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Evolution auf YouTube: Wissenschaft vs. Aberglaube

Darwins Evolutionstheorie wies noch große Lücken auf. Gegner wissenschaftlicher Forschung nutzen das aus.

Fundamentalistische Christen und Muslime in Deutschland haben YouTube für sich entdeckt. Denn sachliche und wissenschaftlich korrekte Beiträge zum Thema Evolution finden sich dort kaum. Stattdessen ist es ein Tummelplatz für Menschen, die kreationistischen Aberglauben verbreiten. Wissenschaftliche Erkenntnisse der seriösen Forschung werden als Einzelmeinungen dargestellt oder mit rhetorischen Tricks umgedeutet. Das Ziel ist, gutgläubige Laien hinters Licht führen zu können. Denn besonders viele junge Menschen vertreiben sich auf YouTube ihre Freizeit. Nun greift ein Team von Experten der Evolutionsbiologie ein.

Deutschsprachige Videos mit reißerisch-plakativen Titeln wie “Die Evolutionslüge” erreichten bisher über 16.000 Aufrufe. Ein Kurzfilm, der die absurden Argumentationen des Ingenieurs und Kreationisten Werner Gitt veranschaulicht, hatte schon über 100.000 Zuschauer. Und es funktioniert: So bestärkt geraten unter dem Druck der mathematisch konstruierten Beweise weniger kenntnissichere Sympathisanten der wissenschaftlichen Evolutionstheorie in der Diskussion mit ihren religiösen Altersgenossen ins Hintertreffen. In zahllosen sowohl laienhaft wie auch professionell produzierten Videos werden unhaltbare Ansichten als Ergebnisse wissenschaftlicher Erkenntnis vermarktet, um den Wissensdurst naiver Zuschauer für religiöse Ideen auszunutzen.

Professor Ulrich Kutschera. Foto: X. Wang

Die Biologen vom Arbeitskreis Evolutionsbiologie, einer Expertengruppe im Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBiO),  kamen darum zu dem Schluss, dem aufklärungsfeindlichen und unwissenschaftlichen Treiben etwas entgegen zu setzen.

Professor Ulrich Kutschera, Vorstandsmitglied des Arbeitskreises, hatte im August diesen Jahres deshalb damit begonnen, wissenschaftlich fundierte Lehrfilme für Schüler, Studenten und Laien herzustellen.

Gemeinsam mit einem Team wissenschaftlicher Experten sind inzwischen drei von Kutschera und seiner Kollegin Lena Dörges eingesprochene und ansprechend illustrierte Videos entstanden. Die Ergebnisse räumen mit den populärsten Irrtümern über die Evolutionstheorie auf. Die Macher hoffen, so ein wissenschaftlich fundiertes Gegengewicht zur weit verbreiteten kreationistischen Propaganda in der Filmwelt von YouTube zu etablieren. Die Videos basieren größtenteils auf Kutscheras populärem Sachbuch “Tatsache Evolution”, das 2009 im Deutschen Taschenbuch-Verlag zum Preis von 14,90 Euro erschienen ist.

Im ersten Video mit dem Titel „Was ist Evolution?“ wird ein Abriss der wichtigsten Begriffe und Fakten in Bezug auf die Evolutionstheorie gebracht. Detailliert erläutert Kutschera welche Rolle Faktoren wie natürliche Selektion und Artbildung für die Evolution spielen.  Dann werden die wichtigsten hieb- und stichfesten Belege für die Evolutionstheorie unter dem Stichwort „Der Evolutionsbeweis“ zusammengefasst. Kutschera betont dabei, dass der Prozess Evolution selbst eine Tatsache ist, der durch die sich permanent weiterentwickelnde und wissenschaftlich überprüfbare Evolutionstheorie beschrieben wird.  Der erste Film mit einer Länge von zehn Minuten und dem Titel “Was ist Evolution?” kann bereits seit einiger Zeit auf YouTube abgerufen werden.

Die beiden neuesten Produktionen des Biologenteams stellen die Fragen „Was ist Kreationismus?“ und „Was ist Intelligentes Design?“ Beide Auffassungen ähneln sich. Sie lehnen die wissenschaftlich überprüfbare Evolutionstheorie ab und gehen davon aus, das Wirken eines Schöpfers sei für die Vielfalt der Arten verantwortlich. Laut Umfragen werden solche Ansichten von inzwischen 13 bzw. 25 Prozent der deutschen Bevökerung geteilt. Kreationisten glauben dabei im wortwörtlichen Sinne an den biblischen Schöpfungsmythos. Anhänger des Intelligenten Designs (ID) wiederum gehen von einem Gestalter mit göttlichen Eigenschaften aus, berufen sich aber nicht explizit auf religiöse Schriften. Dennoch wird auch Intelligent Design als nur eine weitere Variante des Kreationismus entlarvt, da auch diese These die wissenschaftlich bestens belegte Evolutionstheorie ohne stichhalte Widerlegung verwirft.

