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FAZ: Der Sarrazin-Thesencheck

„Intelligenz von Menschen und Ethnien – Was ist dran an Sarrazins Thesen?“, fragt heute die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Heiner Rindermann und Detlef Rost, beide Psychologen, prüften die Befunde und Analysen in Thilo Sarrazins umstrittenem Buch „Deutschland schafft sich ab“.

Vorweg erklären sie, dass im Umgang mit den angesprochenen Themen besondere Sorgfalt in Forschung und Begrifflichkeit geboten ist. Es besteht die Gefahr der Stereotypisierung, betonen die Forscher. Sie warnen vor der von individuellen Merkmalen unabhängigen Übertragung negativer Attribute auf einzelne Menschen. Sie stellen damit erneut klar, was jedem offensichtlich sein müsste: Statistische Befunde lassen sich nicht blind auf einzelne Mitglieder einer Gruppe übertragen.

Der Psychologe Heiner Rindermann ist vorwiegend im Bereich der Bildungsforschung tätig. Nachdem er seit September 2007 eine Professur für Evaluation und Methodik der Entwicklungspsychologie der Universität Graz inne hatte, ist er seit April 2010 als Professor für Pädagogische und Entwicklungspsychologie an der Technischen Universität Chemnitz tätig. Seine Forschungsinteressen bewegen sich zwischen Human-, Sozial- und Geisteswissenschaften.

Bekanntheit erlangte Heiner Rindermann unter anderem durch seine Aktivitäten im Bereich der Intelligenzforschung. In seinen Arbeiten zog er den Schluss, dass Schulleistungen teilweise auch auf genetische Ursachen zurückzuführen sind. Öffentliche Kritik widerfuhr ihm als er Ende 2007 im Interview mit Deutschlandradio Kultur von genetischen Unterschieden „zwischen den Rassen, wenn man diesen Begriff wählt, also zwischen Weißen, zwischen Schwarzen und zwischen Asiaten als die drei Großgruppen“, sprach. Zwei Ethnologinnen und Afrikanistinnen warfen ihm in einer Presseerklärung Rassismus vor. Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie, eine Fachvereinigung von bundesweit rund 2500 anerkannten Wissenschaftlern, stellte sich hinter Rindermann und erklärte, dass es sich bei Rindermanns Aussagen um „wissenschaftlich einwandfreie und seriöse Äußerungen handele.“

Der Psychologe Detlef Rost besetzt seit 1981 eine Professur für Psychologie an der Universität Marburg, zudem hat er weitere Lehr- und Forschungsaufträge inne. Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Hochbegabungsdiagnostik und Hochbegabtenberatung. Außerdem initiierte er das Marburger Hochbegabtenprojekt (MHP), welches für eine der größten Längsschnittstudien zur Entwicklung Hochbegabter und Hochleistender in Europa bekannt wurde.

Bemerkenswert differenziert sei Sarrazins Argumentation mit Blick auf den psychologischen Fachbereich, erklären die beiden Psychologen in ihrer Untersuchung. Nennenswerte Fehler in seinen Quellenangaben und Berechnung hätten sie nicht finden können. „Obwohl fachfremd, scheint Sarrazin das, was er in psychologischen Fachbüchern gelesen hat, im Wesentlichen verstanden zu haben“, bilanzieren sie und stellen fest: „Sarrazins Buch ist im Grunde genommen eine Art bürgerlicher Kampfschrift für Stabilität und Disziplin, Eigenverantwortung und Leistungsprinzip, Realismus und Pragmatismus, Erziehung und Fleiß.“

Ausführlich fokussierten sie ihre Untersuchung anschließend auf fünf von Sarrazins intelligenz- und bildungsbezogenen Hauptthesen. Das Fazit von Rindermann und Rost lautet schließlich, dass in psychologischer Hinsicht Sarrazins Thesen „im Großen und Ganzen mit dem Kenntnisstand der modernen psychologischen Forschung vereinbar“ sind. Schwerwiegende Fehlinterpretationen hätten die beiden Wissenschaftler aus der Fachperspektive heraus nicht gefunden.

