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Was würdest Du mit 20 Millionen machen?

Diese spannende Frage stellt seit kurzem die englische Internetseite “20million.org”. Die Besucher der Seite werden aufgerufen, über Twitter konstruktive Vorschläge zu machen, wie die enorme Summe von 20 Millionen britischer Pfund wohl am sinnvollsten verwendet werden könnte. Denn mindestens soviel wird der Besuch von Joseph Ratzinger, dem Papst der katholischen Kirche, die britischen Steuerzahler kosten. Fast alle Stimmen plädieren dafür, das Geld in Bildung, Forschung oder karitative Zwecke zu investieren. Und viele Teilnehmer meinen, Aufklärung über die fragwürdigen Überzeugungen des Papstes hätten für das britische Volk und die Welt den größten Nutzen.

Der Staatsbesuch von Papst Benedikt XVI., früher bekannt als Joseph Ratzinger, im britischen Königreich zwischen dem 16. und 19. September wird mit umgerechnet mindestens 24 Millionen Euro im britischen Haushalt zu Buche schlagen, weitere Sicherungskosten ausgenommen. Viel Geld der britischen Bevölkerung, das ebenso in sinnvolle und nachhaltige Projekte investiert werden könnte. Auf 20million.org werden darum am laufenden Band die neuesten Ideen der Teilnehmer am linken Rand der Internetseite eingeblendet.

http://www.million-pound.co.uk/

So sieht eine Million Pfund aus. Der Papstbesuch wird zwanzigmal soviel kosten. (Foto: million-pound.co.uk)

In den letzten Monaten gab es bereits diverse Protestaktionen säkularer Verbände gegen die größtenteils durch Steuergelder finanzierten Papstreise in das Vereinigte Königreich. Die Vertreter heißen das Oberhaupt der katholischen Kirche zwar grundsätzlich willkommen, kritisieren aber vehement die enormen Ausgaben für die Sonderrolle des Papstbesuches. Ein Staatsbesuch sei für Joseph Ratzinger nicht angemessen, da der “Heilige Stuhl” ein “Fake-Staat” sei, meinte etwa Andrew Copson von der britischen Humanistenorganisation BHA. Viele Menschen sind zudem der Überzeugung, dass Ratzinger als Kirchenoberhaupt und erster Mann im Vatikan für viele inhumane Zustände auf der Welt verantwortlich ist. Wenn der Papst England besuchen möchte, sei ein privater Besuch die angemessene Form. Schließlich, so Copson, ist er ein Bürger der Europäischen Union.

Neue kreative Ideen zur Verwendung der Millionen werden nun beinahe sekündlich über Twitter auf die Seite 20million.org übermittelt und dort am linken Rand eingeblendet. Immer wieder liest man Stimmen, die das Geld lieber für wohltätige Zwecke, Bildung oder Forschung spenden würden. Die meisten Twitterer aber glauben, Aufklärungskampagnen über die streitbaren Äußerungen des Bischofs von Rom oder gar das Amtsende desselben würden dem britischen Volk und der Welt am allermeisten nutzen.

Umfragen zufolge haben vier von fünf Briten “keinerlei persönliches Interesse” am Besuch des Pontifex. Ein Drittel der Briten teilt sogar die Ansicht, dass der Papstbesuch Großbritannien nichts Gutes bringe, während 29 Prozent das Gegenteil glauben. Drei von vier Briten meinen, dass der Steuerzahler die Papstreise nicht finanzieren sollte. Der Staat soll mit zwölf Millionen Pfund den Löwenanteil der anfallenden Kosten tragen, den Rest des Geldes wird die Kirche beisteuern. Die Kirchenkritiker Christopher Hitchens und Richard Dawkins hatten zudem bereits kurz nach Bekanntgabe des geplanten Papstbesuches erklärt, dass sie den Papst in England für seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zusammenhang mit der Vertuschung von Missbrauchsfällen verhaften lassen würden, sofern das rechtlich möglich wäre.

Über diesem Bild des Papstes werden auf 20million.org seine Zitate wie: "Mission ist nicht optional" oder "Die Ehe ist alternativlos" eingeblendet.

Ein großes Bild von Papst Benedikt mit geöffneten  Armen prangt auf der rechten Seite von 20million.org. Darüber werden abwechselnd verschiedene fragwürdige Zitate des  aktuellen Pontifex eingeblendet, beispielsweise: „Homosexualität hat eine starke Tendenz zum intrinsischen Bösen“, oder „Kondome verschlimmern das AIDS-Problem“. Auch das „Verbrechen Abtreibung” und die „elementare Leidenschaft“ Rockmusik werden an dieser Stelle von Benedikt mit scharfen Worten verurteilt.

Die Tickets für die geplanten großen Gottesdienste mit dem Papst verkaufen sich bisher nur  schleppend. In vielen Großdiozösen wurden bisher nur ein Viertel bis ein Drittel des Bestandes verkauft. Die Papstmesse in Liverpool musste mangelns Interesse der Gläubigen bereits abgesagt werden. Nur in Großsstädten wie London oder Birmingham verkaufen sich die Tickets, die bis zu 25 Pfund (ca. 30 Euro) kosten können, gut. Die neu eingeführten Gebühren für den Papstbesuch kommen bei den Gläubigern nicht gut an. Ein Sprecher der katholischen Kirche gibt sich trotzdem zuversichtlich: “Wir sind sicher, dass wir volle Kapazitäten erreichen. Wir erwarten, dass riesige Menschenmengen kommen, um den Papst zu sehen.”

