Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, hat heute in einem ausführlichen Essay Stellung zur heftigen Debatte um Thilo Sarrazin und sein neues Buch veröffentlicht. Dieser sei „der Ghostwriter einer verängstigten Gesellschaft“, schreibt Schirrmacher. Sarrazins Thesen laufen zudem auf eine vollständige Neudefinition des Kulturbegriffs hinaus.
Schirrmacher meint, das Buch „Deutschland schafft sich ab“ wurde nicht von Sarrazin, sondern einer Politik welche statt in Generationen nur noch in Monaten denke, verfasst. Die offensichtlich wenig kenntnisreiche Vorabrezension der Bundeskanzlerin Angela Merkel nennt er „erstaunlich“. Diese hatte sich negativ über das Buch geäußert und es “nicht hilfreich” genannt.
„Sarrazin beschreibt, woran im Befund nicht zu zweifeln ist, die Ergebnisse einer katastrophalen Einwanderungs-, Familien- und Integrationspolitik. Was immer Frau Böhmer, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, an den Statistiken Sarrazins auszusetzen hat: Sie sind, was die demographische Lage des Landes angeht, keine Meinungen, sondern Fakten, und völlig korrekt“, schreibt Frank Schirrmacher Stellungnahme. Er ergänzt, Sarrazin gelte zwar als Mann des offenen Wortes und sein Buch sage viele richtige und notwendige Dinge. Das Buch aber führe zu Konsequenzen, die Sarrazin sich selbst nicht zu ziehen traut und welche er sogar mit Fleiß verbergen würde.
Frank Schirrmacher stellt heraus, dass Sarrazin eine politische Debatte anstoßen wolle, die im Kern nicht kulturell sondern biologisch argumentiere. Mit jeder Seite des Buches von Sarrazin werde klarer, dass es sich nicht um ein bildungsbürgerliches Traktat, sondern um die Etablierung eines völlig anderen Kulturbegriffs gehe. „Kultur“, so Schirrmacher, „ist ihm ein Reflex biologischer Prozesse.“ Bildung könne nicht Vehikel des intellektuellen Aufstiegs werden, denn „genetische und ethnische Dispositionen begrenzen die Fähigkeiten des Individuums ebenso sehr wie die ganzer Völker.“
Thilo Sarrazin argumentiere dabei aus einer Position der Verzweiflung heraus, stellt Schirrmacher fest. Recht habe er damit, dass eine verfehlte Einwanderungspolitik ein Mittelalter importierte, das die Stabilität des Gemeinwesens in Frage stellen kann. „Sarrazin beschreibt den demographischen Zustand des Landes klinisch als das, was man früher ‘Degeneration’ nannte.“ Sarrazin sei deshalb aber kein Rassist, so Schirrmacher weiter. Und die Debatte hätte es auch schon früher in anderen Staaten gegeben, wobei er auf die USA verweist. „Bildung und der Glaube an die eigene Kultur“ beschleunige aber die Integration viel schneller als jede Form eugenischer Politik, führt Schirrmacher aus. Das Beispiel aus den USA sei die Antwort an Sarrazin.
Sarrazins Antwort auf die eigene Analyse werde nicht vor den muslimischen Milieus oder auch den Anhängern selber Sarrazins halt machen. Jeder sei von ihr betroffen und deswegen ist das aufgestellte Intelligenzmodell ein fataler Irrweg, denn es kennt keine spontanen Ausbrüche an Begabung und Talent. Es kann viele großartige Leistungen der Vergangenheit, die aus bildungsferneren Schichten kamen, nicht erklären.Dabei wäre dies der Impuls, um die muslimischen Milieus aufzuwecken. „Bildung und das Vermögen, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, hat Menschen aus dem gesellschaftlichen Nichts zu den großen Bewegern gemacht, ganz gleich, wer ihre Eltern waren.“ Sarrazins Buch, so urteilt Frank Schirrmacher schließlich, markiere einen Wendepunkt, denn es sei „hilfreich, um wirklich zu verstehen, was auf dem Spiel steht.“















Was heisst das denn nun wieder im Klartext? Dass Th. Sarrazin gar Recht hat? Hiobsyndrom? Gesinnungsdiktat in Medien und Politik? Ist da Buch eine pure Analyse oder sind Lösungen mitenthalten? Ob Kultur oder Biologie, Gene oder Meme, entscheidend ist doch, was man aus den Zuständen schliesst und wohin die Reise gehen soll.
