wissenrockt.de

wissenrockt.de

Startseite » Gesellschaft » Master of the Universe: Papst verteidigt Führungsrolle

Master of the Universe: Papst verteidigt Führungsrolle

In der Predigt zum Hochfest der Epiphanie implantierte Benedikt XVI. gestern erneut problematische Ideen. Foto: BRAYDAWG / Flickr / CC-BY-SA

Gottes Geist steckt hinter den wissenschaftlichen Theorien über den Urknall, erklärte gestern Benedikt XVI. Während frühere Päpste für sich in Anspruch nahmen, Vertreter eines Gottes zu sein, welcher den berühmten Erdkreis schuf, geht der einstige Joseph Ratzinger noch einen Schritt weiter.

Um die diskriminierenden und absurden Meinungen seiner Kirche für unaufgeklärte Menschen plausibel klingen zu lassen, wandte er sich erneut gegen die Positionen unchristlicher Wissenschaftler und Philosophen. Als Inhaber des „heiligen Stuhls“, so wurde auf diese Weise nochmals bekräftigt, vertrete er den „Master of the Universe“.

In einer Predigt im Petersdom sagte Benedikt XVI. vor rund zehntausend Menschen, dass sich Christen gegen die Idee eines zufällig geschaffenen Universums wenden sollten. Auch hinter all den wissenschaftlichen Theorien über den Urknall stecke der Plan Gottes, so der Kirchenführer.

Dass der Vatikan für den Erhalt seiner Macht über die Gehirne der Menschen durchaus gern eher auf die Konsequenzen als auf den Katechismus bedacht ist, machte ein Papst so wieder einmal deutlich.

Diese Funktionsträger halten sich regelmäßig für Vertreter des Gottes und ihre Kirche für die wahre und heilige Institution zur Auslegung des Willens der umstrittenen Entität.

„Das Universum ist kein Ergebnis eines Zufalls“, stimmte Benedikt XVI. den Positionen gottloser und unchristlicher Wissenschaftler wie Stephen Hawking zunächst zu.

Der als der einflussreichste Physiker unserer Zeit angesehene Brite hatte in seinem letzten Buch erneut und eindeutig herausgestellt, dass nach seiner Auffassung zur Erklärung des Universums kein übernatürlicher Schöpfergott angenommen werden braucht.

Die Stellungnahme des respektierten Wissenschaftlers führte bei vielen Menschen und auch seinen Kollegen zu emotionellen und intellektuellen Erschütterungen. Als Reaktion versuchen viele Menschen, die Kirche gegen ihre Kritiker zu verteidigen – trotz besorgniserregender Aussichten.

Ziel der Aussagen des Theologen Benedikt XVI. ist offenbar, vor den rapide fortschreitenden Erkenntnissen in den Wissenschaften und der Verbreitung säkularer Bewertungen durch das Internet die Überzeugung in den Gläubigen zu implantieren, die neuen Fakten stünden nicht im Widerspruch zu den Lehren der Kirche.

Zweck der Maßnahme ist, die eigene Macht trotz der immer deutlicher zu Tage tretenden Widersprüche und faktischen Problemen zu erhalten und insbesondere bei den Anhängern in den säkulareren und weniger religiösen Ländern der hochentwickelten westlichen Staaten die Zustimmung zu erhalten.

Denn dieses Jahr ist ein Staatsbesuch Benedikts XVI. in Deutschland geplant. Die Bundesrepublik wurde zuletzt von erschreckenden Enthüllungen und Skandalen über die Vertuschung von sexuellem Missbrauch durch kirchliche Funktionäre betroffen, weshalb die Austrittszahlen teils dramatisch anstiegen.

Kritiker inner- und außerhalb der Kirche führten das auf die Lehren der Kirche zurück. Richard Dawkins warf dem Papst deshalb vor, vor allem auf das Ansehen der Kirche als die Bedürfnisse der Menschen bedacht zu sein.

