
Wie wär‘s, wenn wir ein glaubensunabhängiges Fest der Liebe, des Miteinanders und des Friedens feierten? Foto: Shandi-lee / Flickr / CC-BY-SA
Gegenfrage: Was feiert ein Christ zu Weihnachten? Begeht er tatsächlich den Geburtstag eines Gottessohnes, dessen historische Existenz nicht belegt ist geschweige denn sein Geburtsdatum?
Oder feiert er nicht eher, so es ihm vergönnt ist, das kuschelige Zusammensein in der Familie bei Müller-Thurgau und Gänsebraten, gepaart mit der Freude darüber, dass die Tage nun wieder länger werden?
Und denkt er nicht beim Beschenken seiner Lieben allenfalls noch an Gold, jedoch wohl kaum an Weihrauch oder Myrrhe?
Die Kirchenoberen mögen es bedauern, dass das Weihnachtsfest mehr als jedes andere von Folklore und Kommerz okkupiert wurde. Aber haben nicht ihre geistlichen Vorfahren einst im Zuge der Missionierung Europas das Lichterfest, das man nachweislich hier seit Jahrtausenden feierte, noch viel brutaler okkupiert?
Spätestens seit für Ackerbauern und Viehzüchter der Sonnenstand existentielle Bedeutung erfuhr, begrüßte man die Wintersonnenwende alljährlich mit Jubel und Tanz.
Überhaupt ist es ein Markenzeichen des erfolgreichen Geschäftsmodells Kirche, sich Volkes Sitten und Bräuche nach Kräften einzuverleiben.
Was hat wohl der Fichten-, Kiefern- oder Tannenbaum mit der biblischen Geschichte von Jesu Geburt zu tun? Von einer kerzenbestückten Zypresse ist dort jedenfalls weit und breit nichts zu lesen.
Dennoch lässt der Pfarrer zur Christmesse gewöhnlich ein Prachtexemplar von immergrünem Nadelbaum als Symbol des Lichtes und des Lebens, das den härtesten Winter überdauert, in seiner Kirche aufstellen.
Überhaupt ist verdächtig viel vom Licht die Rede, von hellem Schein und von strahlenden Sternen – seit jeher die unentbehrlichen Fixpunkte menschlicher Orientierung in der Dunkelheit.
Geradezu skurril ist der Wirrwarr um die imaginären Protagonisten des Festes: Welche Beschenkungsfigur mag wohl die gottgefälligste sein?
Katholiken scheinen das engelsähnliche Christkind zu favorisieren, das paradoxerweise einst aus Luthers Heiligem Christ hervorging, den er als Gegenmodell zum Heiligen Nikolaus postulierte, da das Glaubensschema seines Protestantismus keinen Platz für Heilige ließ.
Dieser Nikolaus wiederum verweltlichte nach und nach zum Weihnachtsmann, heute besonders beliebt in evangelischen Gefilden und, nervtötend in seiner Omnipräsenz, beim mehr oder weniger christlichen Kommerz.
Ausgerechnet in den USA, wo dies wahrscheinlich am penetrantesten geschah und wo man einer modernen Legende nach den Coca-Cola-Konzern der Erfindung seines roten Mantels verdächtigt, heißt er noch immer Santa Claus.
Der Ur-Nikolaus indessen schleicht nur noch weitgehend ungesehen in der Nacht zum sechsten Dezember herbei, um den Kindern etwas in die Schuhe zu schieben. Dadurch wurde sein Knecht Ruprecht gewissermaßen arbeitslos.
Diese Fehlentwicklung bedauert man derzeit in katholischen Kreisen sehr, denn damit befindet sich das Mini-Tribunal aus Nikolaus mit dem Goldenen Buch und Ruprecht mit der Rute, das einst die kleinen Racker Mores lehrte, auf dem Rückzug.
Ein böses Beispiel für Sittenverfall durch Religionsverdrängung! Ganz ähnlich erging es übrigens Väterchen Frost, der alternativen Ersatzfigur für all die Vorgenannten.
