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Theologe: Religionen schuld an Tiermissbrauch

Begründet werden die aktuellen Anpassungen der religiösen Meinungen deshalb unter anderem durch die Arbeiten des Instituts für Theologische Zoologie, das in Münster 2009 eröffnet wurde. Dessen Arbeit ist auf die Vereinbarkeit von Bibel und einem sich wandelnden tierrechtlichen Bewusstsein fokussiert, um die Kirchen des 21. Jahrhunderts den drängendsten Forderungen der zeitgemäßen Tierrechtsethik anzupassen.

Der Leiter des Instituts, Professor Rainer Hagencord, behauptete daher auf dem Kirchentag, dass die christliche Theologie in zentralen Aussagen über Tiere irre. Die ersten Menschen würden den Schöpfungstag mit einigen Tieren teilen, so Hagencord. Zudem seien nach dem Sündenfall in erster Linie die Menschen aus dem Paradies vertrieben worden, über den Verbleib der Tiere schweige die Bibel. Der maßgebliche Unterschied zwischen Mensch und Tier sei schließlich vor allem der, dass Menschen sich mit Gott auseinandersetzen. Daraus, so meint Hagencord, erwachse eine Verantwortung für die Tiere. Rainer Hagencord führt damit in seiner Argumentation zahlreiche Annahmen an, die weder wissenschaftlich haltbar noch logisch notwendig sind. Seine Theologie ist hilflos gegenüber einer kritisch-rationalen Prüfung.

Dass ein überarbeitetes Bibelverständnis deshalb irgendwann eine ausreichende Basis für fortschrittliche Entwicklungen in der tierrechtlichen Ethik darstellen kann, darf weiterhin bezweifelt werden. Denn trotz Hagencords im Ergebnis zeitgemäßer Einzelmeinung hinkt die christliche Theologie der säkularen Ethik und wissenschaftlichen Forschung um Jahrzehnte hinterher. Bemerkenswert ist dabei auch: Die Bevölkerung in den tiefreligiösen und stark christlichen dominierten USA konsumiert rund 60 Prozent mehr Fleisch als die Menschen in Deutschland, der Großteil stammt aus industrieller Massentierhaltung mit Standards weit unterhalb europäischer Normen.

Eine beachtenswerte und aktuelle Stellungnahme zur tierrechtlichen Problematik enthält schließlich der Film “Earthlings”. Die Dokumentation in Spielfilmlänge aus dem Jahr 2007 schildert die Situation vieler Spezies neben den Menschen aus einer naturalistischen und nichtspeziesistischen Perspektive. Der Film bietet seinen Zuschauern detaillierte und ehrliche Einblicke in das Verhältnis der Menschheit zu den anderen Arten. Die Musik zur Dokumentation stammt vom populären Musiker “Moby”. In philosophisch tragfähiger, einfühlsamer und zugleich schonungsloser Weise nimmt die Dokumentation Stellung, weshalb sie als würdigste Darstellung der tatsächlichen Abgründe im Umgang mit anderen Spezies und den Herausforderungen einer aufgeklärten Tierethik betrachtet wird.

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Diskussion - Bisher 7 Kommentare - Kommentar schreiben
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    Gott verbietet, unreine Tiere zu essen
    (3. Buch Mose, Kap. 11 5. Buch Mose, Kap. 14)

    „Höret nun, was Gott der Herr
    euch zu essen gibt:
    Ochsen, Büffel, Schaf und Reh,
    wie es euch beliebt.

    Euch an diese Regel haltet:
    esset, was die Hufe spaltet.
    Wobei ich jetzt das Kamel
    nicht zu diesen Tieren zähl.

    Hasen und Kaninchen meide,
    unrein sind sie alle beide.
    Unrein sind vor allem Schweine,
    daher esst von diesen keine.

    Wassertiere ohne Schuppen
    mag der Herr nicht in den Suppen.
    Also meidet Krebse, Aale
    und verspeist auch keine Wale.

    Esset auch das Federvieh,
    Adler, Geier aber nie.
    Strauße, Eulen, Sperber, Raben
    sollt ihr ebenfalls nicht haben.

    Störche, Reiher, Wiedehöpfe
    sollen nicht in eure Töpfe.
    Uhu, Kauz und Fledermaus
    sind dem Herren auch ein Graus.

    Esst nicht von den Flügeltieren,
    wenn sie geh´n auf allen Vieren.
    Meidet stets die Bodenkriecher,
    unrein sind all diese Viecher.“

  •  

    Fehlt noch:
    Nett wär es von Gott gewesen,
    könnten wir bei Mose lesen,
    dass man Wasser kochen soll,
    wenn es von Bakterien voll.
    Eine solche Offenbarung
    gäbe unserem Glauben Nahrung.

    Gut find ich auch:
    So wahr ich heute Paulus heiße,
    als Paulus baute ich nur Scheiße. :-))

    Und ernsthaft gut: die Briefe des Wolfgang

  •  

    Der erste mir bekannte Philosoph, der sich tierfreundlich äußerte, war übrigens Atheist: Schopenhauer

  •  

    Auch von der Reimbibel wird es im Laufe der Zeit unterschiedliche Varianten geben.
    Drei davon habe ich schon selbst verfasst. Ganz neu ist aber die Version: „Als Paulus baute ich nur Scheiß“ (Philipper 3, 5-8; in der 3. Auflage steht noch: „als Saulus baute ich nur Scheiß.“). Ullis Fassung hat insofern gute Aussichten, sich zumindest im Internet durchzusetzen, als Paulus als Saulus ja nur einige Christen gejagt, hingegen als Apostel Paulus den Antijudaismus und den Antisemitismus begründet hat:

    „Die Juden sind voll Unverstand,
    sie haben Christum nicht erkannt.
    Denn schon Jesaja stellte fest:
    Der Jude sich nichts sagen lässt.“
    Römer 10 (1-4, 20-21)

    “Die Kreter strafe, diese Schlimmen,
    sie achten Fabeln, die nicht stimmen.
    Dem Reinen nur ist alles rein,
    der Jude aber ist gemein.
    Drum stopft der Juden loses Maul,
    denn sie sind Schwätzer, frech und faul.“
    Titus 1 (10-16)

    Zum eigentlichen Thema gibt es hier eine gute Kurzdarstellung der fürchterlichen Lebensbedingungen bei der Massentierhaltung: http://albert-schweitzer-stiftung.de/tierschutzinfos/nutztiere

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    @pinetop:

    Erstaunlich ist, was schon der Prediger Salomo (Kohelet)im dritten vorchristlichen Jahrhundert über Mensch und Tier gesagt hat:

    Wir Menschen sind auch nur Tiere
    (Prediger, Kap. 3)

    „Wir Menschen sollten klar erkennen,
    auch wenn wir stolz uns Menschen nennen,
    dass Männer, Frauen, Greis und Kind
    in Wahrheit auch nur Tiere sind.

    Ob Leid, ob Freud, ob Pech, ob Glück:
    wir unterliegen dem Geschick.
    Denn sterben müssen Mensch und Tier,
    wir sind für kurze Zeit nur hier.

    Wir sind wie Wind, wie Windeshauch,
    es stirbt das Tier, der Mensch stirbt auch.
    Der Menschen Atem aufwärts steigt?
    Der Tiere Hauch nach unten neigt?

    Nur eines ich ganz sicher glaub:
    wir sind aus Staub, wir werden Staub.
    Wir können Freude nicht genießen,
    nachdem wir unsre Augen schließen.“

    Freude gibt es dann nicht mehr?
    Kohelet, ich mag dich sehr!

 
Zuschauer
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