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ARD: “Gottes Herrschaft hat einen längeren Atem”

Das Dokument, welches zu dieser Zeit nur im Geheimen verbreitet werden konnte, beschwor die Bedeutung des „reinen Glaubens“ an Christus, Kirche und das Primat des Papstes wie ihn der damalige Katechismus vorsah. Und als der deutsche Katholik, Führer und Reichskanzler Adolf Hitler Rom besuchte, zog sich Pius XI. auf seine Sommerresidenz zurück. Pius XI. starb noch vor dem Angriff der Deutschen auf Polen. Exkommuniziert wurde Hitler von seiner Kirche nie.

Die katholische Jugend in Deutschland, auf die Stephan Wahl eingangs Bezug nahm, wählte schließlich das Christkönigsfest als Termin für die Feiern ihres sogenannten Bekenntnissonntags, nach dem die nationalsozialistischen Machthaber das Reichssportfest auf den ursprünglichen Termin gelegt hatten.

Mit Gottesdiensten, Fahnenabordnungen und dem Tragen ihrer Uniformen bekannten sie so ihre Zugehörigkeit zu Jesus Christus und etablierten ihre eigene Variante der diktatorischen, faschistoiden Vereinskultur. Für Wahl nun „ziehen wir zwar nicht mehr mit Fahnen und Prozessionen durch die Straßen, aber das Bekenntnis bleibt. Zu einer Herrschaft, die völlig anders ist als die von Menschen.“

Im Abendprogramm der ARD sprach Wahl dann über „machtlosen Könige und Prinzen dieser Zeit“ und die “mächtigen Regierenden“, welche „bei uns gottlob nur auf Zeit mit Macht und Verantwortung betraut“ sind.

Und welche die Grenzen ihrer menschlich-demokratischen Legitimation, Wahl nennt sie „Gewalt“, heute in den Auseinandersetzungen um das Endlager Gorleben und den Stuttgarter Bahnhof deutlich spüren würden. Die menschliche Macht, so wollte Wahl deutlich machen, sei beschränkt und begrenzt.

„Gottes Herrschaft hat einen längeren Atem“, stellte er dann aber fest und meinte: „Sich zu Christus als dem wahren Herrn bekennen ist keine Weltflucht.“

Nur einem Gott allein gehöre diese Welt und zuerst gehören Christen diesem Volk Gottes an, meint er voller Ernst und in aller Öffentlichkeit. Nation, Staat und bürgerliche Rechte und Pflichten, so macht er dabei in seinem Auftritt im staatlichen Fernsehen sehr klar, stünden an zweiter Stelle. Und dabei könne es für Christen heute oft heißen: „Widerstand, unpopulistische Ansichten, Querdenken.“

Nicht auf kritisch-rationales Denken, sondern auf religiöse Inspiration fusst Wahls Leitmotiv zur Auseinandersetzung mit den weltlichen Problemen.

Wahl will nun einen Bogen schlagen, um die eigene Kirche in den aktuellen politischen Querelen als freidenkerische Organisation darzustellen und ihren Mitgliedern einen spirituellen Impuls als unabhängige Geister zu vermitteln: „Jetzt ist hier der Platz, das zu tun, was als Christ zu tun ist: nicht angepasst an die Direktiven einer Lobby, nicht gefangen im Anspruch einer Partei.“

Nur der in Jesus Christus menschgewordene Gott sei der wahre Herr, will der Katholik und Kommunikationsdirektor des Bistums Trier, Stephan Wahl, unumwunden den Zuschauern beibringen. Denn jeder soll wissen: „Ihm allein werde ich später Rechenschaft geben müssen.“

Der Stellvertreter dieses Gottes auf Erden ist der Papst der katholischen Kirche. Und nicht nur Stephan Wahl, auch der tiefreligiöse Bundespräsident Christian Wulff blicken dem kommenden Besuch ihres obersten Hirten und vermeintlich „Heiligen Vaters“, wie Wulff ihn nennt, mit großer Freude entgegen.