Im übrigen ist Th. Sarrazins Aussage über Genetik und Judentum so neu nun auch wieder nicht:
Sarrazin wird ja unter anderem wegen seiner kruden Genetiktheorie angegriffen. Das ist an sich schon richtig ( er hätte wenigstens mal einen Genetiker oder Evolutionsbiologen querlesen lassen sollen, die Unhaltbarkeit seiner These fällt ja schon einem biologischen Laien auf), allerdings ist das Weltbild seiner KritikerInnen, was den Fragekomplex “Umwelteinflüsse oder Vererbung?” in Bezug auf die Erziehung/Formung des Menschen angeht, keinen Deut besser.
Das Problem ist, dass viele Linke vom vollständig “erziehbaren” Menschen ausgehen und dass als negativ empfundene Eigenschaften immer korrigierbar seien. Ausserdem sollten die durch Erziehung und Umwelteinflüsse erworbenen Eigenschaften dann wiederum vererbbar sein. Das ist eine These, die auf Lamarck zurückgeht und in das sozialistische Menschen/Erziehungsbild transportiert wurde. Besonders stark bekam das die UdSSR unter Stalin zu spüren, als Lyssenko führender Biologe wurde. Lyssenkos Erfolg in der Sowjetunion beruhte darauf, dass nach marxistischer Auffassung erbliche Einflüsse auf die menschliche Entwicklung minimal seien. Die biologischen Wissenschaften der Sowjetunion wurden so nachhaltig geschädigt (es kam zu Hungersnöten mit Millionen Toten), so dass der Begriff Lyssenkoismus fortan als Schlagwort für die Unterordnung wissenschaftlicher Erkenntnis unter die Wunschvorstellungen der Politik gebraucht wurde.
Und genau das ist das Problem, worauf Sarrazin aufmerksam machen will. Die Unterordnung wissenschaftlicher Erkenntnis unter die Wunschvorstellungen der Politik. Vulgär als Multikulti-Euphemismus bezeichnet, deren Vertreter als “Gutmenschen” bezeichnet werden. Sarrazin kritisiert ja insbesondere die Integrationsdefizite islamischer EinwohnerInnen, allerdings ist Religion keine genetische Angelegenheit, sondern Bestandteil einer “Kulturwolke”. Besser wäre es, die Diskussion weg vom biologischen, hin zum kulturellen Hintergrund der Menschen zu führen. Da bietet sich das Mem-Konzept des bekannten Evolutionsbiologen Richard Dawkins an.
Mit dem kulturellen Mem-Konzept als Pendant zum biologischen Gen veranschaulicht er das Prinzip der natürlichen Selektion, deren Grundeinheit Replikatoren von Informationen sind. Dann spricht man auch über Kultur und nicht mehr über “Rasse”.
Der Kampf um die Integration der Muslime in Deutschland ist nicht verloren; aber er wird verlorengehen, wenn die Muslime diese Integration nicht auch als eigene Bringschuld begreifen. Wenn sie nicht “Loyalität gegenüber diesem Land” zeigen, nicht bereit sind zur Versöhnung ihrer Religion mit der Moderne. Das sagt kein “Islamophober”, sondern Imam Benjamin Idriz aus Penzberg.
Obiger Artikel sagt es. Unseren sog. Politiker wird auch die Sarazin’sche Mahnung am A…vorbeigehen.
Die dies alles begreifen müssen sich warm anziehen, denn die anderen werden dafür sorgen, daß sie recht behalten.