Schließlich plädierten die Autoren, dass ein integrativer Dialog „von Seiten der Aufnahmegesellschaft Gesprächspartner benötigt, die einerseits den Islam nicht a priori ausgrenzen sondern Muslimen tatsächlich auf gleicher Höhe begegnen, die aber andererseits dem Islam und Muslimen nicht mit einer Haltung der Beliebigkeit gegenübertreten. Für einen solchen Verständigungsprozess werden vielmehr Gesprächspartner benötigt, die sich selber über ihre grundlegenden Werte im Klaren sind, die insofern glaubhaft auf einem festen Fundament stehen, ‚starke’ und zugleich offene Dialogpartner sind.“
Deutschlands Bevölkerung besteht in dieser Hinsicht vor allem aus Christen, Muslimen und den sogenannten Konfessionslosen. Doch auf welchem festen Fundament kann die deutsche Integrationspolitik der stark muslimisch-religiös geprägten Mehrheit unter den Muslimen gegenüberstehen, wenn ihre obersten Entscheidungsträger bei jeder Gelegenheit die Bedeutung der eigenen (christlichen) Religion in den Status quo der modernen Bundesrepublik hineininterpretieren? Wie kann Integrationspolitik gelingen, wenn die christlichen Religionsgemeinschaften die Integration ihrer eigenen Kinder verhindern – etwa durch nach Religion differenzierenden Unterricht oder Bekenntnisschulen mit höchst fragwürdigen Lehrinhalten?
Michael Schmidt-Salomon befand deshalb zum jetzt wieder offener ausgetragenen Kampf der Kulturen, welcher nach Sarrazins Überzeugung von Muslimen weltweit nicht nur über Politik und Dialog sondern auch über höhere Geburtenraten ausgetragen wird: „Die Fronten verlaufen „keineswegs allein zwischen der ‚Welt des Islam’ und der des ‚christlichen Abendlandes’ (…) sondern parallel auch zwischen jenen, die immer noch an archaischen Glaubensgewissenheiten festhalten möchten, und jenen, die sich konsequent zu den Werten von Humanismus und Aufklärung bekennen.“
Nur so ist das Ziel einer aufgeklärten und friedlichen Gesellschaft erreichbar. „Weder die konservative Wiederbelebung der Idee einer ‚christlichen Festung Europa’ noch die postmoderne Beschwichtigungspolitik gegenüber religiösen und esoterischen Strömungen werden das Projekt einer ‚offenen Gesellschaft’ voranbringen“, so Schmidt-Salomon damals. Der Richterin Kirsten Heisig vergleichbar kritisierte er, „Multikulti-Illusionen hätten zulang den Blick dafür getrübt, dass sich auch in unseren Breitengraden religiöse Parallelgesellschaften herausgebildet haben, die es darauf anlegen, selbst die fundamentalsten rechtsstaatlichen Prinzipien zu negieren.“
Gerade bei den jüngeren Menschen führe religiös getrennte Bildung, statt etwa ein allgemeinverbindlicher Ethikunterricht, weniger zu „weltanschaulicher Vielfalt, sondern bloß potenzierter Einfalt.“ Und Michael Schmidt-Salomon bilanzierte ebenfalls nüchtern: „Wenn wir heute vor dem Scherbenhaufen einer gescheiterten Integrationspolitik stehen, dann nicht zuletzt deshalb, weil die demokratiefeindlichen Potentiale der Religionen (hier: insbesondere des Islam) maßlos unterschätzt wurden.“
Die kritische und rationale Auseinandersetzung um die Interessenvertretung deutscher und europäischer Kultur drängt also immer stärker auf den Plan. Noch wird die Debatte mit den Worten von Thilo Sarrazin angeführt. SPD-Spitze und breite Teile der sozialdemokratischen Basis reiten jedenfalls voran, wenn es nun um seine parteipolitische Ausgrenzung geht. Medien arbeiten daran, ihn auch gesellschaftlich ins Abseits zu stellen. Wahr ist jedenfalls, dass Sarrazins Texte deutlich einfacher zu verdauen sind als viele Reden bedeutender Persönlichkeiten unter Menschen muslimischer Ethnie. Und sollte er schließlich doch all zu inakzeptabel sein stellt sich die Frage: Warum nur bemüht sich niemand der Empörten darum, Thilo Sarrazin wieder zu integrieren?















Das ist ein Rassist,
kein Kommentar, aber eine Gegenüberststellung zum Nachdenken, hier: http://www.nachdenkseiten.de/?p=6584#h19
Ein durchaus lesenswerter Artikel, dem ein paar Kommata gut tun würden. Allerdings störe ich mich an der Behauptung “westlicher, christliche [!] geprägter Kulturen”; wir sind ja vom Gegenteil mindestens genauso geprägt
Sarrazin ist ein Rassist, weil seine Gesellschaftsanalyse Entsprechungen bei den Nazis findet…?
Tut mir Leid, aber dass die Nazis gesunden Menschenverstand mit grotesken Übertreibungen und Boshaftigkeit gegenüber “Minderwertigen” zweckentfremdeten, ändert nichts an dessen Richtigkeit.
Es ist behämmert, auf diesen Beitrag mit “Das ist ein Rassist” zu antworten und nichts weiter. Wer nichts zu sagen hat, der möge gleich still sein. Aber Jens hat recht, das mit der christlich geprägten Kultur kommt schräg rüber.
Was mich an Sarrazin abstößt, ist erst in zweiter Hinsicht sein vorurteilsbehaftete, diskriminierende Gleichschaltung aller Menschen gewisser Ethnien (inklusive aller Arbeitslose), die einen differenzierenden Blick auf die Umstände als Zeitvergeudung abtut.
In erster Hinsicht ist es sein von-oben-herab Reden, dass mir aufstößt. Er glaubt die Wahrheit gefunden zu haben, alle anderen haben Unrecht oder leugnen seine Realität. Er glaubt sich anmaßen zu können Menschengruppen durch generalisierende Aussagen nach Nützlichkeit für den Staat sortieren zu können. Diese Denkweise macht Sarrazin zum Antidemokraten, da es nicht die Aufgabe des demokratischen Staates ist, über seinen Souverän zu entscheiden, oder Teile seines Souveräns als wertlos zu betrachten!
Er sagt von sich selbst vorurteilsfrei und objektiv zu sein und behauptet im gleichen Atemzug, dass Arbeitslose zu dumm sind Teil der Gesellschaft zu sein. Als sie noch Arbeit hatten (wie die vielen jetzt arbeitslosen Opel-Mitarbeiter), da waren sie wohl noch intelligent und nützlich genug Steuern, Sozialversicherungsbeiträge und Arbeitskraft aus ihnen heraus zu quetschen.
Wir brauchen mehr Schmidt-Salomons und weniger subintellektuelle Sarrazin-Clowns in der Öffentlichkeit.