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Sarrazin und das Ende der Geduld

Noch ist Thilo Sarrazin SPD-Mitglied. Für seine Positionen hat er bei Spitzenpolitikern wenig Sympathie. Foto: Deutsche Bundesbank

„Der Kampf der Kulturen (…) lässt sich nicht dadurch meistern, dass man seine Existenz leugnet. Wie nicht nur der sog. ‚Karikaturenstreit’ gezeigt hat, befinden wir uns bereits inmitten eines sehr realen, globalen Kulturkampfes.“ Was der Philosoph Michael Schmidt-Salomon im Nachwort zur zweiten Auflage vom „Manifest des evolutionären Humanismus“ feststellte, äußert sich derzeit hoch aktuell.

Der Auslöser für eine heftige Debatte ist Thilo Sarrazin, ehemaliger Berliner Finanzsenator und Bundesbanker. Denn schon Auszüge seines in Kürze erscheinenden Buchs spalten die Gemüter der Deutschen. Politische Spitzen äußerten scharfe Kritik, Entsetzen oder derben Spott. SPD-Chef Sigmar Gabriel legte Sarrazin den Parteiaustritt nahe. Und doch steht der provokante Sozialdemokrat Sarrazin nicht allein auf seinen Positionen, denn auch Befunde abseits von rechtspopulistischen Randfiguren untermauern seine Ansichten.

Fertilitätsrate, negative Auslese, Völker Europas. Die Lektüre der umstrittenen Auszüge aus Sarrazins Buch kann vielfältige Gefühle hervorrufen. Und das gesamte Werk kennt bisher kaum jemand. Doch erinnert die Begriffswahl schon jetzt an eine Sprache, die als Mischung aus technokratischen Erörterungen soziologischer Befunde und eindringlichen politischen Aufrufen mit Bezug auf Migranten und deutsche Kultur auch in den Fundstücken und erhaltenen Dokumenten dunkelster deutscher Gesichte vorhanden ist. Diese Sprache bei so einem Thema kann schockieren. Warum sie schockiert, hat unterschiedliche Gründe.

Aber was der Autor damit bezweckt, macht er gleich am Anfang klar: „Für mich ist es wichtig, dass Europa seine kulturelle Identität als europäisches Abendland und Deutschland seine als mit deutscher Sprache wahrt“, so Sarrazin. Für ihn ist Deutschland ein Land in Europa, vereint mit seinen Nachbarn. „Dieses Europa“, so Sarrazins Forderung, „ist säkular, demokratisch und achtet die Menschenrechte.“ So aber klingt kein Nachfolger Adolf Hitlers, kein Erbe Joseph Goebbels. Und doch schlägt ihm teilweise eine vergleichbare Verachtung entgegen.

Weniger wortgewaltig formuliert, aber inhaltlich in eine ähnliche Richtung zielte dabei eine andere jüngst erschienene Stellungnahme: „Es gibt zudem in Deutschland zugewanderte Menschen die nie vorhatten, sich einzufügen, sondern schon immer in einer parallelen, in einigen Fällen rein kriminell ausgerichteten Struktur gelebt haben und aus meiner Sicht weitgehend beabsichtigen, damit fortzufahren.“ Die Jugendrichterin Kirsten Heisig äußerte sich kurz vor ihrem Tod ausführlich in ihrem eigenen Buch „Das Ende der Geduld“ über die Einblicke in die Parallelgesellschaft Neuköllns, die geprägt ist von kriminellen Großfamilien rivalisierender Clans – in der Regel mit muslimischem Hintergrund. Innerhalb vieler Jahre hatte sich die engagierte Juristin mit der Berliner Wirklichkeit auseinandergesetzt. Der SPIEGEL druckte Auszüge. Es sind unbequeme Feststellungen.

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Diskussion - Bisher 17 Kommentare - Kommentar schreiben
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    Das ist ein Rassist,

    kein Kommentar, aber eine Gegenüberststellung zum Nachdenken, hier: http://www.nachdenkseiten.de/?p=6584#h19

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    Ein durchaus lesenswerter Artikel, dem ein paar Kommata gut tun würden. Allerdings störe ich mich an der Behauptung “westlicher, christliche [!] geprägter Kulturen”; wir sind ja vom Gegenteil mindestens genauso geprägt

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    Sarrazin ist ein Rassist, weil seine Gesellschaftsanalyse Entsprechungen bei den Nazis findet…?
    Tut mir Leid, aber dass die Nazis gesunden Menschenverstand mit grotesken Übertreibungen und Boshaftigkeit gegenüber “Minderwertigen” zweckentfremdeten, ändert nichts an dessen Richtigkeit.

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    Es ist behämmert, auf diesen Beitrag mit “Das ist ein Rassist” zu antworten und nichts weiter. Wer nichts zu sagen hat, der möge gleich still sein. Aber Jens hat recht, das mit der christlich geprägten Kultur kommt schräg rüber.

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    Was mich an Sarrazin abstößt, ist erst in zweiter Hinsicht sein vorurteilsbehaftete, diskriminierende Gleichschaltung aller Menschen gewisser Ethnien (inklusive aller Arbeitslose), die einen differenzierenden Blick auf die Umstände als Zeitvergeudung abtut.

    In erster Hinsicht ist es sein von-oben-herab Reden, dass mir aufstößt. Er glaubt die Wahrheit gefunden zu haben, alle anderen haben Unrecht oder leugnen seine Realität. Er glaubt sich anmaßen zu können Menschengruppen durch generalisierende Aussagen nach Nützlichkeit für den Staat sortieren zu können. Diese Denkweise macht Sarrazin zum Antidemokraten, da es nicht die Aufgabe des demokratischen Staates ist, über seinen Souverän zu entscheiden, oder Teile seines Souveräns als wertlos zu betrachten!

    Er sagt von sich selbst vorurteilsfrei und objektiv zu sein und behauptet im gleichen Atemzug, dass Arbeitslose zu dumm sind Teil der Gesellschaft zu sein. Als sie noch Arbeit hatten (wie die vielen jetzt arbeitslosen Opel-Mitarbeiter), da waren sie wohl noch intelligent und nützlich genug Steuern, Sozialversicherungsbeiträge und Arbeitskraft aus ihnen heraus zu quetschen.

    Wir brauchen mehr Schmidt-Salomons und weniger subintellektuelle Sarrazin-Clowns in der Öffentlichkeit.

 
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