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Homöopathie: GWUP bringt ersten Aufklärungsfilm

Ein GWUP-Forscher untersucht die Funktionsweise des homöopathischen Prinzips mit Hilfe von Alkohol. Screenshot: GWUP / wissenrockt.de

„Vermute, da ist nichts drin.“ An diesem Wochenende versammeln sich in Berlin, auf Honolulu, in Neuseeland oder auch den Außenposten in der Antarktis einige Tausend Skeptiker.

Sie wollen öffentlichkeitswirksam die Wirkstofflosigkeit von homöopathischen „Medikamenten“ demonstrieren. Die GWUP veröffentlichte nun ihren ersten Aufklärungsfilm zum Thema.

Schon gestern nahmen fünfzig Menschen in Tel Aviv ihre „Überdosis“ der ultra-hochverdünnten Mittel zu sich, deren Grundlage Wirkstoffe aus Tollkirsche, Quecksilber oder Strychnin sein dürfen. Heftige Reaktionen gegenüber Erläuterungen zur Funktionsweise und ihren Widersprüchen erfolgten wie gewohnt.

„Schwachkopf“ wurden prompt junge Aufklärer genannt, die ihre Vorbereitung auf die hiesige 10:23-Kampagne im Vorfeld ausführlich dargelegt hatten und feststellten: „Ich vertraue mein Leben der Wissenschaft an.“

Entsprechend fragwürdige Reaktionen naiver Homöopathie-Fans dürften daher rühren, dass ihnen die begrifflichen Unterschiede zwischen Wirkstofflosigkeit und Wirkungslosigkeit nicht klar werden.

Die wichtige Unterscheidung fehlte schließlich sogar im Fall des Berliner „Tagesspiegel“, mit dem die Kampagne auch in Deutschland erstmals die wohlwollende Aufmerksamkeit traditionellerer Medien erlangen konnte.

Ob sich dieser Trend durchsetzen kann und zukünftig mehr leitende Medien die Problematik kritisch und korrekt darstellen werden, ist hingegen fraglich.

Dementsprechende Publikationen werden insbesondere aus kirchennahen Kreisen wenig Zuspruch finden, da die Verbreitung von skeptischem und wissenschaftlichem Denken deren Interessen vielfach diametral entgegengesetzt ist.

Und mit dem weitverbreiteten Mythos, dass säkular denkende Menschen kaum gemeinsame Positionen aufweisen, kann auch ein Blick ins Netz aufräumen: Die Menge der Anhänger von Medien skeptischen Denkens übertrifft offenbar die Anhängerschaft aller primär von Aberglauben inspirierten Nachrichtenportale hierzulande um ein Vielfaches.

GWUP-Autor Bernd Harder fasste schließlich im Blog der Skeptikervereinigung anlässlich der laufenden Kampagne die aktuellsten Veröffentlichungen von Befürwortern und Kritikern zusammen und stellte den GWUP-Aufklärungsfilm zur Homöopathie vor.

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Diskussion - Bisher 4 Kommentare - Kommentar schreiben
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    Der Film ist natürlich als Satire zu verstehen.

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    2 Kritikpunkte

    1.: Nach den Vorstellungen der Homöopathen sollen durch das Potenzieren ausschließlich die unerwünschten Nebenwirkungen der Substanz minimiert werden, man behauptet aber nicht, dass die erwünschten Wirkungen relativ zu geringer Verdünnung effektiver wird.

    2.: Ich verstehe das oft verwendete Argument „Es ist ja nur Placebo“ nicht ganz..

    Placebo bedeutet doch, dass sich ein kranker Mensch offensichtlich durch Autosuggestion heilt. Wie ist das schulmediziniscgh, bzw. physikalisch erklärbar?

    Meiner Meinung nach ist das die reinste Ironie, da Placebo gewissermaßen etwas noch unphysikalischeres als Homöopathie darstellt, da es eben gänzlich ohne Verwendung von Substanzen geschieht.

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    @Michael Huber
    zu 1. Nein, beides soll erzielt werden. Siehe hier:

    Hahnemann hatte anfangs das Problem, daß bei der homöopathischen Anwendung von Arzneien vor einer Heilung oft unangenehme Reaktionen auftraten, insbesondere bei Stoffen, die sehr giftig sind wie z. B. die Tollkirsche Atropa belladonna. Er trat dem zunächst damit entgegen, daß er die Arzneien verdünnte, wobei sie jedoch immer mehr an Wirksamkeit verloren. Um dieses Problem zu lösen, experimentierte er so lange, bis er die Potenzierung entdeckte. Hahnemann konnte beobachten, daß die Arzneien auf solche Weise zubereitet keine so starken Reaktionen hervorriefen und zudem eine ungleich höhere Wirksamkeit entfalteten als in roher Form. Er machte die Erfahrung, daß selbst Stoffe, die normalerweise keine große Arzneikraft besitzen, zu arzneilich hochwirksamen Mitteln wurden – wie z. B. das Kochsalz, verschiedene Metalle, Graphit, Kalk… .

    http://www.mickler.de/potenzierung.htm#potenzierung

    zu 2. Wiki über den Placeboeffekt:

    Placeboeffekte sind alle positiven psychischen und körperlichen Reaktionen, die nicht auf die spezifische Wirksamkeit einer Behandlung zurückzuführen sind, sondern auf den psychosozialen Kontext der Behandlung.

    Sie unterliegen dem Irrtum, das der Placeboeffekt einen wirkstofflichen Einfluss von außen voraussetzt. Er ist vielmehr genau wie bei seinem Gegenpart Nocebo die körperliche Reaktion auf das Erleben und Denken des Menschen. So wie der Anblick eines geliebten Menschen das Herz schneller schlagen oder in einer Angstsituation den Körper stocksteif dastehen lässt.
    Die Schulmedizin untersucht diesen Effekt und nutzt ihn für zwei Dinge:

    1. Zur Feststellung der Wirksamkeit von Medikamenten, durch eine Placebokontrollgruppe kann der Einfluss des Arztes, der Medikamenteneinahme usw. beobachtet werden. Effekte, die in der Verumgruppe über den der Placebogruppe hinausgehen, sind also mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Medikament zuzuweisen.

    2. Entwicklung von Therapien, die den Placepoeffekt gezielt ausnutzen, um die Medikamentenwirkung zu verstärken, Medikamente einzusparen oder Eingriffe reduzieren zu können.

 
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