
Der religiöse Fundamentalismus bei Horst Seehofer und Bundeskanzlerin Angela Merkel nimmt wieder zu. Foto: picapp.com
In der Integrationsdebatte zeichnen sich klare Tendenzen bei CDU/CSU ab. Als Reaktion auf eine anhaltende Diskussion um die Formen der islamischen Religion und Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland nimmt der religiöse Fundamentalismus in den Regierungsparteien zu. Angela Merkel (CDU) und Horst Seehofer (CSU) beschwören verstärkt eigene religiöse Ideen, die akzeptiert werden müssten. Die Bundeskanzlerin erklärte, wer die Verbundenheit mit dem christlichen Menschenbild nicht akzeptiere, “der ist bei uns fehl am Platz”. Außerdem sprach sich Merkel gegen Gentests im Rahmen künstlicher Befruchtungen aus.
„Wir als Union treten für die deutsche Leitkultur und gegen Multikulti ein. Multikulti ist tot!“ Das rief der CSU-Parteichef und bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer auf dem Parteitag der Jugendorganisation von CDU/CSU, der Jungen Union, heute in Potsdam zu. Seehofer hatte in den vergangenen Tagen eine Zuwanderungsbegrenzung für Menschen aus anderen Kulturkreisen gefordert und sich so scharfe Kritik von Wirtschaftsvertretern und auch dem Zentralrat der Juden eingehandelt. Der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, sagte zu Seehofers Äußerungen: „Das ist nicht nur schäbig, sondern geradezu verantwortungslos.“ Die Form der gegenwärtigen Diskussion bezeichnete Kramer als „unverhältnismäßig, scheinheilig und hysterisch.“
Gegenüber dem Parteinachwuchs in Potsdam legte Horst Seehofer heute noch einmal nach. Hier lebende Menschen müssten sich zur deutschen Leitkultur bekennen, forderte er. Dieses Bekenntnis, so meint er weiter, erfordere die Achtung der christlichen Werte und des christlichen Menschenbildes. Unterstützung erhielt er dabei von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Fehl am Platz in Deutschland sei, wer die hier herrschende Verbundenheit mit diesen Vorstellungen nicht akzeptiere. Ähnlich äußerte sie sich einen Tag zuvor auch auf der CDU-Regionalkonferenz.
Nachdem in Deutschland nun also die Debatte über religiösen Fundamentalismus von Angehörigen islamischen Glaubens und abgeschottete Parallelgesellschaften auf Hochtouren läuft, setzen die Regierungsparteien CDU/CSU auf eine verstärkte Berufung der eigenen religiösen Fundamente. Das Ziel ist, die Deutungshoheit im Streit über eine zeitgemäße Leitkultur zu erlangen.
Während mit sogenannten „christlichen Werten“ vielfach freiheitliche, demokratische und solidarische Grundsätze eines vernünftigen und friedlichen Zusammenlebens gemeint sind, die in den vergangenen Jahrhunderten häufig von kritischer denkenden Menschen gegen religiöse Überzeugungen und die Kirchenoberhäupter erkämpft worden sind oder Schlussfolgerungen aus schrecklichen Erfahrungen waren, wird auch ein Blick auf die Beschwörung des sogenannten „christlichen Menschenbildes“ notwendig.
„Der Mensch erscheint einerseits in seiner Kreatürlichkeit, das heißt als einer, der sich in seiner Herkunft dem schöpferischen Handeln Gottes verdankt und in seiner Vergänglichkeit den übrigen Geschöpfen gleicht“ – So heißt es im „Lexikon der Christlichen Demokratie in Deutschland“, dass von der kirchennahen Konrad-Adenauer-Stiftung herausgegeben wird. Das Menschenbild, welches laut Merkel und Seehofer von allen hier lebenden Menschen zu akzeptieren sei, geht also etwa davon aus, dass die Menschen von einem Gott nach christlicher Vorstellung geschaffen worden seien. Zudem, so heißt es weiter, hätten sich die Menschen auch vor diesem Gott zu verantworten.
Und die katholische Kirche begründet etwa die notwendige Achtung der unveräußerlichen Menschenwürde damit, dass sie ihnen des Erbarmens dieses Gottes wegen zukommt. Und der Kölner Kardinal Joachim Meißner betonte, dass nicht nur das christliche Menschenbild, sondern auch das christliche Gottesbild in den Mittelpunkt einer christlichen Partei gerückt werden müssen. Dieses ist allerdings in entscheidenden Punkten mit etwa dem Gottesbild der islamischen Theologie absolut unvereinbar.
Die nun sich wieder verschärfende Situation wurde zuvor schon so kommentiert: „Statt die Politik konsequent am aufklärerischen Leitbild des säkularen Staates auszurichten, war die Diskussion von zwei konträren Positionen geprägt, die als ‚ausländerpolitisches Kombipack‘ dafür sorgten, dass die Saat des Islamismus auf deutschem Boden hervorragend gedeihen konnte – ein wunderbares Beispiel für ‚deutsche Wertarbeit‘: Während der absurde Zwang zur Anpassung an eine ‚deutsche (christliche) Leitkultur‘ die Migrantenfamilien noch stärker in die kulturelle Isolation trieb, schuf die multikulturelle Beschwichtigungspolitik, die jede Form der grundlegenden Islamkritik als ‚Kulturimperialismus‘ missdeutete, die Freiräume für eine ungehemmte Islamisierung innerhalb der von westlichen Einflüssen weitgehend abgeschirmten Migrantenszene.“ Das erklärte Michael Schmidt-Salomon, Philosoph und kritisch-rationaler Humanist, bereits Jahre zuvor.
