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Noch immer nicht mein Präsident

Säkulare Menschen und ihre Ideen prägen das heutige Deutschland. Bundespräsident Wulff leugnet das.

“Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.” Bundespräsident Christian Wulff beschwor gestern eine klare Haltung.

Nichtreligiöse Menschen, säkulare Ideen und Philosophien finden sich aus Wulffs Perspektive aber nicht im Kreis der bemerkenswerten Teile des Staates wieder. Obwohl in erster Linie Aufklärung und humanistische Haltungen zum Deutschland von heute führten, leugnet der deutsche Bundespräsident dies konsequent – ein Kommentar.

Christian Wulff legt es wirklich darauf an. Jedenfalls hoffe ich das, denn die Alternative lautet, dass ihm die Existenz von Atheisten in Deutschland wirklich nicht bekannt ist und dies wäre ein noch größeres Armutszeugnis. Schon wieder spricht er nur von Juden, Christen und Muslimen. Und am Ende macht er einen auf George W. Bush: “Gott schütze Deutschland”.

In seiner Rede zum Einheitsjubiläum hat Wulff mit seiner Benennung von “multikulturellen Illusionen” Thilo Sarrazin in Schutz genommen. Erinnert man sich daran, dass er deutlich genug dessen Rauswurf aus der Bundesbank forderte, kann man nur vermuten, dass Wulffs Sinneswandel mit der großen Unterstützung von Sarrazin in der Bevölkerung zu tun hat. Heuchelei, mit anderen Worten.

Heuchelei auch, wenn jemand wie Wulff das “Leben in Freiheit” und die “Vielfalt” betont, obwohl für ihn außerhalb der drei monotheistischen Religionen “unterschiedliche Lebensentwürfe” gar nicht existieren. Weder in früheren Reden, noch in dieser Rede, erwähnt Wulff die Konfessionsfreien mit einem einzigen Wort, obwohl sie ein Drittel der deutschen Bevölkerung ausmachen.

Kein Wunder, dass Wulff islamischen Religionsunterricht ausgerechnet zum Zwecke der Integration fordert, anstelle der Abschaffung des Religionsunterrichts an staatlichen Schulen für den “echten Zusammenhalt”. Sein Lob des “unverkrampften Patriotismus” trägt auch eher zur Abgrenzung der eigenen Gruppe von anderen bei.

“Risse in unserer Gesellschaft schließen”, das wünscht sich Wulff und meint Risse zwischen den intoleranten Monotheisten. Der Präsident aller Menschen, “die hier in Deutschland leben”, will er sein und ist dabei noch nie einem Konfessionsfreien auf deutschem Boden begegnet. Wenigstens muss ich Wulff unter diesen Umständen nicht als Präsidenten anerkennen.

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Diskussion - Bisher 11 Kommentare - Kommentar schreiben
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    Da Wulff formal Präsident aller Deutschen ist, ist er auch Präsident der muslimischen Deutschen. Das ist eine Selbstverständlichkeit. Da er dies betont, kann man sich fragen, ob er auch ihre Interessen vertreten will. Die Interessen einer Religion, die nicht gerade für die Werte Deutschlands steht, die er doch auch erwähnt. Welche Werte meint er eigentlich genau? Offenbar jene der Aufklärung.
    Ich finde, man kann aus dieser Rede gewisse Grundüberzeugungen von ihm ausmachen:

    - Werte kommen (unausgesprochen nur) aus der Religion.
    - Jeder Mensch braucht eine Religion, weil jeder Werte braucht.
    - Insofern haben auch Muslime eine gewisse Gotteserkenntnis und damit Werte. Es gibt dieses höchste Wesen, auf das wir uns verlassen können und müssen, und Muslime nennen es halt anders.
    - Es gibt eine eigentlich gute, wahre Interpretation des Islam wie auch eine gute, wahre Interpretation der Bibel bzw. des Christentums, aus denen die Menschenrechte (Nächstenliebe), Demokratie hervorgehen und hervorgegangen sind.
    - Gottlose können eine Gesellschaft nicht stützen oder voranbringen, weil sie keine Werte haben.
    - Wer nicht glaubt, weiß nur nicht genug über Religion, sonst würde/müsste er einsehen, dass es ohne Glaube keine begründeten Werte gibt.
    - Glaube ist vernünftig. Er ist das einzig Vernünftige.

