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Kanada: Neue Buskampagne gestartet

Die kanadischen Skeptiker rufen zur kritischen Prüfung populärer Hirngespinste auf.

Der kanadische Ableger der globalen Skeptikerbewegung hat eine neue Anzeigenkampagne initiiert, in der zum Hinterfragen rätselhafter Ideen wie Allah, Ufos, Homöopathie und Gedankenlesen aufgefordert wird.

„Außergewöhnliche Behauptungen erfordern außergewöhnliche Belege“, steht auf zahlreichen Bussen geschrieben. Die Initiatoren erklären, mit ihrer Kampagne aber keine religiösen Gefühle verletzen zu wollen. Trotzdem ist eine Rückbesinnung auf die kritische Methode notwendig.

Warum wird der Ăśberzeugung von der Existenz von „Bigfoot“ als wahnhafte Idee abgetan, aber der Glaube an Allah oder den christlichen Gottessohn respektiert und verehrt? Es ist der Virus des Glaubens, wĂĽrde Richard Dawkins sagen.

Das „Center of Inquiry“ in Kanada animiert deshalb in einer eigenen Aktion nun erneut dazu, allgegenwärtigen und weitverbreiteten Aberglauben kritisch zu untersuchen und startete im November eine neue Kampagne gegen populären Hokuspokus und Hirngespinste.

Vorläufer der neuen Kampagne ist die atheistische Buskampagne, die 2008 von der Schriftstellerin Ariane Sherine erfunden wurde. Mit dem Slogan „Es gibt wahrscheinlich keinen Gott – Also hör auf dich zu sorgen und genieße dein Leben“ waren rote Doppeldeckerbusse wochenlang in London unterwegs und erregten große Aufmerksamkeit bei religiösen Fanatikern, oft auch Empörung.

Die britische Kampagne fand auch in Kanada, Deutschland und anderen Ländern bald Nachahmer. In Österreich und Polen dagegen wurden dementsprechende Aktionen von Kirchenleuten in der Verwaltung verhindert.

An den damaligen Erfolg der Buskampagne wollen nun die kanadischen Skeptiker anschließen. Mit großflächigen Plakaten auf und in Fahrzeugen des öffentlichen Personenverkehrs wie Bussen und U-Bahnen zählen sie eine Unmenge an weitverbreiteten Hirngespinsten und unhaltbaren Ideengebäuden auf, darunter Tarot, Kreationismus, den Osterhasen oder Astrologie. Auch zahlreiche Gottesbegriffe finden sich in der Liste albernen Aberglaubens.

Zusätzlich wurden mehrere Veranstaltungen in den großen Städten Kanadas durchgeführt, gemeinsam mit weiteren säkularen Organisationen wie der Canadian Secular Alliance.

„Nachdem wir unseren Fokus von Gott gelöst haben, rufen wir nun dazu auf, jede außergewöhnliche Behauptung skeptischen und rationalen Untersuchungen zu unterziehen“, so Sprecher Justin Trottier. Die Skeptiker sind auch in Deutschland als Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) vertreten.

Dass außergewöhnliche und unwahrscheinliche Phänomene nicht per se als unmöglich abgelehnt werden ist fester Bestandteil jeder skeptischen Perspektive: Die kritische Prüfung, so betont auch die GWUP, lehnt anfangs unwahrscheinlich erscheinende Phänomene nicht grundsätzlich als Unsinn ab.

Vor allem aber kommt es darauf an, jeden Sachverhalt kritisch zu prĂĽfen. Skepsis bedeutet daher auch, sich nach wissenschaftlicher PrĂĽfung auch von frĂĽher unglaublich anmutenden Tatsachen ĂĽberzeugen zu lassen.

„Die wissenschaftliche Methode hat unsere Welt verbessert“, meint deshalb Michael Kruse, ein Vertreter des dortigen Center of Inquiry. „Die heutige Gesellschaft hat aber vergessen, dass dieser Fortschritt von der Anwendung wissenschaftlicher Methoden und seinen Ansprüchen nach Beleg- und Prüfbarkeit abhängt.“ Es gebe keine Grund, weshalb irgendeine Behauptung von diesen strengen Standards ausgenommen werden sollte.

Auch die Evolutionswissenschaft stelle außergewöhnliche Thesen auf, habe aber ebenfalls in wissenschaftlicher Weise außergewöhnliche Belege dafür geliefert.

Nun sei es daher Zeit, dass auch in den Themenfeldern Religion, Alternativmedizin oder Parapsychologie diese Kriterien ernsthafter Prüfung angelegt werden, um den gesellschaftlichen Fortschritt zu ermöglichen.

„Ob wir uns ein Nachleben wünschen oder nicht, tut nichts zur Sache“, so Kruse weiter. Die Skeptiker sind vielmehr davon überzeugt, dass die menschliche Gesellschaft von skeptischen, kritischen und rationalen Geisteshaltungen in jedem Bereich des Lebens profitieren würde.

Schließlich ist es daher möglich, dass die Kampagne der kanadischen Skeptiker zu durchaus überraschenden Entdeckungen führen kann. Fundierte Belege für Mythen wie die Zahnfee, ein Leben nach dem Tod oder die Wirksamkeit von Feng Shui stehen aber vorerst noch aus.

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