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ARD: “Gottes Herrschaft hat einen längeren Atem”

Symbol des Gottesstaats: "Das Wort zum Sonntag" bei der ARD. Gepredigt wird hier, was dem Klerus gefällt.

Stephan Wahl ist Katholik und Mitarbeiter des Bistums Trier. Für die ARD sprach er gestern “Das Wort zum Sonntag”. Er meinte dabei, dass die Zuschauer vor einem Gott in die Knie gehen sollten. Denn nur Jesus Christus sei der wahre Herr. Aber Kirchen nutzen das staatliche Fernsehen nicht bloß für religiöse Propaganda. Sie fördern nebenbei auch eigennützige Interpretationen der Geschichte. Aus einer kritischen Perspektive machte Wahls Predigt klar, warum er und diese Kirche im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wenig verloren haben.

Anknüpfungspunkt für Wahls „Wort zum Sonntag“ war, dass nach religiösen Maßstäben heute der letzte Sonntag im alten Kirchenjahr ist. Der sogenannte Christkönigssonntag wurde nach Ende des Ersten Weltkriegs eingeführt und sollte „die wahre Königsherrschaft“ des Jesus Christus betonen.

Theologisch richtet sich das Fest gegen den Säkularismus und Laizismus in menschlichen Gesellschaften. Wahl vergaß deshalb nicht, zu unterstreichen, dass Christen zuerst zum Volk Gottes gehören.

Stephan Wahl.

Laut ARD-Prediger Stephan Wahl wurde der Christkönigssonntag im damaligen Deutschen Reich „zum Protest der katholischen Jugend gegen den Führerkult“.

Nicht für Adolf Hitler, sondern gegen den wahnsinnigen Diktator seien die Jugendlichen unter den damals 32 Millionen Katholiken durch die Straßen gezogen, will Wahl also wohl erklären. Ein schamloser Umdeutungsversuch der Geschichte, wie ein kritischer Blick deutlich macht.

„Obwohl der Vatikan zwei wichtige Prinzipien mit Hitlers Bewegung gemein hatte – den Antisemitismus und den Antikommunismus – war ihm bald klar, dass der Nationalsozialismus auch für ihn eine Gefahr darstellte.“ Christopher Hitchens äußerte sich in seinem Buch „Der Herr ist kein Hirte“ zum Verhältnis von nationalsozialistischem Faschismus und katholischer Kirche, die sich erst mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ab 1962 von ihren antisemitischen Doktrinen löste.

Pius XI. hatte sich allerdings schon bald unter anderem gegen Euthanasie und den rassistisch begründeten Judenhass Hitlers gewandt. Denn dieser strebte nicht nur die Vernichtung der Kranken, Versehrten und Geisteskranken unter den Juden an, sondern auch unter den Deutschen.

Während der rassistische Antisemitismus von Pius XI. verurteilt wurde, blieb es noch bis 1962 beim theologischen Antisemitismus, von dem auch weniger kirchenkritische Persönlichkeiten wie der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt meinen, dass er über Jahrhunderte den ideologischen Nährboden für die Judenverfolgung im Dritten Reich bereitet hat.

Trotzdem war es „ein Verdienst der Kirche, dass sie die Euthanasie von deutschen Kanzeln schon sehr früh ablehnte“, urteilt Hitchens. Aber bei dieser Feststellung bleibt es nicht.

„Hätte sich der Vatikan durchweg vom ethischen Prinzip leiten lassen, so hätte er sich nicht in den nächsten fünfzig Jahren um eine Erklärung und Entschuldigung für seine verachtenswerte Passivität und Trägheit bemühen müssen“, schreibt er weiter und meint: „Wer beschließt, nichts zu tun, hat eine Entscheidung getroffen und vertritt eine Linie.“ Die Politik der Kirche, so Hitchens, war es dabei „nicht etwa den Nationalsozialismus zu besiegen, sondern sich darin einzurichten.“

Die Etablierung dieses kirchlichen Festtages, den Stephan Wahl in den Mittelpunkt seiner Predigt rückte, erfolgte durch Papst Pius XI. anlässlich der Feier zum Konzil von Nicäa, das im Jahr 325 stattgefunden hatte.  Und ebenfalls unter Pius XI. erlangte der Vatikan durch die Lateranverträge mit dem faschistischen Ministerpräsident Italiens, Benito Mussolini, staatliche Souveränität.