Anlass für die Predigt von Benedikt XVI. war das Hochfest der Epiphanie, der sogenannten „Erscheinung des Herrn“. In deutschsprachigen Regionen ist der Tag als Dreikönigsfest oder Weihnachtszwölfter bekannt und beschwört die Bedeutung eines Ereignisses, nach welchem die Geburt des Jesus Christus vor etwa 2000 Jahren als Erlöser der Menschheit stattfand – was auch unter skeptischeren Theologen stark umstritten ist.

Dass auch Benedikt XVI. vor der Instrumentalisierung von Leistungen atheistischer und unchristlicher Wissenschaftler und Philosophen nicht zurückschreckt, sollte nicht überraschen.

Zugleich betonte er nämlich, dass der Dreikönigstag Anlass zur Hoffnung auf ein ewiges Leben sein solle und forderte die Menschen auf, mit Blick darauf nach den Regeln der katholischen Kirche zu leben.

Diesen liegt unter anderem die Artikel 1 der UN-Menschenrechtscharta widersprechende Lehre zugrunde, dass alle Menschen in Sünde geboren werden und dass die Nichtbefolgung der Glaubensregeln zu einer qualvollen Weiterexistenz nach dem Tode führt. Belege dafür gibt es außerhalb der kirchlichen Theologie keine.

Vom Dogma einer personifizierten Vorstellung über den Begriff „Gott“ rückte der Papst ebenfalls weiterhin nicht ab. Er  teilt offenkundig immer noch eine Position, die nach weiteren Erkenntnissen der Wissenschaft und Philosophie nicht haltbar ist und zu logischen Widersprüchen führt. Das dürfte jedoch unaufgeklärten Menschen nicht klar werden.

Benedikt XVI. suggerierte ebenfalls, dass die gottlosen Wissenschaftler und Kritiker der Kirche die Entstehung des Universums auf einen Zufall zurückführen.

Das ist eine falsche Vorstellung, da die der Wirklichkeit zugrundeliegenden Gesetzmäßigkeiten durch Forschung in der Vergangenheit immer weiter offen gelegt werden konnten. Häufig mussten die Erkenntnisse aber gegen die Interessen der katholischen Kirche durchgesetzt werden oder wurden auch durch Verbote unterbunden.

Heutige Hypothesen gehen beispielsweise davon aus, dass unser Universum nicht das einzige ist sondern hinter seiner Entstehung ein Prozess steckt, der auch zur Existenz weiterer Universen geführt haben könnte. Die Zahl der Belege dafür ist jedoch vorläufig noch sehr gering.

Ob sich die Forschung dieser Fragestellung in näherer Zukunft widmen kann, ist fraglich da durch die Lehren der Kirche wichtige Ressourcen auf fragwürdige Weise eingesetzt werden – etwa in der religiösen Mission oder beim Bau prunkvoller Gebäude zur Beeindruckung naiver Menschen.

Eine erschreckend hohe Zahl von Gläubigen verharrt zudem in Hoffnung auf ein Nachleben und verzichtet auf den Einsatz ihrer Möglichkeiten zur Gestaltung eines besseren Lebens während ihrer Lebenszeit.

Besonders perfide wirkt diese Stellungnahme von Benedikt XVI., da auch unter den Religionen große Uneinigkeit in theologischen Fragen herrscht, weshalb sich die Gläubigen an vielen Orten der Welt in die Luft sprengen.

Durch die in der gestrigen Predigt geäußerte Bekräftigung der Vereinbarkeit der Lehren des Katholizismus mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen hat Benedikt XVI. jedenfalls den Machtanspruch des Vatikan und seiner Kirche erneuert und seine eigene Führungsrolle in der Vertretung des Gottes unterstrichen.

Datenschutzinformation
Diskussion - Bisher 8 Kommentare - Kommentar schreiben
  •  

    Herr Ratzinger könnte mir einfach nur leid tun, wenn er nicht soviel Unheil mit seinen Äußerungen anrichten würde. Aber was soll man auch von einem erwarten, der seinen Namen ändert, wenn er zum “Staatsoberhaupt” wird …

  •  

    Die Zahl der Belege dafür ist jedoch vorläufig noch sehr gering.