Seine Vorschläge werden als „vernünftig“ und wenig neu beurteilt. Allerdings weise das deutsche Bildungssystem im internationalen Vergleich keine extremen Defizite auf, zudem dürfe man sich keinen Machbarkeitsillusionen hingeben: “Es gibt Grenzen der Förderung, letzten Endes muss immer die betreffende Person selbst lernen und selbst denken.“ Am Schluss betonen sie: „Die Frage der Gene ist hier von nachgeordneter Bedeutung, zudem eine stärkere genetische Verankerung nicht automatisch Unveränderbarkeit bedeutet.“

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Diskussion - Bisher 25 Kommentare - Kommentar schreiben
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    Eben. Wobei Rindermann und Rost viel Vertrauen in den kulturellen Anteil haben, obwohl, wie sie selbst sagen, 50-80% der Intelligenz vererbt sind. Es gibt Gegenargumente, die eher auf die Bedeutung der Vererbung hinweisen. Aber es ist eine Position, die durchaus von Intelligenzforschern vertreten wird. Das wäre eine Seite dieser Debatte.

    Bin schon gespannt, wie die PC-Fraktion darauf reagieren wird. Wenn sie nicht (noch mehr) wie totale Volltrottel dastehen wollen, unterlassen sie besser Nazi-Vergleiche.

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    Interessant ist, dass die Macher der Studie über Sarrazin 2007 auch schon mit dem Rassismus-Vorwurf konfrontiert wurden, der immer noch – genau so – im Netz steht.

    Heißt es nicht: “Gleich und gleich gesellt sich gern?”?

    Der Kabarettist Wilfried Schmickler hat dazu treffliches gesagt:

    http://www.klaus-baum.info/2010/09/07/wilfried-schmickler-thilo-sarrazin-der-soziale-brandbeschleuniger

    …hier findet man es, und einen Kommentar von Klaus Baum mit dazu ;-)

    Übrigens, Thilo Sarrazin ist auch in Arbeitslosenhasser-Kreisen kein Unbekannter – mehr dazu unter http://www.nachdenkseiten.de heute – Punkt 14 ff.

    Gruß
    Bernie

    PS: Kritik am Islam, oder Islamismus, halte ich für statthaft, aber man sollte sich nicht dazu versteifen in pure Islamfeindlichkeit zu verfallen. Der Islam hat, wie jede Religion, gute und schlechte Seiten. Michael Schmidt-Salomon hat dazu ja schon interessantes verfasst in “Jenseits von Gut und Böse” – Ich meine den Punkt mit “In- und Outgroup”. Nichts anderes finde ich, erfährt man bei der Sarrazin-Debatte, alle die Sarrazin gut finden sind eine “Ingroup” im Schmidt-Salomonschen Sinnen, die die ihn schlecht finden gehören eben für seine Befürworter zur “Outgroop”, die man diffamiert. Schmidt-Salomon hat es, wie schon geschrieben sehr treffend beschrieben….Sarrazin übrigens mag vielleicht kein Nazi sein, aber ein Menschenfeind ist er sicher, der Arbeitslosen weder Heizung noch Nahrung gönnt – Siehe hierzu Nachdenkseiten Punkt 14 ff. heute, und genau der Punkt ist warum ich von so einem “Elite”vertreter kein Buch kaufe…..ich hasse Menschenfeinde, und Sozialrassisten (soziale Apartheid ist ein Begriff, der in Südafrika für Sarrazin treffend beschreibend erfunden wurde – mal um von der Moslem-Thematik loszukommen. Sarrazin ist ein “Elite”-Mensch, der HartzIVlern kein HartzIV gönnt, aber selber von Buchtantiemen, und evtl. einer fetten Pension, schmarotzen darf – In seiner Sprache ein “Parasit”. Sein Buch lesen? Nein, danke, der soll lieber selber erst einmal Hartz IV konsumieren, bevor er Menschen wie mir weder warme Heizung, Nahrung usw. gönnt.

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    Wenn ich es richtig verstehe, versucht hier jemand Sarrazin zu verteidigen, und zwar unter Berufung auf zwei Wissenschaftler. Diese Berufung klingt ein wenig nach Becketts Monolog, den er Lucky in Waiting fpr Godot sprechen läßt: Aufgrund der sich aus den öffentlichen Forschungen von Poincon und Wattmann ergebenden Existenz eines persönlichen Gottes, der aus der Höhe … aus der Höhe uns gern hat bis auf einige Ausnahmen kwakwakwakwa. ……….
    Dann wird im obigen Text Rost zitiert: „Sarrazins Buch ist im Grunde genommen eine Art bürgerlicher Kampfschrift für Stabilität und Disziplin, Eigenverantwortung und Leistungsprinzip, Realismus und Pragmatismus, Erziehung und Fleiß.“

    Dazu möchte ich sagen: Ich war Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes, habe mit 1,0 mein erstes Staatsexamen abgeschlossen und mit dann noch mit summa cum laude promoviert. Das alles hat sehr viel an Stabilität, Disziplin, Eigenverantwortung und Leistung erfordert, das hilft einem aber nichts, wenn die Länderregierungen zum Beispiel (es war um 1985) keine Lehrer mehr einstellen, also sämtliche Neueinstellungen blockieren. Und dann gibt es noch eine andere Erfahrungen: Sehr viel Mittelmaß hat allerorten Posten inne, die sofort die böse Konkurrenz wittern, wenn man sich ihnen nähert.
    Was Sarrazin schreibt, ist unter den gegenwärtigen Bedingungen des Arbeitsmarktes abslolut falsch kontextuiert und deshalb für mich persönlich unerträglich.

