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Forscherverband: Klarstellung zu Sarrazins Gen-These

Fataler Fehlgriff: Scheitert Thilo Sarrazin an der Empörung über seine Gen-These? Foto: Picapp.com

Ein bedeutender Verband von Bio-Wissenschaftlern hat heute detailliert Stellung zu den Aussagen von Thilo Sarrazin genommen. Tenor: Sarrazin hat grundlegende genetische Zusammenhänge falsch verstanden, seine Aussagen entsprechen nicht dem aktuellen Stand der Evolutionsforschung. Thilo Sarrazin hatte kürzlich in einem Interview erklärt: “Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden.” Davon hat er sich bereits distanziert. Ausführlicher hat sich nun ein Wissenschaftlerverband geäußert. Der Mensch ist eine der genetisch homogensten Spezies der Erde. Unterschiede sind nur sehr begrenzt feststellbar.

„Die genetischen Thesen von Herrn Sarrazin sind nicht mit den modernen Erkenntnissen zur Evolutionsbiologie des Menschen vereinbar“, erklärte heute der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland e.V. (VBIO). Dem VBIO gehören nach eigenen Angaben über 5000 Mitglieder, sowie 35 Fachgesellschaften mit über 30.000 Mitgliedern sowie einige Dutzend Unternehmen an.

Evolutionsbiologisch betrachtet ist der Mensch eine der genetisch homogensten Spezies der Erde, so die Wissenschaftler. Die Unterschiede zwischen Populationsgruppen seien im Vergleich zu anderen Spezies sehr gering, die Unterschiede innerhalb einzelner Gruppen sind sogar bis zu fünfmal höher als zwischen ihnen.

Das genetische Repertoire der Menschheit geht nach dem Stand der wissenschaftlichen Forschung auf eine ursprüngliche Population von rund 50.000 Individuen zurück. Die einzige signifikante Differenzierung, die seit kurzem bekannt sei, rührt von der Tatsache her, dass unter den Vorgängern von Europäern und Asiaten Vermischungen mit Neandertalern  stattgefunden hätten. Lediglich in Afrika gebe es Menschen, die in dieser Hinsicht „genetisch rein“ wären. Die Wissenschaftler betonen, das aus evolutionsbiologischer Sicht der Begriff genetischer Reinheit jedoch unsinnig sei.

Thilo Sarrazin räumte bereits ein, dass seine umstrittenen Äußerungen zu den genetischen Gemeinsamkeiten von Menschen jüdischer Ethnie ein „Riesenunfug“ gewesen wären. Er bedaure diese Erklärungen „extrem“, sagte er in der in der ARD-Talksendung „Hart aber fair“. Sarrazin: „Ich bin definitiv nicht der Ansicht, dass es eine genetische Identität gibt.“ Im Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ habe er nur auf allgemeine genetische Ähnlichkeiten hinweisen wollen. „Ich hätte sagen sollen, Ostfriesen oder Isländer, dann wäre es kein Thema gewesen“, fügte er hinzu. Bekannt wurde, dass der restliche Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin aufgrund seiner Aussagen  nun loswerden will.

Der VBIO führte in seiner Erklärung den Stand der Wissenschaftler zu genetischen Unterschieden detaillierter aus. Bedeutender sei die Art der genetischen Differenzen, erklärten die Wissenschaftler. „Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen sagen nichts anderes aus, als dass diese eine Zeit lang in unterschiedlichen Regionen gelebt haben. Wenn man eine Gruppierung von Volksgruppen mittels neutraler Marker durchführt, erhält man ein ungefähres Abbild der geographischen Verteilung.“ Unterschiede zwischen Volksgruppen ließen sich nur mit Hilfe neutraler genetischer Marker nachweisen, die jedoch keine Rückschlüsse auf spezifische Eigenschaften erlaubten.

Tatsächlich gibt es einige wenige Genregionen, in denen Menschengruppen sich unterscheiden. Ein offensichtliches Beispiel ist hier die Hautfarbe, ein anderes äußert sich in der Fähigkeit zur Verdauung von Milchzucker. Letzteres ist aus evolutionsbiologischer Sicht eine Anpassung an die kulturellen Errungenschaften der Milchverarbeitung und in Holland am häufigsten anzutreffen. Und Japaner wiederrum profitierten von Anpassungen in der Darmflora, welche die Verwertung von Nährstoffen aus Meeresalgen erlauben. Andere Unterschiede betreffen die Resistenz gegen Krankheitserreger wie etwa die mittelalterliche Pest.