Nicht erst Benedikt XVI., der Holocaust-Leugner wie den Lefebvre-Bischof Richard Williamson für die eigene Organisation rehabilitierte, führt in der außerkirchlichen Betrachtung die Propaganda des Predigers Wahl schließlich als unhaltbar und völlig unvertretbar vor. Und nicht etwa, weil sie sich ein Urteil über den Willen dieses vielbeschworenen Gottes anmaßen.

Schon der recht zwielichtige Pius XI., welcher heute noch innerkirchlich als Nazi-Widerständler mit hohem moralischen Ethos vermarktet wird, zeigte auf drastische Weise, wie absurd die theologische  Propaganda um den Christkönigssonntag im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist.

Pius XII. Foto: Ambrosius007 / CC-BY-SA

Denn nachdem Pius XI. verstarb, betrat ein neuer Papst die Bühne. Nicht weniger ein “Heiliger Vater” und Hirte als Benedikt XVI. oder Pius XI. schrieb dieser Pius XII. nur wenige Tage nach Amtsantritt einen Brief.

„Dem Hochzuehrenden Herrn Adolf Hitler, Führer und Kanzler des Deutschen Reiches. Wir legen (…) gleich zu Beginn Unseres Pontifikats Wert darauf, Ihnen zu versichern, dass Wir dem Ihrer Obsorge anvertrauten Deutschen Volke in innigem Wohlwollen zugetan bleiben. (…) Wir geben Uns der Hoffnung hin, dass dieser Unser heißer Wunsch, der mit der Wohlfahrt des Deutschen Volkes und der wirksamen Förderung jeglicher Ordnung aufs engste verbunden ist, mit Gottes Hilfe zu glücklicher Verwirklichung gelange.“

Die katholische Kirche in Deutschland ordnete Feiern zu Adolf Hitlers Geburtstag an. Der Kardinal von Berlin gestattete sich an diesem „Jubeltag“ auf päpstliche Anweisung, „namens der Oberhirten aller Diözesen Deutschlands Ihnen die herzlichsten Glückwünsche darzubringen. Es geschieht dies im Verein mit den heißen Gebeten, die die Katholiken Deutschlands am 20. April an den Altären für Volk, Herr und Vaterland, für Staat und Führer zum Himmel senden.“

In der ARD, beim Theologen und Kommunikationsdirektor des Bistums Trier, am Samstagabend sah das alles ganz anders aus.

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Diskussion - Bisher 6 Kommentare - Kommentar schreiben
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    Ich möchte doch zu Pius XI noch etwas klarstellen: Er zeichnete sich keineswegs, wie im Artikel behauptet, durch Ablehnung der rassistischen Diskriminierung der Juden aus. Wäre seine hochgelobteEnzyklika “Mit brennender Sorge” mal liest, wird nicht ein Wort über die Juden finden! Kein einziges,
    Den mUnd machte die Kirche immer nur dann auf, wenn es um ihren eigenen Machtbereich ging. Aber das Nazi – Regime war ja ach so gottlos. Heuchler.

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    Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob es sinnvoll ist, gerade Christopher Hitchens in diesem Zusammenhang zu zitieren, da er sich meiner Meinung nach, gerade nicht durch eine unvoreingenommene Meinung auszeichnet. Beim bloßen Überfliegen seines Buches “God is not great” sind mir einige Fehler und auch wissenschaftliche Unsauberkeiten aufgefallen. So zitiert er beispielsweise Thomas von Aquin mit den Worten “I am a man of one book”. Die Quellenangabe hierzu fehlt, was aufgrund der Tatsache, dass Thomas, selbst Verfasser zahlreicher Bücher, diesen Ausspruch niemals tätigte, nicht weiter verwunderlich ist. Vielmehr hat er gesagt, er fürchte den Mann, der nur ein Buch kennt.

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    Heini, da es einen ganzen Wikipedia-Artikel zu dem Thema gibt, scheint das nicht so völlig klar zu sein:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Homo_unius_libri

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    Und?
    Lies bis zur dritten Zeile “… timeo”. Wo ist das Problem? Hitchens hat falsch zitiert, obwohl es sogar einen Wikipediaartikel darüber gibt. Also arbeitet er entweder unsauber oder voreingenommen.

 
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