
Verglich Atheismus mit der Nazi-Tyrannei: Papst Benedikt XVI. bei seiner Rede in Holyrood, Edinburgh. Foto: picapp.com
Eine drastische Warnung vor nichtreligiösen Gesellschaften hat Papst Benedikt XVI. kurz nach dem Beginn seines Staatsbesuchs in England formuliert. In einer Rede stellte er atheistische und säkulare Bewegungen in eine Reihe mit der Nazi-Tyrannei.
Man dürfe niemals vergessen wie der Ausschluss eines Gottes, der Religion und keuscher Tugendhaftigkeit von der Öffentlichkeit unweigerlich zu einem verstümmelten Menschenbild führe, meinte der einstige Joseph Ratzinger. Die British Humanist Assocation spricht von einer üblen Verunglimpfung.
In seiner Rede vor der britischen Königin auf dem Sitz des Königshauses in Holyrood (Edinburgh) warnte der katholische Kirchenführer vor “aggressiven Formen des Säkularismus und atheistischem Extremismus”.
Zum Abschluss seiner Ausführungen über die Zeit des Nationalsozialismus forderte Ratzinger die britische Staatsführung dazu auf, über die “ernüchternde Lektion” des atheistischen Extremismus im 20. Jahrhundert nachzudenken.
Ratzinger sagte auch, noch zu den Lebzeiten könne man sich an den Widerstand Britanniens und ihrer Führer gegen die Nazi-Tyrannei erinnern, welche “Gott aus der Gesellschaft auslöschen” wollte und die gemeinsame Menschlichkeit mit vielen anderen, besonders den Juden, ablehnte.
Anlässlich des Papstbesuchs in England haben säkulare und humanistische Organisationen zu Protesten und Demonstrationen gegen die Politik des Vatikan aufgerufen. Sie forderten, Joseph Ratzinger müsse sich der Verantwortung für die menschenunwürdige Politik der katholischen Kirche stellen. Die Proteste der Papstkritiker umfassen zahlreiche Punkte, in denen die konservativen Positionen des Vatikan angegriffen werden.
Es ist nicht die erste Äußerung, in welcher der Papst höchst fragwürdige Erklärungen abgab. Auf dem Weltjugendtag in Madrid rund einen Monat vorher meinte er zu den Tausenden Jugendlichen: Eine gottlose Welt wäre von Egoismus und Hass geprägt.
Die Gesellschaft sei auf Werten des Evangeliums gegründet, betonte er und verwies auf die Begriffe der Menschenwürde, Solidarität, Arbeit und Familie. Diese hätten ein christliches Fundament, das nicht geleugnet werden dürfe. In westlichen Ländern herrsche heute aber vor allem eine „Gottesfinsternis“. Mit seinem Nazi-Vergleich hat er sich nun erneut übertroffen.
Dementsprechend erhob sich auch umgehend scharfer Widerspruch von den humanistischen und säkularen Organisationen im Vereinigten Königreich.
“Der Hinweis, dass es der Atheismus der Nazis gewesen sei, welcher zu ihren extremistischen und hasserfüllten Überzeugungen führte oder dass es irgendwie Intoleranz im heutigen Großbritannien nähre, ist eine üble Verunglimpfung derjenigen die nicht an einen Gott glauben”, nahm die British Humanist Association Stellung zu den Äußerungen des Papstes.
Die Argumentation des Papstes ist “surreal”, stellte die BHA fest.
Der atheistische Oxford-Professor Richard Dawkins nannte die Äußerungen des Papstes “verachtenswert” und wies auf den religiös verankerten Judenhass der damaligen Deutschen hin.
Der Papst, so Richard Dawkins, sei ein abscheulicher Mann und er fügte hinzu: “Mein Gefühl ist, die Samthandschuhe wurden nun abgelegt.”
Die US-amerikanische Catholic League fügte dem kruden Vergleich des Papstes indes noch eine besonders drastische Erklärung hinzu.
Sie fordert von “radikalen Atheisten” wie den Mitgliedern der British Humanist Association, diese müssten sich für die Verbrechen entschuldigen welche von Adolf Hitler, Josef Stalin und Mao Tse Tung im Namen des Atheismus begangen worden wären.



















Wie verlogen die Argumentation des Herrn Ratzinger gerade bezüglich des Verhaltens der doch so gottergebenen Kirchen im Nationalsozialismus war, lässt sich an unzähligen Beispielen zeigen.