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    Schade, dass man seine Texte nachträglich – nach dem Veröffentlichen – nicht mehr korrigieren kann.

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    Zu “klaus baum:
    Mann, Mann, Mann!-(Ausdruck resignierter Verwunderung) Sie stellen gleich zu Beginn Ihres Textes fest, dass jemand Ihren Hassgegner verteidigt. Und dann auch noch zwei Wissenschaftler.Igitt-igitt-igitt. Und das mit Ihrer “summa cum laude” Promotion und einem 1.0 Examen. Das verwirrt mich jetzt doch ein bisschen (äh-Bisschen):Ein promovierter Wissenschaftsfeind? Das kann eigentlich doch nur ein Theologe im Fach Dogmatik sein. Was hat Ihre Kritik an Lehrereinstellungen (die ich durchaus verstehen kann), mit der Stringenz /Bedeutung von Forschungsergebnissen zu tun?
    Aber vielleicht liegt`s ja an meiner universellen geistigen Durchschnittlichkeit(Kleines Späßle), dass ich nicht so recht verstehe, was es bedeutet, dass Sarr. sein Buch “falsch kontextuiert” hat.
    Solldas etwa heißen, er hat Recht, solle es aber lieber für sich behalten und im Kontxt seines eigenen Geistes belassen, damit niemand aus seinem ja so gut gemeinten Wolkenkuckucksheim aufwacht. Eine wahrhaft kritisch- aufklärerische Ansicht wäre das.
    Sorry, hab mich jetzt selbst zu einem etwas polemischen Stil hinreißen lassen.Es war aber in gutgemeinter,pädagogischer Absicht.

    Und jetzt zu “Bernie”:

    Kritik ja – Islamfeindlichkeit nein. Wie soll das genau gehen? Ist Ihnen nicht bekannt, dass Religionsdogmatiker und oft auch liberalere Theologen/Prediger das Totschlagargument “Islamfeindlichkeit/Religionsfeinlichkeit” zur billigen Immunisierung ihrer Pösition gegen unliebsame Kritik benutzen? Lesen Sie mal bei Karl Albert oder(Richard) Dawkins nach. Dass ich meine Religionsfeindlichkeit kritisch/argumentativ begründe ist für mich eine Selbstverständlichkeit.Aber es gilt auch: Keine Toleranz den totalitären Feinden der Toleranz und der Freiheit!
    Und noch etwas: Die In-group/out-Group Situation im Fall Sarrazins einfach beleglos im eigenen Sinne umzudrehen, ist schon ein starkes Stück (an Ignoranz).Ich wäre gespannt, was M.S.- Salomon zu Ihrer Rezeption seines Textes sagt. Ich kann mich nur erinnern, dass er bezüglich Folgerungen (aus seinen “Jenseits von…” Gedanken für die praktische Politik auf weitere, zukünftige Veröffentlichungen verweist. Aber vielleicht habe ich auch etwas verpasst.
    Was die beiden Nachdenkseiten -Chefautoren betrifft, bin ich von deren bisherigen Äüßerungen (zu Sarr.) enttäuscht.Soviel (berechtigte)kritische Analyse bei Themen wie “Bertelsmann” “Meinungsmsche” und Neoliberalismus und dann so viel emotionale Stimmungsmache und Pauschalkritik beim Thema “Sarrazin.”
    Aber vielleicht ist einfach wieder mal der Herdentrieb mit ihnen durchgegangen- das soll auch bei vernunftgeleiteten kritischen “Linken” (zu denen ich mich auch zähle) gelegentlich noch vorkommen.
    Abschließend urteilen kann ich allerdings erst, wenn ich mehr “Nachdenkseiten” gelesen habe.Übrigens, würde es Sie nicht auch interessieren, was Herr Wolf zu Rindermann und Rost zu sagen hat?

    Mit freundlichen Grüßen,

    little Louis

 
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