Obwohl die Analyse nichts von ihrer Gültigkeit verloren hat, setzen führende Persönlichkeiten in der deutschen Politik nun wieder verstärkt darauf, die deutsche – christliche Leitkultur – zu betonen.
Konkrete Auswüchse der irrationalen Überzeugungen, auf denen die religiös inspirierten Erklärungen der christlichen Politiker fußen, zeigen sich aber nicht nur im Konflikt mit den Überzeugungen von vielen Migranten.
Auch im Streit um die Zulässigkeit der sogenannten Präimplantationsdiagnostik äußern sich die fragwürdigen Ideen derzeit wieder verstärkt. Die Technik, welche Frauen mit Empfängnisproblemen helfen soll, mittels künstlicher Befruchtung gesunde Kinder bekommen zu können, wird von den religiösen Politikern verdammt: Bundeskanzlerin Merkel sprach sich deshalb nun dafür aus, diese genetischen Tests an Embryonen im Vier- oder Achtzellenstadium per Gesetz verbieten zu lassen. Hintergrund der zahlreichen Begründungsversuche ist die fragwürdige Meinung vieler Kirchenmitglieder, diese winzigen Zellhaufen wären bereits Menschen, die von einem göttlichen Funken beseelt sind.
Folgt das Verbot der Präimplantationsdiagnostik, würden daraus schwerwiegende Folgen für Frauen mit Mutterwunsch entstehen. Das Risiko, ungewollt Kinder mit schweren genetischen Schäden in die Welt zu setzen, würde sich dann drastisch erhöhen – und wahrscheinlich viele Mütter von einer Schwangerschaft abhalten.
Der religiöse Fundamentalismus in Deutschland nimmt zu, nun auch in höchsten Regierungskreisen. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte die Deutschen laut „Spiegel Online“ aber schließlich auch dazu auf, über ihre Werte und die zunehmende Entfremdung von Religion zu sprechen, um sich über ihr Land und ihre Gesellschaft zu vergewissern.















Na endlich sind wieder Menschen, die hier geboren worden, offiziell “fehl in Deutschland”. Atheisten, Buddhisten, Muslime, Hindus – alles raus, das ganze Pack! Man hätte eben bei den Juden nicht aufhören dürfen, so verstehe ich das. Am Ende gibt es nur noch Christen mit der Seehover-Merkel-Konfession. Das wird ein christliches Wunderland, ein wahrliches Märchenland.
Es könnte natürlich auch sein, dass jemand, der so gegen die eigene Bevölkerung hetzt, an der Staatsspitze und in der Politik überhaupt fehl am Platz ist.
Ich, und ich vermute damit bin ich nicht alleine, muss mich wirklich wundern über solch blauäugige Vorstellungen – kann man diese Menschen denn überhaupt noch ernst nehmen? Glauben Sie womöglich diesen Humbug, den sie das von sich geben, und falls ja, sind sie überhaupt dazu imstande mit der Verantwortung umzugehen, welche sie tragen?
Die Religion ist ganz eindeutig fehl am Platz, es wird wohl noch dauern bis sich die jetzige Lage ändert und die Generationen eine Stufe weiter sind, aber kommen wird es so, das ist so sicher wie dass Amen in der Kirche ;)
Prima. Und wenn man so die die Politmagazine verfolgt, findet diese unfassbare Aussage keinerlei Resonanz. Man macht sich Gedanken über den vermeintlichen oder tatsächlichen Rechtspopulimus und inwieweit die “christlich-jüdischen” Wurzeln des Staates durch den Islam gefährdet werden usw. Die Diffamierung eines Drittels der Bevölkerung interessiert anscheinend niemand, zumindest im öffentlich-rechtlichen. Ok, das die da mitunter gar kein Interesse haben ist bekannt. Zumindest die Rundfunkräte werden da schon ein paar Begrenzungen der Thematik vorgeben.
Ich weiß nicht inwieweit da ironische Meinungsäußerungen auf T-Shirts oä helfen können. Denn von allein, kümmern wird die Thematik nicht ins Bewusstsein gebracht.
Warnhinweis
Fragen sie ihren Arzt oder Apotheker:
Religion kann ihr objektives Wahrnehmen beeinträchtigen.
Religion kann ihrer Selbsterkenntniss im Wege stehen.
Sie sagte das auf dem Parteitag.
Meinte wohl “für den ist kein Platz in dieser Partei”!
Einfach zu bestimmen, das in der christlich demokratischen Partei nur das Menschenbild der Christen zählt.
Sie hat sogar verschwiegen, dass auch Angehörige anderer Religionen mit gleichen Ethik-Grundsätzen nicht ausgeschlossen sind. Das war gemein!
Diese böse Frau!