    Och es gibt schon ein paar unabhängige Reihen an Hinweisen, ich würde eher sagen dass deren Belegkraft noch zweifelhaft ist.

  •  

    Halten wir fest: das Wissen um die Welt und das Universum ist das Ergebnis von inzwischen mehreren Jahrhunderten wissenschaftlichen Forschens, des Aufstellens, Überprüfens und Verwerfens oder Bestätigens von Hypothesen, basierend auf streng wissenschaftlicher Forschung und Analyse.

    Das einzige, was der Papst und die Kirche dem entgegensetzen können ist eine von Menschenhand zusammengetragene Geschichtensammlung in Form der Bibel, deren Wahrheitsgehalt insbesondere dadurch anzuzweifeln ist, daß zum Teil mehrere Jahrhunderte vergangen waren bis sie nach mündlicher Überlieferung von einer Generation zur anderen in Schriftform niedergelegt wurden. Am allerwenigsten ist so eine Geschichtensammlung geeignet, die Existenz eines göttlichen Wesens nachzuweisen. Das ist der ewige Trugschluss der Kirchen und des Papstes – daß von der Existenz der Bibel (und der Autosuggestion der sich Gläubige selbst unterziehen) auf die Existenz eines Gottes geschlossen werden kann.

    Wie so oft, gibt es auch hier ein sehr passendes Zitat von Richard Dawkins:

    “People like to say that faith and science can live together side by side. But I don’t think they can; they’re deeply opposed. Science is a discipline of investigation and constructive doubt, questing with logic, evidence and reason to draw conclusions. Faith, by stark contrast, demands a positive suspension of critical faculties. Science proceeds by setting up hypotheses, ideas or models, and then attempt to disprove them. So a scientist is constantly asking questions, being skeptical. Religion is about turning untested belief into unshakable truth through the power of institutions and the passage of time.”

  •  

    Die päpstliche Arroganz, im unfehlbaren Besitz der absoluten Wahrheit und Heilsgewissheit zu sein, kennt wohl keine Grenzen!
    Warum lassen sich Ratzinger und sein Anhang immer wieder auf Konflikte mit der Wissenschaft -besonders der Naturwissenschaft ein? Deren einziges Ziel ist es doch den “Mythos der Aufklärung” zu zerstören um das Image der Kirche aufzupolieren.
    Man muss sich das nur mal vorstellen: Eine Kirche mit einer absurden, irrationalen, bizarr-unvernünftigen, irrwitzigen Ideologie, sprich: die Vernunft verhöhnenden Dogmatik beansprucht die absolute Oberhohheit über die menschliche Person und den gesamten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereich. Und keiner unserer Staatszwerge, d.h. der Politiker aller Parteien, schreit: “Unfug” oder wehrt sich dagegen. Im Gegenteil, sie schliessen immer neue Staatskirchenverträge nach Vorbild des Hitlerkonkordats ab, das den profitgierigen Kirchen noch heute in Geltung befindliche Privilegien beschert. Lieber kürzen sie dem Bürger die sozial notwendigen Zuwendungen, als dass sie darauf verzichten,die evangel.sowie kath. Kirchentage entscheidend mitzufinanzieren. Sie nehmen an allen möglichen Jubelfeiern der Kirchenfürsten teil. Sie zahlten z.B. kräftig zu, damit 1.300 Gäste aus Kirche,Politik und Wirtschaft zum 70. Geburtstag von Kardinal Lehmann im Mai 2006 eingeladen werden konnten um luxuriös zu feiern. Sie jubeln eben mit, weil sie dem “Himmlischen” nahestehen können. So werden sie auch Jubeln wenn dieser undemokratisch, diktatorische Papst im Herbst seinen “Segen” im Bundestag erteilt.

  •  

    Es ist so und wird wohl leider auch so bleiben…

    Religionen sind die Krebsgeschwüre der Menschheit !!

 
Zuschauer
Schaufenster