    Sicher ist ihm die Existenz von Atheisten in Deutschland bekannt. Die angeführten Grundüberzeugungen erklären zwanglos den Inhalt seiner Rede.
    Diese Unwissenheit des Staatsoberhauptes und fast der gesamten politischen Führung im Land ist etwas beängstigend.
    Ich vermisse das Bekenntnis zu Wissenschaft, Menschenrechten und Aufklärung. Stattdessen preist er sich dem Aberglauben an.
    Als nach der Rede andere führende Politiker nach ihrer Meinung gefragt wurden, lief im Hintergrund gerade ein Magier im schwarzen Gewand (es war wohl ein katholischer Bischof) vorbei.
    Ich habe selten eine so inhaltsleere Rede gehört, die so viel Lob von Führern der Gesellschaft erntete.
    Einziger Wehrmutstropfen von Renate Künast: “…mir fehlten ein bisschen die Ecken und Kanten”.
    Ist er auch der Präsident der nicht integrierten Muslime? Der Präsident derer, die gegen seine Werte sind, und die ihn gar nicht wollen?
    Das hat er nicht gesagt. Es ist für ihn kein Widerspruch zu meinen, er vertrete die Interessen auch der Muslime (also einer Religion, die laut ihrem heiligen Buch Menschenrechte und Demokratie nicht achten), aber er bzw. der Staat/die Demokratie wehre sich gegen die, die sich nicht an die Verfassung und die Menschenrechte halten.

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    @ Siegbert
    Ich bin ja im Großen und ganzen Ihrer Meinung. Aber die “Nichtbefassung” des Bundespräsidenten mit dem säkularen/agnostischen/ atheistischen Teil seiner “Mitbürger” auf pures Nichtwissen zuückzuführen,hat mich jetzt doch etwas geärgert.Entweder Sie benutzen nur einen rhetorischen Kniff oder Sie sehen die Dinge doch etwas zu naiv.
    Ja was ist dann der wahre Grund? POPULISMUS natürlich!
    Auch wenn es Ihnen vielleicht weh tut:
    Nicht Sarrazin ist der Oberpopulist,denn ich glaube der hat geschrieben was er wirklich(privat)meint Unser Präsident aber ist schon von Amtes wegen Populist.Populist sein ist geradezu seine Aufgaben- beschreibung, denn er soll ja Präsident ALLER Deutschen sein!
    MfG
    litle Louis

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    Hallo ihr Undeutschen,
    Ihr gehört nicht dazu weil ihr weder an Gott noch an Jahwe noch an Mohamed glaubt. Ihr fragt womöglich nach warum der nächste evangelische Kirchentag in Dresden für sechs Millionen Euro von überwiegend konfessionslosen sächsischen Steuerzahlern bezahlt werden muß.
    Hier die Antwort:
    Bei der nächsten Wahl in Niedersachsen hätte Wulf verloren.
    Die CDU hat nach dem Ende des Kalten Krieges und der folgenden Wiedervereinigung mit der dazugehörigen Installation einer Infrastruktur im Osten einfach keine eigenen Ziele mehr ausser: nein die Ostgebiete sollen nicht zurückerobert werden ( siehe Frau Steinbach)das liegt daran daß die Vertriebenen Wähler immer Älter und Weniger werden.
    Wiedergewählt werden ist das Ziel und das geht nur mit einer wachsenden Wählergruppe.
    Ja genau die Muslime. Hier können gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden:
    -Muslimische Gruppe wächst und sollte sie an die Religiöse Partei ( rechts) gebunden werden können führt das zu Wahlsiegen. Das gilt übrigens auch für Links.
    -die Christlichen werden generell weniger und jetzt soll die wachsende Muslimische Gemeinde mit ins Boot der Kirchenprivilegien geholt werden in der Hoffnung, daß diese dann für eine Erhaltung eintreten und sich durchsetzen.
    -Kritik am Glauben ist beiden ein Dorn im Auge.
    Die Jungs wollen zurück ins Mittelalter