Den Plänen von Richard Dawkins und Christopher Hitchens zur Festnahme des Papstes wurden derweil vom für den Papstbesuch zuständigen Polizeipräsidenten Meredydd Hugh eine negative Prognose ausgestellt. Hugh erklärte, dass der Papst diplomatische Immunität genieße und nicht inhaftiert werden könne.

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Diskussion - Bisher 22 Kommentare - Kommentar schreiben
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    Zur Papstkritik:

    Sind es denn die Neuen Atheisten, die keinerlei Diskussionsbereitschaft zeigen? Dawkins und Hitchens führen doch am laufenden Band Debatten mit religiösen Apologeten fast aller couleur! Wann hat sich ein Papst das letzte Mal einem seiner Kritiker gestellt?

    Was ist denn so verwerflich daran, wenn prominente Religionskritiker die Avantgarde bilden, wenn es darum geht, auf die verwerfliche Politik der Kirche und des Papstes aufmerksam zu machen? Die Missbrauchsopfer selber brauchen doch Sprecher! Ich kenne jedenfalls keinen offen Brief der Opfer, in dem sie sich bei Dawkins/Hitchens über deren schrille Papstkritik beschweren.

    Die Neuen Atheisten kritisieren den Papst immer nur wegen seinem Verhalten. Sie sagen nicht, er sei “intrinsisch böse” oder “ein Teufel” – von Dämonisierung kann also nicht die Rede sein. Außerdem machen sie konstuktive Vorschläge, wie z.B. ein gerichtliches Verfahren gegen den Pontifex anzustreben. :-)

    Zum Priesterberuf:

    Kinder werden nicht als Christen geboren. Aber sie werden als Kleinkinder getauft. Ich habe nie von einer atheistischen Taufe gehört. Es gibt auch keinen atheistischen Religionsuterricht in Grundschulen und keine atheistischen Schulgottesdienste. Ich würde meine Kinder nicht zum Atheismus erziehen, aber ich würde ihnen einen säkularen Humanismus vorleben. Ich würde mir aber sogar wünschen, dass sie zu skeptischen Freidenkern werden und nicht einfach meine Weltanschauung übernehmen.

    Zur Abtreibung:
    Euphemismen sind es meinetwegen, aber nicht Indoktrination, allenfalls versuchte Manipulation durch Sprache. Aber eigentlich sind sind einfach die präzisen medizinischen Fachbegriffe. Von mir aus kann man auch “werdender Mensch” sagen, das spielt für meine Argumentation keine Rolle. Emotionale Verbindungen zu bewusstlosen Entitäten (gar stecknadelkopfgroßen Zellansammlungen) aufzubauen, scheint mir höchst irrational zu sein. Trotzdem: Auch ich finde es absolut wünschenswert, wenn werdende Mütter die Frucht ihres Leibes schon vor der Geburt lieb haben! Aber welchen Sinn macht es, jene Müttern, die das nicht können oder wollen, dazu zu zwingen?! Eine ungewollt Schwangere in den ersten drei Monaten, die sich nach bestem Wissen und Gewissen gegen das Kind entschieden hat, darf man nicht gesetzlich dazu verpflichten, es auszutragen. Sie wäre wahrscheinlich ohnehin keine gute Mutter, wenn sie das Kind mit dem Gedanken im Hinterkopf großziehen würde, dass es ihre Lebensplanung verdorben hat…

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    @ Petra Thiel

    > …wobei vielen die lebenslangen psyschischen Probleme die oft auftreten zu diesem Zeitpunkt nicht bewußt sind.

    Was ist, wenn die Mutter das Kind emotional nicht annehmen kann, weil es in ihm immer nur eine Erinnerung an einen verhassten Menschen sieht (nach einer Vergewaltigung). Auch wenn der Mutter bewußt ist, daß das Kind nichts dafür kann, kann sie trotzdem ihre Gefühle ihm gegenüber nicht steuern. Das ist für beide Seiten schlecht. Und was mit Kindern aus zweifelhaften sozialen Fällen passieren kann, kann man ja regelmäßig der Presse entnehmen.

    Ab wann eine Behinderung zu schwer ist, um dem Kind (und auch allen anderen Beteiligten) ein würdiges und positives Leben zu ermöglichen, ist natürlich eine Gratwanderung.
    Mongoloide Menschen halte ich nicht für zu schwer behindert.
    Zweifellos gibt es viele glückliche behinderte Menschen, aber sicher auch genügend, die mit ihrem Leben nicht klarkommen und sich lieber den Tod wünschen.
    Diese Entscheidung darf man sich nicht leichtmachen und ich wüßte auch nicht, wie ich mich entscheiden würde, sollte ich mal vor so einer Wahl stehen.

    > Indoktinierung : Genau das machen ja Atheisten auch. Sie indokrinieren die Kinder auf Atheismus

    Das sehe ich nicht so. Ich hatte als Kind zumindest alle Möglichkeiten offen. Meine Eltern sind nicht religiös, haben mir aber nie eingetrichtert, daß es keinen Gott gäbe. Diese Überzeugung kam bei mir viel später ganz von selbst, als ich mich dem Thema intensiv gewidmet habe. Ich war auch in christlichen Ferienlagern und dergleichen und hab da gebetet und die entsprechenden Lieder gesungen. Wieviele christliche Eltern, würden ihr Kind in eine jüdische und muslimische Einrichtung geben? ;-)
    Ich finde es traurig, wenn ich sehe, wie Kindern Religionen aufgezwungen werden, die sie überhaupt nicht verstehen können. Ich bin überzeugt, daß es die Eltern nur gut meinen, aber trotzdem richten sie in ihren Kindern viel Schaden an (die Androhung der Hölle ist für ein kleines Kind sicher der Horror).

 
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