Die Thesen sowie Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden unwissenschaftlichen Erklärungsmodelle für die Entstehung der heute lebenden Arten werden in den beiden Videos präzise herausgearbeitet. Die Analyse ihrer Verbreitung konzentriert sich auf den deutschsprachigen Raum. Es werden auch Organisationen beschrieben, welche die pseudowissenschaftlichen Lehren als seriöse Evolutionsbiologie verkaufen wollen. Dabei verwenden die Kreationisten perfide Strategien, berufen sich auf vermeintliche Autoritäten und instrumentalisieren etablierte Institutionen für ihre Zwecke.

Der inhaltliche Schwerpunkt der Videos von Kutschera und seinen Mitarbeitern liegt allerdings bei den Behauptungen der Kreationisten und den Anhängern des Intelligent Design  und ihrer Widerlegung anhand von Fakten auf dem aktuellen Stand der Forschung. Kutschera kommt schließlich aus wissenschaftlicher Sicht zu einem Urteil: „Kreationismus ist keine Wissenschaft, sondern basiert auf unbewiesenden Mythen. Glauben heißt nicht Wissen.“

Auch die beiden neuesten Videos über Kreationismus und Intelligentes Design sind nun bei YouTube abrufbar.

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Diskussion - Bisher 10 Kommentare - Kommentar schreiben
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    Das Buch “Evolution – Ein Lese-Lehrbuch” ist wirklich zu empfehlen. Ich hatte es einmal in einer Buchhandlung etwas Probe gelesen und schnell waren knappe 2h vergangen ohne das ich es merkte. Also sehr schön geschrieben und entsprechend informativ.

    Generell muss ich aber sagen, dass es einfach viel zu wenig Informationsmaterial gegen diesen unwissenschaftlichen Humbug gibt, das in kompakter Form grundlegende Dinge richtig stellt. Also was ist generell eine Theorie, wie wird in der Wissenschaft überhaupt gearbeitet und wie kann man selbst Pseudowissenschaft von echter Wissenschaft trennen usw.

    Bei uns läuft demnächst die Veranstaltung “Die Schöpfung” von Walter Veith, bei der ich mir schon mal überlegt habe, wie man entsprechendes Material unterbringen könnte. Leider scheitert es aber schon daran, das entsprechendes Material nicht frei verfügbar bzw nicht in verständlicher Form verfügbar ist. Leider wollen die Leute sich meist nur von knackigen Begriffen einlullen lassen ohne dabei allzusehr mit Fakten belästigt zu werden. Wenn es dabei das eigene Weltbild stützt und die vermeintlich Schuldigen für Probleme entsprechend denunziert ist die Welt in Ordnung.

    youtube-videos sind ein guter und richtiger Schritt aber das allein reicht leider nicht. Nun kann man von Forschern nicht verlangen, dass sie sich neben ihrem eigentlichen Beruf auch noch mit der PR und der PR rumschlagen. Insofern gebührt Kutschera und Co ein besonderes Lob.

    Ich würde mich freuen, wenn da in der Zukunft mehr kommt.

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    Wenn man auf YouTube Evolution eintippt, findet man ein Video von ihnen schon auf der ersten Seite.

    Weiter so!!

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    Kreationismus entspringt nicht dem Interesse an der Natur, sondern ist ein hilfloser Versuch, nicht übereinstimmende Dinge zur Übereinstimmung zu bringen, um ein Weltbild nicht ändern zu müssen, das die eigenen Gefühle egoistisch überhöht. Kreationismus bietet keine eigene wissenschaftliche Theorie zur Erklärung von Beobachtungen und Zusammenhängen an, sondern kann sich nur der Mittel bedienen, die er aus dem Glauben kennt, nämlich Immunisierung vor Kritik, also das Gegenteil von Wissenschaft.

    Die Argumentation Werner Gittes mit den über 3000 vermeintlich erfüllten Prophezeiungen der Bibel sind auch bei kath.net einen Artikel wert gewesen:

    http://www.kath.net/detail.php?id=27913

    Interessant sind die auch sehr kritischen Kommentare dort dazu.

