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Vatikan gemeindet Cartoon-Figuren ein

Antiheld Homer Simpson lässt sich den Beitritt zur Kirche erklären. Für die Vatikanzeitung ist er nun Mitglied. Bild: Fox Broadcasting Company

Der Mitgliederschwund, unter dem die katholische Kirche in der westlichen Welt aufgrund von menschenrechtswidrigen und erschreckend irrationalen Positionen leidet, soll nun durch die Rekrutierung populärer Trickfilmfiguren aufgehalten werden. Der Vatikan scheut dabei nicht mal die absurdesten Mittel. “L‘Osservatore Romano“ analysierte deshalb die Trickfilmserie „Die Simpsons“. Ein Teil des ungeheuren Vermögens des Vatikan wurde durch die Zeitung für eine aufwändige Untersuchung eingesetzt, um Homer und Bart Simpson als „Katholiken“ zu entlarven. Der Fall ist exemplarisch für die Mitgliedergewinnung der Kirche: Diese sind beim meist Eintritt unmündig oder nicht bei Verstand.

„Homer Simpson ist katholisch“ jubelten in den vergangenen Tagen zahlreiche Kirchenmedien, einschließlich des Portals der Katholischen Kirche in Deutschland – immerhin eine der intellektuell und personell tragenden Gliederungen des Vatikans in den weltweit verteilten Nationen mit katholischer Gemeinde.

Homer, der Protagonist der Trickfilmserie und dreifacher Familienvater, ist von Matt Groening, dem Erfinder der Serie, dem Stereotypen eines unterdurchschnittlichen amerikanischen Mittelschichtbürgers der Postmoderne nachempfunden worden: Ein fauler und vergnügungssüchtiger Couch-Potato mit beschränkten Fähigkeiten zur geistigen Reflexion und einem starken Hang zur Cholerik – typisch sind Szenen, in denen er seinen eigenen Sohn Bart aus Wut durch Würgen züchtigt: Tatsächlich empfiehlt ähnliches die Bibel. Außerdem ist Homer ein ungehemmter Fresssack und ein Alkoholiker, mit Vorliebe für köstliches Duff-Bier. Aber vor allem seine ganz menschliche Schwäche und kindische Naivität machen ihn zum tragisch-komischen Sympathieträger.

Nicht anders Bart Simpson, dem zehnjährigen Sohn von Homer und der Frau im Haus, Marge. Während seine jüngere Schwester Lisa ihrem älteren Bruder geistig meilenweit voraus ist, hat Bart vor allem Unfug im Sinn und ist ein Abbild des freigeistigen Tunichtgutes. Zurück schreckt Bart höchstens vor Shrimps, die bei ihm eine Allergie auslösen.

Beiden gemein ist die Antipathie gegenüber ihrem frommen Nachbarn Ned Flanders, der streng nach der Bibel lebt und ständig beim Pastor anruft – und diesem damit auf die Nerven geht.

In der vorletzten Folge der 16. Staffel der „Simpons“, die 2005 in den USA ausgestrahlt wurde, lassen sich Anzeichen für eine religiöse Konversion von Homer und Bart finden. Der minderjährige Bart trifft Pater Sean, der ihn mit einem Märchen und einem Comicheft besticht. Bart meint: “Viel besser als die Comichefte beim Zahnarzt.” Bei dem Versuch von Marge, ihren Sohn zurückzugewinnen, lässt sich der unterbelichtete Homer von Pater Sean mit Hilfe von einer großen Portion Pfannkuchen und einem populären Glücksspiel für das Anliegen der katholischen Kirche begeistern. So, das Fazit von „L’Osservatore Romano“ nach einer Einschätzung des Pfarrers Francesco Occhetta, sei der Schluss auf die Konfession der beiden Trickfilmfiguren nun unabweisbar. Homer und Bart Simpson sind Katholiken.

Warum auch nicht? Trotzdem sind beide sind in jeden Fall ebenfalls extreme Hedonisten. Es entspricht zwar kein bisschen dem religiösen Ideal, aber die Aussicht auf einen Lustgewinn steht bei ihnen an höchster Stelle unter allen Motivationen. Zudem, so wissen Simpsons-Fans, ist der Kirchenbesuch für beide weder ein beliebtes Ritual noch ernsthaft vollzogene Praxis: Meist schläft Homer, in einer Episode tanzt er nackt in der Kirche Springfields – eine Entweihung des Tempels? Völlerei, Heuchelei, Habsucht und fast jede denkbare Sünde begeht Homer Simpson im Laufe seines Trickfilmlebens. Nur dem Ehebruch, der Enttäuschung des emotionellen Vertrauens seiner hingebungsvollen Ehefrau Marge, verfällt er nie ganz. Die Augen, die ihn zum Abfall verführen, riss sich Homer allerdings nie auch nur in Gedanken heraus. Dass er die millionenfache Masturbation nicht einstellen werde, erklärte Homer noch im Beichtstuhl der vom Pfarrer rezensierten und „L’Osservatore Romano“ aufgegriffenen Episode.

So kann gegen Homers und Barts Mitgliedschaft in der katholischen Kirche, abgesehen von ihrer rein fiktiven Natur, wenig vorgebracht werden. Sie sind beide Mitglied aufgrund fragwürdiger Ursachen, verhalten sich nicht ansatzweise gemäß der religiösen Lehre und der Vatikan zählt sie trotzdem zu den Seinen. Sie entsprechen vorerst damit dem ganz durchschnittlichen Katholiken, zumindestens in Deutschland. Vor allem allerdings behelligen die beiden Cartoon-Popstars niemals jemanden mit ihren religiösen Ansichten. Wenn die beiden also wirklich echte Katholiken sind, ließe sich mit dem Vatikan gut leben. Homer jedenfalls meinte zum Pater: “Ihr habt ja verrücktere Vorschriften als Blockbuster-Video.”

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Diskussion - Bisher 4 Kommentare - Kommentar schreiben
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    Wie tauft man eigentlich Cartoon-Figuren? Indem man den Film durchs Weihwasserbad zieht?

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    Kommen Comicfiguren eigentlich auch in die Hölle? (In den Himmel kommt nach der Bibel ohnehin fast niemand, drum spar’ ich mir die Frage.)

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    Schande über alle Simpsons Noobs

    Ich muss hier ein paar dinge als überzeugter Simpsonsfan und Atheist richtig stellen.

    1. Homer und Bart sind Evangelisch, genauso wie Marge, und gehen regelmäßig (also meisten ;-)) in die presbitarische Kirche von Reverend Lovejoy.

    2. Bart ist zwar in der Folge in einer katholischen Schule mit Homer doch wechseln sie nicht zur katholischen Kirche und Bart wird am Schluss von MArge mithilfe von Paintball wieder zum evangelischen Lager konvertiert.

    Hätte sowohl wisenrockt als auch der Vatikan ordentlich recherchiert und die ganze Folge angeschaut wüssten sie das Bart und Homer nur in der Folge (dazu ist zu wissen das bei den Simpsons die folgen nicht unbedingt zusammenhängen und die anderen verändern) und nur für eine Zeit “katholisch” waren.

    Eine Bitte an alle Katholiken usw. bitte hört auf dinge in die Simpons zu interpretieren und wenn ihr dass machtdann schaut die ganze folge an und reißt nicht szenen aus dem Zusammenhang

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    Wer hat die Simpsons als katoliken interpretiert?
    Das Vorbild von Ned Flenders?

 
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