradieses auf Erden angesehen.”
Das ist einfach nur noch Verschwörung: Alle Atomkraft-Gegner sind von einer menschenfeindlichen Ideologie geleitet. Das Lustigste: Mit nichts hat die friedliche Nutzung der Kernenergie weniger zu tun als mit der freien Marktwirtschaft, für die sich Andreas Müller ja so gerne einsetzt (Wo ist der Zusammenhang zum Humanismus?!). Freie Marktwirtschaft bedeutet Selbstverantwortung. Atomenergie in Deutschland sowie in Japan bedeutet, dass im Falle eines (Super)-GAU’s die “Sauerei” wieder aufräumen darf. Die zuvor gemachten privatisierten Gewinne sind weg bzw. reichen ohnehin nicht aus, um zu Entschädigen.