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Dawkins: Nazi-Vergleich von Papst ist "verachtenswert"

Richard Dawkins hat zum Nazi-Vergleich des Papstes Stellung bezogen. Der Papst hatte in seiner Rede auf dem britischen Königssitz von “aggressiven Formen des Säkularismus” und “atheistischem Extremismus” im heutigen England im Zusammenhang mit der Behandlung der Kirche während der Nazi-Zeit gesprochen.

Als einer der ersten reagierte Richard Dawkins auf den wohl brisantesten Abschnitt der Ansprache auf der Internetseite einer nach ihm benannten Stiftung. Dort war zuvor eine Mitschrift der umstrittenen Papstrede veröffentlicht worden.

Oxford-Professor Richard Dawkins war “not amused”. Die Erklärungen des Papstes bezeichnete er als verachtenswert und empörend. Er betonte, dass Hitlers politische Philosophie nicht atheistisch war und keine Verbindung zum Atheismus hatte.

“Hitler war vertretbarerweise (und nach eigenen Angaben) ein Mitglied der katholischen Kirche.” Er wies weiter darauf hin, dass der wahnsinnige Diktator die offene Unterstützung von vielen der ranghohen katholischen Geistlichen in Deutschland und die weniger demonstrative Unterstützung von Papst Pius XII. hatte.

“Selbst wenn Hitler Atheist gewesen wäre, und er war mit Sicherheit keiner: die einfachen Soldaten, welche die versuchte Vernichtung der Juden ausführten, waren Christen, beinahe bis auf den letzten Mann. Entweder katholisch oder evangelisch, instruiert für ihren Antisemitismus durch Jahrhunderte katholischer Propaganda über ‘Christus-Mörder’ und durch Martin Luthers eigenen brodelnden Hass auf die Juden.”

Während der Zeit der Nazi-Diktatur waren noch über 95 Prozent der deutschen Bevölkerung Mitglied in einer der Kirchen. Er schrieb weiter: “Ratzingers Mitgliedschaft in der Hitlerjugend zu erwähnen mag als schmutzige Form der Auseinandersetzung betrachtet werden, aber mein Gefühl ist, dass die Samthandschuhe nach diesen schändlichen Äußerungen des Papstes abgelegt wurden.”

Der 14-jährige Joseph Ratzinger wurde 1941 in die Hitlerjugend zwangsrekrutiert und befand sich am Kriegsende kurzzeitig in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft.

Nicht nur der Nazi-Vergleich des Papstes löste Unmut in Dawkins aus, sondern auch die “Unterwürfigkeit” britischer Politiker und die unkritische Berichterstattung des britischen Fernsehens gegenüber dem erzkonservativen Pontifex.

Dawkins rief in seiner Stellungnahme schließlich dazu auf, jede britische Zeitung mit Protestbriefen einzudecken. Den Papst nannte er einen “abscheulichen Mann” und schloss: „Ich dachte, er wäre vorher schon schlimm gewesen. Aber dies setzt dem Ganzen den Deckel auf.“

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