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US-Christen kritisieren Obama für “gottlose” Reden

Gottergebenen Bekenntnissen ist in den USA kaum zu entkommen. Außer, man verzichtet etwa auf Bargeld. Foto: Scott Hudson / Flickr / CC-BY-SA

Christen haben den US-Präsidenten Barack Obama dafür kritisiert, dass er nicht häufig genug von einem „Gott“ und „Schöpfer“ spricht. Die „Huffington Post“ berichtete über einen Brief republikanischer Politiker, in dem sie ihn deshalb scharf angriffen.

Während Obamas religiöse Haltung seit Wochen Thema in den Medien ist, erhöhen Bibelfanatiker weiter den Druck. Der Präsident hatte sich in letzter Zeit zwar häufiger als gläubiger Christ bezeichnet, aber vielen ist das nicht genug. Ein Lapsus bei einer Rede vor einer Universität in Indonesien hat ihn nun in zusätzliche Bedrängnis gebracht.

Als Barack Obama am 10. November 2010 an einer Universität in der indonesischen Millionenmetropole Jakarta sprach, soll er geäußert haben, dass das amerikanische Motto „E pluribus unum“ ist – „Aus vielen Eines“.

Darüber empörten sich nun die Christen und verwiesen darauf, dass im Jahr 1956 der heute bekannte Leitsatz „In God we trust“ vom Parlament verabschiedet wurde. Dieser findet sich unter anderem auf vielen  Zahlungsmitteln der US-Amerikaner.

Das von Obama zitierte Motto war fast 200 Jahre lang Leitsatz der Vereinigten Staaten gewesen, bis der religiöse Lobbyismus in der US-Politik den ursprünglich sehr säkularen Staat höchstoffiziell wieder unter „Gott“ festschreiben konnte. Lediglich etwa 15 Prozent der Bürger bekennen sich als nichtreligiös, die US-Politik wird von großen evangelikalen Gruppen maßgeblich bestimmt.

In der Auslassung der Rede von einem Gott und Schöpfer würde Obama einen „integralen Teil der amerikanischen Gesellschaft“ ausblenden, heißt es in dem Brief der Organisation „Congressional Prayer Caucus“. Diese will sich unter anderem für den Schutz öffentlicher Predigten einsetzen.

Obama würde einen der Ecksteine einer sicheren Freiheit entfernen, wenn er sich nicht häufiger und direkter auf „Gott“ in seinen Reden bezöge, heißt es weiter. Bemerkenswert ist, dass Obama in nur einem Absatz seiner Ansprache an der indonesischen Botschaft insgesamt vier Mal „Gott“ erwähnte.

Widerspruch kam deshalb von einer laizistischen Organisation, der „Americans United for Seperation of Church and State“. Es sei nicht sehr christlich, so heißt es darin, dass diese Leute jede Möglichkeit suchen, um den US-Präsidenten niederzumachen. Die derzeitige Debatte sei eine der „dümmsten Kontroversen“, die er jemals gesehen habe, meinte Direktor Barry W. Lynn.

Barack Obamas religiöse Ansichten sind seit Wochen ein Thema öffentlicher Medienberichte und Umfrage. Große Teile der teils tiefreligiösen Gesellschaft, von denen die Hälfte die Erde für höchstens einige Tausend Jahre alt hält, sind nicht davon überzeugt, dass Obama in weltanschaulicher Hinsicht „einer der ihren“ sei.

Frühere Umfragen hatten ergeben, dass sogar ein Fünftel der US-Bürger meinten, Obama sei Muslim. Ein Drittel war der Überzeugung, er glaube die christlichen Lehren.

Rückschlüsse auf Obamas Position kann unter anderem die Tatsache gegeben haben, dass er als erster US-Präsident überhaupt in seiner Amtsantrittsrede nichtreligiöse Menschen mit einbezogen hatte.

Fraglos sind auch solche Feinheiten vielen der Einwohner, darunter Millionen Mitglieder starke evangelikale Organisationen, ein Dorn im Auge. Einen Plan hinter Obamas Wortwahl sehen daher auf die aktuellen Beschwerdeführer. „Das einmalige Weglassen des Wortes ‘Schöpfer’ war ein Fehler, aber ein zweites Mal schafft ein Muster“, heißt es.

Auf den Seiten der Richard Dawkins Foundation verwies man deshalb auch auf ein Video ein frühen Rede Obamas, in denen er mit der Bibel abrechnet und öffentlich in Frage stellt, wo diese ein moralisches Leitbild für etwa den Unterricht an US-Schulen formulieren könne.

„Sollten wir ins Buch Levitikus gehen, wo die Sklaverei gutgeheißen wird“, fragte er. Oder dem Vorschlag folgen, vom Glauben abgefallene Kinder zu steinigen?

Obamas Bibelarbeit, so wird im weiteren Fortgang der Rede klar, dürfte bei vielen US-Christen auf schieres Entsetzen stoßen. Aber auch für Klarheit sorgen. Und sogar Maßstäbe für viele deutsche Regierungsvertreter setzen.

„Demokratie erfordert, dass die religiös motivierten [Menschen] ihre Anliegen in universelle statt spezifisch religiöse Werte übersetzen“, erklärte er damals. Vorschläge, so meinte Obama weiter über die nötige Debattenkultur in einem aufgeklärten Land, welche Bestandteile von Erörterungen sein wollten, müssten der rationalen Vernunft zugänglich sein.

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Diskussion - Bisher 4 Kommentare - Kommentar schreiben
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    Auch hier zu Lande versuchen fanatische Christen und Muslime immer mehr Einfluss auf Politik und Gesellschaft zu nehmen.
    Leider mit immer mehr Erfolg.
    Gruß aus Essen

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    Das ist genau der Grund, warum ich mich als Atheist in Deutschland nicht mehr wohl fühle. Aber immerhin bin ich ja bis jetzt wenigstens noch geduldet.

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    … dass er nicht häufig genug von einem „Gott“ und „Schöpfer“ spricht.

    Ich spreche auch nicht ständig von “Mama” und “Pappa”. Obwohl ich die so nie nennen würde. Oder verstehe ich da was falsch?

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    Es geht nicht nur um Obamas religiöse Haltung. Es geht auch darum, dass Obama – wie viele Präsidenten vor ihm – konsequent für die Trennung von Staat und Kirche eintritt. Alle staatlichen Institutionen sollen sich religionsneutral verhalten und die Religionszugehörigkeit der Bürgerinnen und Bürger darf keine Rolle spielen. Das ist schon Grundlage der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Es ist traurig, dass diese Selbstverständlichkeit von vielen Politikern und religiösen Fundamentalisten nicht anerkannt wird.

 
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