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Naturgeschichte Gottes: Religion als Erbe der Evolution

Aus wissenschaftlicher Perspektive sind Menschen und ihr Handeln konsequent in das irdische Naturgeschehen eingebunden. Trotzdem sind viele Menschen auf der Erde immer noch sehr religiös oder folgen blind metaphysischen Annahmen. Warum also, wenn es doch letztlich nur um die Bewährung in der gegenwärtigen Wirklichkeit geht, verlieren sich Menschen seit Jahrtausenden in den Glaubenslabyrinthen irrationaler und religiöser Vorstellungen? Warum haben in der Vergangenheit so viele Menschen transzendente und metaphysische Ideen entwickelt und vehement verteidigt?

Der Biologe Richard Dawkins hat darauf einige Antworten. Die Neigung des menschlichen Gehirns, Aberglauben und religiöse Ideen hervorzubringen und festzuhalten, ist evolutionär bedingt. Zwar sei, wie er feststellt, Religion verschwenderisch und extravagant, doch sie hat zweifellos einen Nutzen. Wahr ist: Die Evolution des Menschen reicht über einige Millionen Jahre zurück, während die moderne Kultur nur auf einige Jahrtausende Geschichte der Menschheit blicken kann. Ein Blick auf die vergangenen Jahrhunderte ist deshalb unzureichend, um die menschliche Neigung zu religiösen Vorstellungen zu erklären. Zahlreiche naturwissenschaftliche Disziplinen sind erforderlich, um ausreichende Antworten zu liefern.

Dawkins führt verschiedene Faktoren für die evolutionäre Entwicklung von Religiosität an, darunter das Element der Gruppenselektion. Die Überzeugung von Gruppenmitgliedern, dass sie nach dem Tod für ihren Einsatz eine Belohnung erwarte, resultiere etwa in mehr Tapferkeit, selbstlosem Handeln und fördere sogar das Überleben egoistischer Individuen innerhalb der Gruppe. Diese wiederrum könnten sich erfolgreich fortpflanzen. Ausführlich erläutert er wissenschaftliche Perspektiven zu diesem Thema in seinem populären Buch “Der Gotteswahn”.

Vor allem aber sieht er die Neigung des menschlichen Gehirns als Nebenprodukt. Gleich Motten, die ein künstliches Licht bis zum Tod umschwirren, ist der religiöse Glaube ein Nebenprodukt der evolutionär vorteilhaften Eigenschaft von Kindern, Eltern oder Stammesältesten alles zu glauben. So ist es in den ersten Lebensjahren nützlich, den Anweisungen der älteren Menschen Glauben zu schenken. Kinder, welche eine Tendenz zur Ablehnung elterlicher Ratschläge haben, litten in der Menschheitsentwicklung eher unter Nachteilen als die gutmütig Vertrauenden. Schließlich aber habe der junge Mensch ein so tiefes Vertrauen verinnerlicht, dass er zwischen mit Tatsachen fundierten und metaphysisch oder religiös begründeten Hinweisen nicht mehr unterscheiden kann. „Das Kind kann nicht wissen, dass ‚Plansch nicht in einem Teich voller Krokodile‘ ein guter Ratschlag ist, während ‚Du sollst bei Vollmond eine Ziege opfern, sonst bleibt der Regen aus‘ im besten Fall eine Vergeudung von Zeit und Energie darstellt“, so Dawkins deutlich.

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