
Der indische Yogi Mataji Prahlad Yani behauptet, seit 70 Jahren ohne herkömmliche Nahrung zu leben. Bild: Austrianfilm
Gibt es Menschen, die schon seit Jahren keinen Bissen Nahrung oder nicht einmal einen Schluck Wasser zu sich genommen haben? Die sich nur von Licht ernähren? Ein Reporter des österreichischen Radiosenders Ö3 beschäftigte sich jahrelang mit dieser Frage. Der Dokumentarfilm “Am Anfang war das Licht” des Filmemachers Peter Arthur Straubinger ist das Ergebnis. Er bietet zwar stellenweise kurzweilige Unterhaltung, strotz aber trotzdem vor pseudowissenschaftlichen Halbwahrheiten. Zahlreiche Wissenschaftsmagazine und Blogs klären deshalb über Risiken und Nebenwirkungen auf.
Am Anfang des Films bekommt man kuriose Gestalten zu sehen, die von sich behaupten, ihre Ernährung vollständig auf feinstoffliche Lichtnahrung umgestellt zu haben. Deren Behauptung braucht man aber nicht wirklich ernst zu nehmen: Da ist zum Beispiel ein Berufsesoteriker, der selbst behauptet, seit Jahren nichts mehr zu essen. Er will seine Fähigkeit aber nicht unter einer klinischen Studie unter Beweis stellen, weil dann nach seiner Aussage der ganzheitliche Aspekt verloren gehen würde. Sehr unterhaltsam ist auch ein uriger, naturverbundener „Alpen-Yogi“, der davon schwärmt, dass er aufgrund seiner Nahrungslosigkeit kein Geld mehr für Nahrung ausgeben muss und daher völlig frei ist. Zwischendurch lebt er aber auch in der Stadt, und dort ist das Prana (die Lichtnahrung) nach seinen Angaben oft so fest und schwer verdaulich, dass er sich dann doch auf ein herzhaftes Glas Sojamilch freut.
Außerdem wird der Zuseher Zeuge eines Lichtnahrungs-Selbstversuches. Ein junger Mann versucht sich an der 21-Tage-Lichtkur, die in den ersten sieben Tagen die völlige Abstinenz, sowohl von Nahrung als auch von Wasser, vorsieht. Er dokumentiert dies per Videotagebuch – und bricht das Experiment nach vier Tagen ab.
Die Erfinderin dieses obskuren Diätplans ist die Australierin Ellen Greeve, auch bekannt unter dem Pseudonym Jasmuheen. Auch sie kommt im Film zur Sprache. Dabei wird Ellen Greeve immerhin mit der Tatsache konfrontiert, dass in der Vergangenheit bereits einige Menschen beim Versuch dieser 21-Tage-Diät durch Verhungern ums Leben gekommen sind. Dass Jasmuheen selbst an einem klinischen Versuch zum Beweis ihrer Fähigkeiten gescheitert ist, wird im Film aber nicht erwähnt.
Der interessanteste Fall im ganzen Film ist sicherlich jener des indischen Yogis Mataji Prahlad Yani. Er behauptet, seit siebzig Jahren nichts mehr zu essen oder zu trinken. Er unterzog sich 2003 einem Versuch in einem Spital in der westindischen Stadt Ahmedabat, in dem er zehn Tage lang rund um die Uhr überwacht wurde. Im Film wird dieser Versuch als Beweis für seine Behauptungen dargestellt. Tatsache ist aber, dass die Ergebnisse dieses Versuchs bislang nicht wissenschaftlich publiziert wurden. Außerdem ist der im Internet verfügbare Versuchsbericht lückenhaft und voller Ungereimtheiten. Er liefert zum Beispiel keine genauen Angaben zum Verlauf des Körpergewichtes von Prahlad Yani während des Versuchs. Das ist eines von mehreren Details, die der Film wiederum unerwähnt lässt. Immerhin ist Prahlad Yani aber einer der der wenigen Lichnahrungs-Gurus, dem man bisher keinen Betrug direkt nachweisen konnte.
Gegen Ende kippt diese Dokumentation dann endgültig ins pseudowissenschaftliche Milieu. Es werden Personen und Institutionen als Betreiber seriöser Wissenschaft dargestellt, deren Seriosität aber stark umstritten ist. So zum Beispiel Fritz-Albert Popp mit seinem „Institut für Biophysik“. Schließlich wird die Quantentheorie als Erklärungsmodell für das Lichtnahrungs-Phänomen verkauft. Natürlich wird im Detail nicht darauf eingegangen, dafür sieht man imposante Bilder eines Werbevideos vom CERN, die in diesen Kontext eigentlich überhaupt nicht hineinpassen. Das ist eine besonders ausgeklügelte Form der Bauernfängerei, denn der Durchschnittszuseher hat von der Quantentheorie wenig bis gar keine Ahnung. Daher kann man ihm so ziemlich jeden Blödsinn darüber einreden.
„Am Anfang war das Licht“ ist also nicht umsonst ein sehr umstrittener Dokumentarfilm, über den es in vielen Blogs, vor allem von Naturwissenschaftlern, kritische Aufarbeitungen gibt. Ob der Film auch den einen oder anderen Menschen dazu verführen wird, selbst einen Lichtnahrungsversuch zu starten, wie von mancher Seite befürchtet, wird sich zeigen.
Der Film „Am Anfang war das Licht“ läuft seit 17. September in Österreich und startet am 28. Oktober in den deutschen Kinos. Mehr Infos gibt es auf der offiziellen Homepage zum Film.















Die Lichtfresser kommen.
Viel schlimmer: Sie sind schon da! Mitten unter uns!! Und zu jedem Schwachsinn gibt’s einen, der’s glaubt.
Dabei sollte es doch jedem völlig klar sein, das kann gar nicht sein, dass die das Licht essen. Sonst wäre das ja weg und überall wärs dunkel.
Hey, aber immerhin ist der Kühlschrank damit immer voll! *lol*
Humbug. Der menschliche Körper kann seinen Energieverbrauch stark herunter regeln, aber ganz ohne geht es nicht. Und so lange wir kein Chlorophyll oder Solarzellen in der Haut haben, können wir aus Licht keine Energie für unsere Körperfunktionen gewinnen.