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    @Siegbert

    Es waren immer Menschen, die an irgend etwas geglaubt haben,
    welche die schrecklichsten Verbrechen in der Geschichte der
    Menschheit begangen haben – egal, ob sie an ihren Kommunismus, an ihren Nationalsozialismus oder an
    ihre erfundenen Göttchen geglaubt haben.

    Monotheistische Religionen mit ihren erfundenen Göttchen
    sind totalitäre System – und in totalitären Systemen gibt
    es keine Gerechtigkeit, sondern lediglich Anmaßung,
    Verblödung, Willkür, Diktatur und Terror.
    Unterjochung und Verblödung gehen immer Hand in Hand.
    Das wissen auch diejenigen, die politische Macht
    ausüben.

    Die Freiheit ist immer ein Resultat von Aufklärung -
    und nicht das Resultat von Verblödungs- und
    Unterjochungsreligionen. Deshalb ist Wulff auch
    nicht der “Präsident” aller Deutschen, sondern
    lediglich der “Präsident” aller derjenigen in
    Deutschland, die sich wieder eine Diktatur in
    Deutschland herbeiwünschen. Gerechtfertigt mit
    erfundenen Göttchen. Und so etwas brauchen und
    wollen wir nicht.

    Es lebe die Aufklärung!

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    @ Andreas Müller
    Schön wär`s – oder doch nicht so schön? In der “Repräsentativen” Demokratie müssen Sie (und ich)”unseren” Präsidenten nun mal auch dann anerkennen, wenn er unsere Weltanschauung aus taktischen Gründen ignoriert oder versucht, uns rhetorisch aus der Mitte der Demokraten an irgendeinen Rand zu schieben. Tun wir das nicht,tun wir ihm den allergrößten gefallen, weil wir uns von selbst auf den äußeren Rand des Kreises der Demokraten stellen d.h. uns von selbst ins Abseits begeben. Und von dort aus werden wir nur sehr schwer wieder zum Kern und zur Mehrheit der Bürger dieses Landes vordringen.
    Klar geht es bei seinem Sinneswandel bezüglich Sarrazin eventuell um Heuchelei, aber genauso um Populismus denn zumindest nach meiner Auffassung des Begiffes ist Poulismus nichts anderes als Heuchelei. Aber vorsicht:
    -Dann ist auch die Stuttgart 21- Wendung der BW-SPD Heuchelei/Populismus.
    -Dann sind auch die “Linken”, die ihre Kinder von der Migrationshintergrund- dominierten Schule nehmen Heuchler und Populisten.
    - Dann sind schließlich auch die Heuchler und Populisten, die einen Gert Wilders als populistischen Rechtsextremen verdammen,obwohl er zumindest in Bezug auf den Islam kaum etwas anderes sagt, als Sie, Andreas Müller(oder ich).
    -Dann …..(Sie finden sicher selbst one allzuviel Mühe noch weitere dazu passende Beispiele)
    Sie meinen,das sei “starker Tobak”? Mag sein, aber Aufklärung geht nun mal kaum, wenn man nur auf dem einen Auge scharf und kritisch sieht und auf dem anderen Auge die Realität nur diffus erkennt. Und schließlich schadet es unserer gemeinsamen Sache am allermeisten, wenn wir uns selbst fahrlässig (rhetorische) Leichen in den Keller legen, die unsere Gegner dann bei der nächsten Gelegenheit mit großem Getöse ans Tageslicht ziehen.

 
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