Er versank zusammen mit der pseudoreligiösen sozialistischen Ideologie nahezu vollständig in der Bedeutungslosigkeit.
Nun, wohl zu Recht, denn dass der heizkostensteigernde und unfallverursachende Frost ein gütiges Väterchen sein soll erschließt sich halbwegs aufgeweckten Mädchen und Jungen sicherlich ebenso wenig wie die Vorstellung vom geflügelten Christkindlein, das auf seinen schmächtigen Schultern tonnenweise Geschenke herbeibuckelt.
Was spricht eigentlich dagegen, wenn klein Jennifer von Anfang an weiß, dass die Barbie vom Pappi ist, und wenn Paulchen anstatt dem falschbärtigen Weihnachtsmann der Oma ein Dankesküsschen aufdrückt für die schöne neue Wii?
Sind nicht auch fromme Lügen Lügen? Besonders die, und besonders gegenüber Kindern, die uneingeschränktes Vertrauen zu uns haben?
Wie wär‘s, wenn wir all den Kitsch beiseite schöben, den kommerziellen ebenso wie den religiösen, und gemeinsam anläßlich der zunehmenden Helligkeit ein glaubensunabhängiges Fest der Liebe, des Miteinanders und des Friedens feierten, jeder mit den Bräuchen und den Speisen, die ihm am besten schmecken?
Ginge der Zauber der Weihnacht dann verloren? Möge uns ein Licht aufgehen in dieser kalten Zeit.















Wenn man seinem Kind erklärt, dass die Weihnachtsgeschichte ein poetisches und welt bekanntes, weiteres Märchen ist, so wie Aschenputtel oder der Gestiefelte Kater – dann schafft man es, gesellschaftliche Teilhabe eines insoweit wehrlosen (-armen) Kindes an den noch vorherrschenden Legenden zu erreichen, ohne zu lügen.
Denn ganz ohne Kenntnis der Geschichten der hier vorherrschenden Bibelkultur verpassen die Kinder die Chance, Kultur und Kunst Europas richtig zu verstehen, und rennen in diesem Aspekt hilfslos durch unsere Geschichte. Und das schadet ihnen nicht weniger als eine Lüge.
Und als Kuschelgeschichte eignet sich die Mär von der Krippengeburt und den wandernden Königen vortrefflich, so lange sie nicht mehr als das ist.
Sehe ich auch so. Die Weihnachtsgeschichte als nettes Märchen, gutes Essen, ein paar Tage Ferien, Zusammentreffen der Familie, festliche Dekoration und Geschenke, die von Wertschätzung zeugen, macht doch Weihnachten für jeden Atheisten zu einem sehr schönem und entspanntem Fest. Mal ehrlich: Wer kümmert sich an Weihnachten denn um Jesus? Außer ein paar Hardcore-Christen geht es doch allen nur um das “gemütliche Beisammensein”, und das ist doch völlig in Ordnung.
Grüße, Daniel
Früher oder später findet jedes Kind heraus, daß es den Weihnachtsmann gar nicht gibt. Es ist doch schön, daß Kinder da von selbst drauf kommen. Von daher finde ich es nicht schlimm, wenn Kinder erstmal in diesem Glauben aufwachsen. So lernen sie ja auch, die Dinge zu hinterfragen und kritisch zu sehen. Und schon bald sind auch der Osterhase und andere Wesen ins Reich der Phantasie gewandert.
Diesen alten Brauch kann man auch als Erwachsene noch zelebrieren. Auch wenn man inzwischen weiß, daß es den Weihnachtsmann gar nicht gibt.
In diesem Sinne, frohe Weihnachten, Wasserhund
… übrigens: Das ist ein sehr schönes Foto, das zum Artikel. Gut gewählt!
“Früher oder später findet jedes Kind heraus, daß es den Weihnachtsmann gar nicht gibt.”
Früher oder später findet jeder Erwachsene heraus, dass es Gott gar nicht gibt.