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Glücklicher leben ohne Islam

Cahit Kaya plädiert für eine Absage an den Islam als Religion. Auf dessen Aufklärung will er nicht warten.

Thilo Sarrazin hat gezeigt, dass man als Deutscher tunlichst nicht öffentlich über Gene reden sollte. Henryk M. Broder hingegen darf es, wie er vor wenigen Wochen in einem „Spiegel“-Essay zeigte. Die offene und entschiedene Kritik an der koranischen Ideologie ist noch so ein heißes Eisen.

Deshalb ist Cahit Kaya aktiv. Der bekennende Ex-Muslim aus Österreich hat sich der Aufgabe verschrieben, die Idee von einer möglichen Aufklärung des Islam sterben zu lassen bevor für dessen Ideen noch mehr Menschen sterben müssen.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung am 5. Februar in Erlangen steht die Lage der Ex-Muslime in Europa. Cahit Kaya selbst sieht sich als Obmann eines Zentralrats der Ex-Muslime in Österreich, wie er sich zuvor auch in Deutschland und Großbritannien gebildet hat. Anders als der deutsche Zentralrat machte Kaya in den vergangenen Monaten aber einigen Wirbel, denn auch säkularen Beobachtern war er oft zu laut und zu kritisch.

Doch was meint er eigentlich mit Islam? Cahit Kaya erklärt: „Die Religion, das Gesellschaftsmodell, die islamische Gesetzgebung.“ Er ergänzt, Islam sei letztlich auch das was die Menschen daraus machen, welche sich als Muslime verstehen. Dabei sollte man aber nicht ausschließlich auf die jetzige Lage in Deutschland oder Österreich schauen – obwohl er auch hier viele besorgniserregende Zustände wahrnimmt.

„Muslime, die ihrem Glauben den Rücken kehren, müssen mit Sanktionen bis hin zur Todesstrafe rechnen“, stellt er beim Blick auf die Welt fest. In vielen Staaten, die sich selbst zu islamischen Republiken erklärt haben und wo eine vom Koran inspirierte Gesetzgebung zur gesellschaftlichen Grundlage gehört, gilt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte nichts.

Und auch in Europa nimmt der Einfluss religiöser Prinzipien auf die staatliche Politik zu, wie sich an den Streits und Gerichtsurteilen um Sport- und Schwimmunterricht für Kinder von Eltern muslimischer Konfession gezeigt hat. Das, so Kaya, ist eine ernste Gefahr für die offene Gesellschaft.

Ein großes Manko in der öffentlichen Debatte sieht er darin, dass sich einerseits eine große Zahl von vermeintlichen Muslimen nicht nur von zentralen Vorschriften der Religion abgewandt hat, sondern auch vom Glauben wie ihn die Theologen lehren.

Aber zu wenige der Ex-Muslime wagen es, offen ihren Abfall vom Islam zu bekennen, bedauert er. Schließlich ließe sich nur so ein Gegengewicht zu den politischen Vertretern der tatsächlichen Anhänger des Korans zu schaffen. Desinteresse, aber auch die Furcht vor Repressionen im gesellschaftlichen Umfeld führen zu einem Schweigen der Ex-Muslime, meint Kaya.

Unter Islam werde außerdem alles Mögliche verstanden und er bemüht sich um eine differenzierte Perspektive. Die unter europäischen Frauen populäre Strömung des Sufismus sieht er als „eine Art islamischen Stoizismus“.

Bei der jüngeren Generation von Muslimen kann er die Verbreitung solcher Ideen jedoch nirgends erkennen. „Wenn man sich die muslimischen Jugendlichen anschaut sind diese größtenteils alles andere als auf ein reduziertes Leben aus, sondern schmücken sich mit Statussymbolen“, stellt er fest.

Islam als Religion und dogmatisches Ideologiesystem, so erklärt er weiter, sei ein System voller sozialer Zwänge, das für fast jeden Handgriff Regeln hat: „Das kann kein Weg zur Freiheit sein.“

Eine „sanfte Form“ der Scharia hält er für unwahrscheinlich. Er prognostiziert eine entgegengesetzte Entwicklung bei den Versuchen der europäischen Politik, einen „aufgeklärten“ Islam zu fördern.

„Je mehr islamisches Recht Alltag in europäischen Gesellschaften und Gerichtshöfen wird, umso unwahrscheinlicher ist es, dass sich der Islam je reformieren wird“, so seine Überzeugung. „Wie sollte man ein auf Dogmen basierendes System auch reformieren können? Dazu müsste man den Koran umschreiben oder zensieren und schon wäre Allahs Wort zensiert worden und der Islam wäre keine Religion mehr.“

Dabei plädiert Kaya auch für eine Unterscheidung von Tradition und Religion. Ein Beispiel sieht er bei der Frage, ob es islamisches Essen gibt. Hier schreibt der Islam beispielsweise vor, dass jedes Nahrungsmittel „halal“ sein muss.