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    Ich denke das sich ateisten zuallererst den fehler erlauben gott nicht wenigstens im zweifel zu lassen. Sie strengen nicht ihr gehirn an und geben sich vollkommen der vernunft was eine vernachlässigung der moralischen und mit nächstenliebe verbundenen werte verursacht meistens. es ist sehr einfach zu sagen nicht an gott zu glauben – ich weiss zudem dass sich die meisten die diese seite gut finden sich viel zu wenig mit dem thema religion auseinandergesetzt haben. ich gebe hier am rande zB ein tipp:

    Evolution, Wissenschaft, Aufklärung und Gleichstellung zwischen mann und frau sind im islam kein widerspruch.
    ich weiss genau welche argumente man jetzt gegen mich nennen würde angefangen von den 99 peitschenhieben bei ehebruch usw. das ist nur der beleg dafür dass man sich mit religion nicht auseinandergesetzt hat und sich nicht darum bemüht hat universelle werte mit religion zu vereinen. ich bin jetzt schon seit 5 jahren intensiv an diesem thema dran und kann nur empfehlen sich vernunftorientierte religion anzueignen.dies soll keine missionierung zum islam sein. ich habe nur den beitrag zu meiner religion gemacht – das kann man mit dem christentum genauso machen man muss halt wirklich sein gehirn anstrengen mit mut und nächstenliebe…

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    Eddys Kommentar belegt, was ich geschrieben habe.

    Sein Kommentar lässt Schlüsse auf seine Vorstellung von Vernunft und Gott zu und demonstriert die Stärke und Macht von Immunisierungen gegen Kritik:

    Er meint, wenn ein Atheist von Vernunft redet, sei das nur eine auf das Materielle beschränkte Vernunft, und es könne darin nicht jene moralische Vernunft enthalten sein, die (für den Gläubigen) zwingend zu Gott gehört und führt. Weil der Aberglaube das Gute vereinnahmt und es Gott nennt, ist es für Eddy offenbar unvorstellbar, dass es auch Ungläubige gibt, die moralisch vernünftig denken und handeln.
    Aber nicht nur das. Für Eddy besteht Vernunft auch darin, Unvernünftiges nicht nur zuzulassen, sondern es über jede Vernunft zu stellen, insbesondere auch über die moralische Vernunft. Gott ist für ihn gut, egal wie fragwürdig die Offenbarungen in rationaler und moralischer Hinsicht sind. Glaube ist das Festhalten an dem Namen oder System, das man dem Guten einmal gegeben hat, da kann keine Vernunft daran mehr kratzen, weil sie sonst nicht gut wäre. Weil aber Vernunft irgendwie als gut empfunden wird, muss es so sein, dass Vernunft nicht dem Glauben widersprechen kann, und die Erkenntnisse der Wissenschaft oder die Humanität müssen vereinbar mit dem Glauben sein. Es kann gar nicht anders sein. Da ist der christliche Gott auch gerne mal im Grunde identisch mit Allah, und alle sonstigen wesentlichen und differenzierenden Glaubensinhalte sind kurzzeitig vergessen.

    Ich bin dankbar für solche Antworten auf meine Kommentare. Meinen vorhergehenden Kommentar habe ich bewusst etwas provokativ und unverblümt gehalten. So erhalte ich neue Anregungen und kann noch mehr lernen.

    Wenn Eddy sich ein paar Jahre mit dieser Thematik befasst hat und deshalb mir gegenüber meint, eine gewisse Übersicht und Kompetenz zu haben, so empfinde ich das wie wenn ein frisches Sektenmitglied einen Aussteiger anwerben will, der in der Sekte aufgewachsen ist.

    So wie man aus der Schöpfung erkennen kann, dass die Welt natürlich ist und ein Schöpfer kein sinnvolles Konzept ist, um z. B. die Photosynthese zu verstehen, so kann man aus dem moralisch vernünftigen Anteil des Glaubens erkennen, dass Gott kein sinnvolles Konzept ist, die menschliche Psyche zu heilen.

    Es ehrt Eddy, wenn er ein humanes Gottesbild hat, denn es ist ein Ausdruck seines eigenen Charakters. Andere Anhänger sagen auch mal gerne “Wenn Gott das Töten befiehlt, ist es gut”. Es geht aber nicht nur um physische Unversehrtheit oder physisches Wohlbefinden, sondern das Leben ist mehr. Und gerade in diesem Mehr ist der Glaube so schädlich und gefährlich, weil die Immunisierung vor Kritik so mächtig ist, dass auch die intelligentesten Menschen darin gefangen bleiben können. Das Perfide ist, dass sie sich selbst instrumentalisieren, um sich gefangen zu halten. Der Kommentar von Eddy reiht sich hier auch ein.

    Mit “Gehirn anstrengen” und auch moralischer Vernunft kann man dies alles herausfinden, belegen und nachvollziehen.Ich finde das unheimlich faszinierend, schön, befreiend und befriedigend.

 
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