Bekannt ist das offenbar gleichgültige, manche Historiker sprechen sogar von einem stillschweigend zustimmenden Schweigen von PAPST PIUS XII. (1876-1958) während der nationalsozialistischen Herrschaft zu den Verbrechen, für die Auschwitz als Symbol steht. (Hitler belohnte die katholische Kirche dafür mit dem noch heute gültigen und weidlich genutzten Konkordat.) Kaum bekannt ist, dass die evangelischen Landesbischöfe und Landeskirchenpräsidenten von Sachsen, Hessen-Nassau, Mecklenburg, Schleswig-Holstein, Anhalt, Thüringen und Lübeck am 17.12. 1941 sich mit folgender Erklärung eindeutig hinter das nationalsozialistische Programm der Judenverfolgung stellten:
“Die nationalsozialistische deutsche Führung hat mit zahlreichen Dokumenten unwiderleglich bewiesen, daß dieser Krieg in seinen weltweiten Ausmaßen von den Juden angezettelt ist. Als Glieder der deutschen Volksgemeinschaft stehen die unterzeichneten deutschen Evangelischen Landeskirchen und Kirchenleiter in der Front dieses historischen Abwehrkampfes, der unter anderem die Reichspolizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden als der geborenen Welt- und Reichsfeinde notwendig gemacht hat. Schon Dr. Martin Luther erhob nach bitteren Erfahrungen die Forderung, schärfste Maßnahmen gegen die Juden zu ergreifen und sie aus deutschen Landen auszuweisen. Von der Kreuzigung Christi bis zum heutigen Tage haben die Juden das Christentum bekämpft oder zur Erreichung ihrer eigennützigen Ziele missbraucht oder verfälscht. Durch die christliche Taufe wird an der rassischen Eigenart des Juden, seiner Volkszugehörigkeit und seinem biologischen Sein nichts geändert. Eine deutsche evangelische Kirche hat das religiöse Leben deutscher Volksgenossen zu pflegen und zu fördern. Rassejüdische Christen haben in ihr keinen Raum und kein Recht. Die unterzeichneten deutschen Evangelischen Kirchen und Kirchenleiter haben deshalb jegliche Gemeinschaft mit Judenchristen aufgehoben. Sie sind entschlossen, keinerlei Einflüsse jüdischen Geistes auf das deutsche religiöse und kirchliche Leben zu dulden.” (Quellen: Karlheinz Deschner: Abermals krähte der Hahn – eine kritische Kirchengeschichte von den Anfängen bis zu Pius XII. 3. Auflage, Stuttgart 1968, hier S. 461f. Auch in: Gerhard Czermak: Christen gegen Juden. Hamburg 1997, S. 338/39 oder: Joachim Kahl: Das Elend des Christentums. Reinbek b. Hamburg 1993, S. 51.)
Zitiert aus:
Uwe Lehnert: Warum ich kein Christ sein will, 3. Auflage.
http://www.amazon.de/Warum-kein-Christ-sein-will/dp/3939520705/ref=sr_1_1/277-8971126-8307769?ie=UTF8&s=books&qid=1248087825&sr=1-1
„Als 1941 die ´Endlösung der Judenfrage´ beschlossen wurde, forderte die Kirchenkanzlei der Deutschen Evangelischen Kirche die Kirchenbehörden dazu auf, ´geeignete Vorkehrungen zu treffen, dass die getauften Nicht-Arier dem kirchlichen Leben der deutschen Gemeinden fernbleiben´.“
Hartwig Weber: Lexikon Religion. Rowohlt, S. 186
Der Papst spricht für die katholische Kirche. Aber Hitler war auch kein Atheist und auf beispielsweise den Koppelschlössern der Soldaten stand definitiv “Gott mit uns”.
Eine schöne, ausgewogene und nicht pauschal anti-klerikale Schilderung der Verbindung von Kirchen und Nationalsozialismus findet sich auch in Christopher Hitchens: Der Herr ist kein Hirte.
Sich als oberster Vertreter eines Kultes, der seit fast 2000 Jahren den Gottesmord der Juden predigt (seit Paulus bis 1965) und einen wesentlichen Beitrag zur Durchsetzung einer ganzen Kultur mit Antisemitismus geleistet hat, zu erdreisten, ein Unrechtsregime, welches der eigene Kult unterstützt hat, zu vergleichen mit dem Bestreben, eine säkulare, humanistische Gesellschaft zu schaffen … das erfordert Chuzpe!
Hallo Mario Kunster,
der Papst spricht oft auch für das Christentum und für “die Religionen”. Dass auch die RKK im Glashaus sitzt, wenn sie unverschämterweise “den Atheismus” für die Verbrechen des Dritten Reichs verantwortlich macht, zeigt u.a. die folgende Zitatesammlung:
http://www.reimbibel.de/Kirche-im-Dritten-Reich.htm .