Erst dadurch wurde es wieder möglich, dass diese Kirche eigene diplomatische Sitze in anderen Staaten, die Apostolischen Nuntiaturen, einrichten und mit anderen Staaten Verträge wie etwa Reichskonkordate abschließen konnte. So auch das Reichskonkordat von 1933, in denen das Verhältnis von Deutschem Reich und Kirch geregelt wurde. Sie gelten als Staatskirchenverträge bis heute.

Pius XI. Foto: Bundesarchiv / CC-BY-SA

In seiner Enzyklika „Ardente Cura“ äußerte sich Pius XI.  aber nicht nur kritisch zum Rassismus Hitlers. Vor allem wandte sich Pius XI. gegen dessen Ideologie, die ihm auch über den bloßen Rassismus hinaus tiefgreifende Veränderung in der einst so christlichen Gesellschaft und ihrer Kultur in Aussicht stellten.

Denn es handelte sich „um eine quasiheidnische Bewegung, die langfristig das Christentum durch pseudenordische Blutriten und auf der angeblichen  Überlegenheit der arischen Rasse gründende finstere Rassenmythen ersetzen wollte“, fasst es Hitchens zusammen.

In der Enzyklika geißelte Pius XI. mit seinen Worten dann auch die „pantheistische Verschwommenheit“, mit welcher der Begriff „gottgläubig“ durch die Machthaber in Deutschland eingesetzt werde. „Wer nach angeblich altgermanisch-vorchristlicher Vorstellung das düstere unpersönliche Schicksal an die Stelle des persönlichen Gottes rückt, leugnet Gottes Weisheit und Vorsehung“, so Pius XI.

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Diskussion - Bisher 6 Kommentare - Kommentar schreiben
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    Ich möchte doch zu Pius XI noch etwas klarstellen: Er zeichnete sich keineswegs, wie im Artikel behauptet, durch Ablehnung der rassistischen Diskriminierung der Juden aus. Wäre seine hochgelobteEnzyklika “Mit brennender Sorge” mal liest, wird nicht ein Wort über die Juden finden! Kein einziges,
    Den mUnd machte die Kirche immer nur dann auf, wenn es um ihren eigenen Machtbereich ging. Aber das Nazi – Regime war ja ach so gottlos. Heuchler.

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    Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob es sinnvoll ist, gerade Christopher Hitchens in diesem Zusammenhang zu zitieren, da er sich meiner Meinung nach, gerade nicht durch eine unvoreingenommene Meinung auszeichnet. Beim bloßen Überfliegen seines Buches “God is not great” sind mir einige Fehler und auch wissenschaftliche Unsauberkeiten aufgefallen. So zitiert er beispielsweise Thomas von Aquin mit den Worten “I am a man of one book”. Die Quellenangabe hierzu fehlt, was aufgrund der Tatsache, dass Thomas, selbst Verfasser zahlreicher Bücher, diesen Ausspruch niemals tätigte, nicht weiter verwunderlich ist. Vielmehr hat er gesagt, er fürchte den Mann, der nur ein Buch kennt.

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    Heini, da es einen ganzen Wikipedia-Artikel zu dem Thema gibt, scheint das nicht so völlig klar zu sein:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Homo_unius_libri

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    Und?
    Lies bis zur dritten Zeile “… timeo”. Wo ist das Problem? Hitchens hat falsch zitiert, obwohl es sogar einen Wikipediaartikel darüber gibt. Also arbeitet er entweder unsauber oder voreingenommen.

 
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