Abzulehnen ist laut VBIO aber der Standpunkt, dass es bei verschiedenen Volksgruppen genetische Unterschiede bei der Intelligenz gibt. „Die Intelligenz wird von vielen Genregionen beeinflusst, die in jedem Individuum neu zusammengewürfelt werden“, so die Position der Wissenschaftler. Auch lokale Veränderungen in etwa von Inzest geprägten Regionen würden bei der Vermischung mit externen Individuen schnell wieder ausgeglichen. Im Ergebnis wird betont: „Es ist daher davon auszugehen, dass jede Volksgruppe grundsätzlich das gleiche genetische Potential für Intelligenzleistungen hat.“

Die messbaren Unterschiede in intellektueller Hinsicht, ergänzten die Wissenschaftler, resultierten aus der Beeinflussung der Intelligenztests seitens kultureller Vorerfahrungen. Jede Gruppe, die Intelligenztests auf Basis ihrer Kultur entwickele, würde feststellen, dass die meisten Individuen anderer Volksgruppen durchschnittlich schlechtere Leistungen als die Mitglieder des eigenen Kulturkreises zeigen. Kulturelle Traditionen sind aber nicht genetisch festgeschrieben und könnten sich auch innerhalb einer Generation verändern. Ein Beispiel seien hier die unterschiedlichen Fähigkeiten von Älteren und Jüngeren, Briefe handschriftlich zu formulieren oder Computer zu bedienen.

Abschließend stellen die Forscher fest: „Dass wir neben den offensichtlichen Unterschieden in den Hautfarben überhaupt Ethnien unterscheiden können, liegt an den ausgesprochen hoch entwickelten kognitiven Fähigkeiten des Menschen, die für sie relevante Informationen aus der Umwelt akzentuieren.“ Der subjektive Eindruck dürfe aber nicht zu der Annahme verleiten, dass auch tatsächlich große genetische Unterschiede existierten.

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Diskussion - Bisher 15 Kommentare - Kommentar schreiben
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    Also nachdem ich jetzt ihren Artikel gelesen habe, der belegen soll, dass die Aussage die Sarrazin zurückgezogen hat falsch ist, bin ich irgendwie nicht schlauer geworden. Die Wissenschaftler haben doch jetzt schlussendlich genau das bestätigt was der Sarrazin gesagt hat, nur ohne “Juden” zu sagen! Also hatte der Sarrazin jetzt Recht?

    Thilo Sarrazin:
    “Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden.”

    Wissenschaftler:
    „Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen sagen nichts anderes aus, als dass diese eine Zeit lang in unterschiedlichen Regionen gelebt haben. Wenn man eine Gruppierung von Volksgruppen mittels neutraler Marker durchführt, erhält man ein ungefähres Abbild der geographischen Verteilung.“

    “Jede Gruppe, die Intelligenztests auf Basis ihrer Kultur entwickele, würde feststellen, dass die meisten Individuen anderer Volksgruppen durchschnittlich schlechtere Leistungen als die Mitglieder des eigenen Kulturkreises zeigen.”

    Wenn man sich diese Bemerkungen eins nachdem anderen durchliest, dann hat der Sarrazin recht!!

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    Ich muss mich meinem Vorredner anschließen.

    Sarrazin sagte in dem Interview mit der Welt:
    “Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden.”

    Dieser Satz ist keine Wertung, sondern nur eine Feststellung, die im übrigen ja auch von den Biologen bestätigt wird. Dieser Satz hat nichts mit seinen Thesen zur Vererbung der Intelligenz zu tun.

    Seine Theorien zum Thema Vererbung von Intelligenz ist ebenfalls frei von jeglicher (ethnischer) Wertung:
    “Intelligenz ist zu 50%-80% genetische Veranlagung”
    Im übrigen schließe ich mich letzterer These nicht an. Ich denke, Intelligenz resultiert zu 99,99% aus der Erziehung, dem kindlichen Umfeld und der Kultur, in die man hineingeboren wird.

    Die Kernthese Sarrazins (worüber übrigends kaum jemand spricht) ist der Zusammenhang von Intelligenz und Kultur bzw. Religion (insb. Islam). Hier kann ich Sarrazin bestätigen.

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    @Theo Loge: Dummerweise geht es bei solchen Zahlen nicht um Meinungen, sondern um wissenschaftlich erfassbare Kenngrößen.

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    Ich sags lieber gleich: Ich bin kein Wissenschaftler und habe auch nicht vor, einer zu werden.

    Aber dass es genitische Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen und Ethnien gibt, war und ist für mich eigentlich selbstverständlich.

    Wie sonst ließe sich erklären, warum Asianten überwiegend keinen Alkohol vertragen? Ich kann mich erinnern, mit eben der Begründung, dies sei genetisch bedingt, hat mal eine Asiatin versucht, über “das Recht auf Rausch” legalen Canabiskonsum durchzusetzen.

    Ähnlich ist es mit der Verträglichkeit von Milcheiweiß.

    Oder kommt das alles nur, weil in Asien die Eltern ihren Kindern besonders nachhaltig eintrichtern, Alkohol ist schädlich und Kuhmilch stinkt?

 
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