In der Praxis beurteilt Kaya die Befolgung solcher Sitten und Gebräuche meist als Tradition und nicht als Ausübung echter religiöser Überzeugungen. Trotzdem gehen Religion und Tradition immer Hand in Hand.

Bei der „Burka-Frage“ ist er kritischer und tritt für ein Verbot in Österreich ein. Jede Form des Ganzkörperschleiers sei Zeichen der sendungsbewussten Religion. Kaya beurteilt ihn als eine frauenverachtende Sitte, die den Betroffenen ihre Identität raubt und jedem Menschen die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht stört.

Für den Ex-Muslim Kaya gibt es heute keinen Grund mehr, am Islam als Religion festzuhalten. Menschenrechtskonforme Gebräuche und Traditionen lassen sich auch praktizieren, ohne dass am Islam festgehalten werden muss. So könnten schließlich alle Menschen glücklicher leben, ist er überzeugt.

„Jeder Schritt weg vom Islam ist ein Schritt Richtung Aufklärung.“ Und Feiertagsmuslime, die sich auch vom Traditionalismus entfernen, hätten durchaus das Potential zu einer Reform. Eine Perspektive, die bei den zahllosen Taufschein-Christen bereits Lebenswirklichkeit ist – auch wenn hier der Fundamentalismus wieder wächst.

Auf eine Aufklärung des Islam zu warten, so wie sie das Christentum über Jahrhunderte teilweise vollzogen hat, empfindet er als sinnlos. „Wenn die Menschen aufgeklärt sind, so ist der orthodoxe Islam bereits geschwächt und verliert an Bedeutung. Wer will dann noch ein System, das in den Hintergrund rückt, reformieren?“

Einen weiteren Beleg dafür, wie wenig konservative Religionen zur Reform in der Lage sind, sieht er dabei direkt vor unserer Haustür. Cahit Kaya verweist auf die Lage in der katholischen Kirche und stellt fest: „Noch heute predigt der Papst ein Wissen und Weltbilder, die mit heutigen Ansichten kaum noch etwas zu tun haben. Und der Vatikan befindet sich inmitten von Europa. Warum soll ausgerechnet der Islam reformierbar sein, wenn es der Katholizismus nicht ist?“

Eines seiner Lieblingszitate stammt vom Schriftsteller Hans Kaspar: “Es ist besser, Deiche zu bauen als darauf zu hoffen, dass die Flut allmählich Vernunft annimmt.”

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    Zitat: Doch was meint er eigentlich mit Islam? Cahit Kaya erklärt: „Die Religion, das Gesellschaftsmodell, die islamische Gesetzgebung.“

    Ja ich hab mir das angetan den Beitrag komplett zuende zu lesen obwohl das eigentlich unter meinem Niveau ist.
    Wenn unser “aufgeklärter” Cahid auf die Frage “was er denn eigentlich mit Islam meine” mit “die Religion” antwortet da läuten bei mir die Alarmglocken ;)

    Also ich habe versucht Jahrelang – auf Wissenschaftlicher Basis – dem Islam “auf die schliche zu kommen” und Ihr könnt mir alle glauben das ich in manchen Themen über den Islam insbesondere den Koran weniger weiss als vorher.

    LG Eddy :)

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    Lieber Eddy,
    ich verstehe die Kritik nicht.

    Gruß aus Wien,
    Cahit Kaya

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    Ähm… “Er ergänzt, Islam sei letztlich auch das was die Menschen daraus machen, welche sich als Muslime verstehen.”

    Die liberalen machen nichts daraus und die orthodoxen interpretieren ihn nach belieben. Wenn dies islamich geprägte Regiereungen tun, so mmt dabei die Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam” raus. Und diese Erklärung kann man durchaus als praktischen Islam, den Konsens islamischer Länder darüber, definieren.

    Der säkulare Muslime hat hier kein Mitspracherecht. Er steht zuw eit außerhalb. Dennoch sieht er sich als Muslim. Doch mit diesem Islam hat er meist nichts mehr zu tun.

    Gruß,
    Cahit

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    @ Eddy

    ein abgebrochenes Semester Molekularbiologie macht Sie weder zu einem Experten in Genetik (da hätten Sie ein Semester Genetik abbrechen müssen), noch zu einem Experten
    für Henryk M. Broder (z.B. ein Semester Judaistik oder Politologie), dritter Weltkrieg resp. seine Wahrscheinlichkeiten (ein Semester Geschichte oder Statistik) und Religion ( ein Semester vergleichende Religionswissenschaft).

    Möglicherweise hilfreich für Ihre weiteren Forschungen könnte das Mem-Konzept Dawkins sein. Auch grammatische Studien bieten sich an. Mir bleibt der tiefere Sinn Ihres letzten Absatzes leider verborgen.

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    @ Eddy,
    wer den aufgeklärten Westen und islamischen Traditionalismus gleich setzt, hat den Anspruch verloren ernst genommen zu werden.

 
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